Die Tage des Real in Kulmbach sind gezählt: Ende des Monats schließt der Einkaufsmarkt seine Pforten. Für die Mitarbeiter bedeutet das aber keinesfalls das Aus. Sie behalten ihren Job. Schon am 3. Februar werden sie in der Albert-Ruckdeschel-Straße wieder Kunden bedienen, dann aber als Mitarbeiter von Kaufland.

"Wir haben es gut erwischt", sagt Real-Betriebsratsvorsitzende Angela Schirmer, die auch Vorsitzende des Bundesfachbereichs Handel der Gewerkschaft Verdi ist. Schirmer weiß, dass die - einschließlich der Aushilfskräfte - über 100 Mitarbeiter lange Zeit um ihren Job gebangt haben. In dem Wissen, dass es nicht leicht gewesen wäre, eine berufliche Alternative zu finden.

Die Sorge war groß

Der russische Finanzinvestor SCP hatte nach der Übernahme der SB-Warenhauskette Real vom bisherigen Eigentümer Metro nämlich nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Real zerschlagen wird. 141 der zuletzt noch rund 270 Märkte wollten die Investoren an Kaufland und andere Interessenten verkaufen. Rund 30 Märkte würden mangels Perspektiven geschlossen, hieß es bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages im Frühjahr 2020. Hunderte Mitarbeiter haben bundesweit ihren Arbeitsplatz verloren.

Die Rückkehr

Im Dezember hat das Bundeskartellamt den Erwerb von bis zu 92 Real-Standorten durch die zur Schwarz-Gruppe gehörende Kaufland-Kette genehmigt. Damit war auch der Weg frei für die Übernahme in Kulmbach. Kaufland, das sich 2019 mit dem Auszug aus dem Einkaufszentrum Fritz aus Kulmbach zurückgezogen hatte, kehrt nun zurück.

Es sind noch einige Fragen offen

Was das Unternehmen mit Firmensitz in Neckarsulm mit dem Real-Markt vorhat? Darüber konnten die Mitarbeiter bis dato nur spekulieren. Aus Real-Kreisen sei nur durchgedrungen, dass die Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden, dass auch eine Bezahlung nach Tariflohn vorgesehen sei. "Das sind natürlich erfreuliche Meldungen", sagt Betriebsratsvorsitzende Angela Schirmer, die aber noch auf eine Bestätigung von Kaufland wartet. Ob auch künftig auf zwei Ebenen verkauft oder ob sich Kaufland auf das Erdgeschoss konzentrieren wird? Ob die Metzgerei und der große Non-Food-Bereich mit Elektrogeräten und Haushaltswaren erhalten bleiben? Auch das sind Fragen, die sich den Beschäftigten noch stellen.

Das sagt Kaufland

Wie aus der Kaufland-Presseabteilung gestern zu erfahren war, erfolgt die Übernahme des Real-Marktes zum 1. Februar. Von rund 80 Real-Mitarbeitern ist die Rede, denen eine neue berufliche Perspektive geboten werde. "Gemeinsam mit den neuen Kolleginnen und Kollegen von Real wird Kaufland den Markt erfolgreich weiter betreiben. Für die Kunden bleibt er als Nahversorger für Lebensmittel und alles für den täglichen Bedarf erhalten", heißt es aus der Firmenzentrale.

Start am 3. Februar

Am Montag, 1. Februar, und Dienstag, 2. Februar, bleibt der Markt geschlossen. An diesen beiden Tagen wird er mit neuer Ware beliefert, die Obst- und Gemüseabteilung wird umgebaut, die Waagen- und Kassensysteme werden ausgetauscht.

Ab Mittwoch, 3. Februar, können die Kunden dann bei Kaufland einkaufen. "In den folgenden Wochen wird der Markt entsprechend dem Kaufland-Konzept umgebaut und modernisiert. Die Maßnahmen werden bei laufendem Betrieb durchgeführt, so dass die Kunden auch während dieser Zeit wie gewohnt einkaufen können", so eine Pressesprecherin.

Dass die Kaufland-Kette, die in über 670 Märkten über 72 000 Mitarbeiter beschäftigt, der neue Arbeitgeber ist, begrüßt die Kulmbacher Real-Belegschaft.

Keine Pause

"Kaufland ist sicherlich nicht die schlechteste Adresse", sagt Betriebsratsvorsitzende Angela Schirmer, die vor allem auch froh ist, dass es ohne eine Pause weitergehen soll.