Diese Strada del sole endet in einem Innenhof in der Kulmbacher Straße in Bayreuth. An der Außenbestuhlung eines Cafés vorbei, dann noch wenige Meter um die Ecke, zwei Treppen hoch - schon wähnt sich der Besucher in Österreich. Jedenfalls klanglich. Nach "Wien bei Nacht" sieht es zwar nicht aus, aber es hört sich so an. Frank Hofmann rutscht seine Gitarre zurecht, Uli Strömsdörfer den Stuhl am Keyboard, Holger Höhn nimmt auf dem Cajon Platz. Der Scheinwerfer spuckt sanftes weißes Licht in den Raum. Für einen Moment scheint es, als ob Danzer, Ambros und Fendrich gleich um die Ecke schauen und mitgrooven wollen.

Das ist die Welt von Ö-Drei. Das Trio, eine Mischung aus Kulmbacher und Bayreuther Musikern, hat sich hier in der CP Musik-Akademie ein Refugium geschaffen, um dem Austro-Pop zu frönen, vielleicht sogar ein bisschen zu huldigen. Der Probeplatz wirkt aufgeräumt; kaum Kabelgewürm am Boden, Mischpult und weitere Technik fein säuberlich an einer Wand installiert. "Ich hab da einen kleinen Ordnungsfimmel", sagt Uli Strömsdörfer und tupft hinzu: "Wenn ich könnte, würde ich Kabel ums Eck verlegen."

Frank Hofmann (46) kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Hinter ihm steht ein brauner Flügel, gerahmt von Boxen und einer Stehlampe in 60-Jahre-Anmutung (fehlte nur noch die Umbra-Schrankwand mit dem unschlagbaren Resopalcharme). Gegenüber wehen hinter Schiebevorhängen in Batik-Optik Sprachfetzen von der Straße herein.

Ordnung ist die halbe Musik

Ja, so ordentlich kann ein Proberaum aussehen (er war bereits Schauplatz eines Club-Konzerts mit rund 25 geladenen Gästen). Aber dieser hier ist mehr: Neben der Musikschule ist bei Lehrer Uli noch eine kleine Künstleragentur angeschlossen. Der 50-jährige Multi-Instrumentalist gibt Unterricht für Bass, Gitarre, Keyboard und Schlagzeug, manchmal schnallt er sich das Akkordeon um.

Was für ihn die Faszination von STS, Austria 3 & Co. ausmacht? "Es gibt viele Menschen, die man mit dieser Musik abholt - seien es die Freunde der Liedermacherei generell, seien es die Alpen-Feierbiester oder auch die Lagerfeuer-Gitarrenspieler, die damit aufgewachsen sind. Der Zuspruch bei den Konzerten ist jedenfalls enorm."

Biergarten-Gig bringt sie zusammen

Es war ein Biergarten-Gig bei Ulis Chef, der das Trio 2019 zusammenführte "Dort haben wir gemerkt, dass die Austria-Nummern besonders gut beim Publikum angekommen sind. Da war die Idee geboren, daraus eine eigene Geschichte zu stricken."

Holger Höhn (48) war selber bereits in dieser Richtung vorbelastet: Er hatte durch die legendären Austria-Liederabende mit "Oberfranken 2 & Band" in den Jahren von 1999 bis 2009 mit seinem Freund Joffrey Streit gezeigt, dass die "Ösi-Mucke" auch hierzulande viele Liebhaber hat. "Schuld" war ein Ereignis aus Kindertagen. "Dank meiner Schwester, die immer wieder im Nachbarzimmer zuhause die Lieder von STS, Fendrich, Ambros und Danzer hörte, verliebte ich mich schon als Bub in diese Musik." Und auch Frank Hofmann hatte als Bandleader der Bamberger Formation "Servus Austria" zuvor die Gassenhauer des Nachbarlands intoniert.

Konzertant statt elektronisch

Blieb die Frage: Das volle Brett, also mit Schlagzeug und E-Gitarre? Schnell einigten sich die drei auf die Akustik-Variante mit dreistimmigem Gesang. Ein konzertantes Musikerlebnis soll es sein, die einzelnen Songs sollen durch dezente Begleitung ihre Wirkung entfalten. Der Name ergab sich schließlich: Drei Österreicher - Kurzform Ö-Drei. "Wir wollen ja auch radiotauglich spielen", ergänzt Uli Strömdsdörfer. Bisher hat sich der Sender nicht gemeldet.

Das Trio gibt sich bewusst einen professionellen Anstrich. Aber von der Musik leben kann keiner. "Wäre schön - es funktioniert aber nur so mittel", sagt der Bayreuther. Psychisch lebe er davon, "weil es mich über Wasser hält", monetär braucht es zusätzlich eine Anstellung als IT-Projektmanager.

Pandemie beschert den Job

Bei Frank Hofmann ist es die Anstellung im Kronacher Landratsamt. "Ich hatte vor Corona viele Termine in diversen Konstellationen - mal solo, im Trio oder mit Bands wie Elixier, Short & Painless und dem Nachfolger Partyjoker. Da war die Planung, komplett auf die Musik umzuschwenken." Das ließ sich dann nicht darstellen. Erst ging er zur Post, danach ins Amt - wo er, Ironie des Schicksals, die Corona-Nachverfolgung managt. "Was mich gehindert hat, hat mich jetzt erst mal gerettet."

Kannste dir nicht ausdenken. Holger Höhn schließlich arbeitet bei einer Kulmbacher Umweltfirma.

Alle hegen, wie es Keyboarder Uli ausdrückt, "die freudige Erwartung", Musik bis ins hohe Alter auf der Bühne zu spielen. "Das Publikum altert ja mit uns mit. Und es kommen junge Leute nach, die bei den Wurzeln der Musik hängenbleiben, weil sie wissen: Led Zeppelin, Toto oder Jethro Tull - das ist Qualität, die überdauert und der Instant-Mucke von heute überlegen ist. Ist doch tröstlich, wenn der Wert solcher Songs mit Niveau noch anerkannt wird."