Gegner führen an: Wer etwa Insektenlarven isst, nimmt in den darin eingelagerten Fettkörpern angereicherte Schadstoffe wie Cadmium auf, die zu Nieren- und Knochenschäden führen können. Andere Bestandteile können anaphylaktische Schocks bei Allergikern auslösen. Teilen Sie die Bedenken?
Das ist richtig und auch schon im Zulassungsverfahren einiger Insekten bestätigt worden. Die Schadstoffe kann man aber durch entsprechende Fütterung in den Griff bekommen. Allergische Reaktionen gibt es bei vielen Nahrungsmitteln, das ist für mich kein Grund, sie nicht auf den Markt zu bringen. Man muss die entsprechenden betroffenen Verbrauchergruppen nur davon in Kenntnis setzen. Wir verbieten ja auch kein Weizenmehl nur weil es bei einigen Bevölkerungsgruppen Intoleranzen auslöst.
Nicht alles, was essbar ist, darf in Deutschland auch zum Verzehr angeboten werden. Wie weit ist hier das Lebensmittelrecht bei uns? Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf?
Wir müssen vor allem dafür sorgen, dass Innovationen schneller und trotzdem kontrolliert auf den Markt gelangen. Bislang gibt es nur: Zulassung oder nicht. Die vielen Graustufen dazwischen werden nicht vom Recht abgebildet, da gibt es viel Handlungsbedarf.
Premiere Am Montag, 4. Juli, findet die Premiere eines neuen Veranstaltungsformats in Kulmbach statt: Der Universitätsverein bringt die "Stadtgespräche" der Uni Bayreuth an den neuen Universitätsstandort. Bei dieser Veranstaltungsreihe sprechen Wissenschaftler über ihre Forschung - verständlich, unterhaltsam und dazu noch spannend.
Referent Den Auftakt macht Professor Kai Purnhagen, der Inhaber des Lehrstuhls für Lebensmittelrecht an der Fakultät VII der Universität Bayreuth für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit. Er stellt die Frage "Warum essen wir keine Insekten?" und spricht unter anderem über "Recht, Vernunft und Gefühle beim Essen".
Ort Treffpunkt für den Vortrag ist um 19 Uhr in der Hauptstelle der Sparkasse in Kulmbach. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung für den Abend nicht erforderlich.