Wenn Christa Bach auf ihrem Balkon steht, liegt ihr ganz Wartenfels zu Füßen. Gerne lässt sie dann ihren Blick schweifen und rezitiert für ihre Besucher schon mal passende Gedichte. "Ist das nicht herrlich?", fragt sie mit einem entwaffnenden Lächeln, und ihr Gegenüber kann sie direkt spüren, ihre große Dankbarkeit, genau in diesem Moment an diesem Ort sein zu dürfen, und ihre tief empfundene Liebe für die Heimat, die eine Wahlheimat ist. Denn die 73-Jährige stammt eigentlich aus Ratingen bei Düsseldorf, doch ihr Herz verlor sie schon als Kind an Wartenfels. Seit April wohnt sie nun endgültig in ihrer jahrzehntelangen Feriendestination.

Wie in der Toskana

Von Urlaubsstimmung hat es tatsächlich etwas, wenn man Christa Bach in ihrem Haus auf dem Traischelberg besucht. "Freunde von mir haben mal gesagt, die Auffahrt zu ihrem Ferienhaus in der Toskana war genauso", erzählt sie schmunzelnd. Schmal und steil windet sich das Siedlungssträßchen am Hang entlang nach oben. Hoffentlich kommt da jetzt kein anderes Auto entgegen, denkt sich jeder, der diese Strecke zum ersten Mal fährt. Und ganz oben, als letztes Haus in der Reihe und am Ende der Straße, die nahtlos in einen Wanderweg zur Traischelkapelle übergeht, liegt das von einem großzügigen Garten umgebene Domizil von Christa Bach.

Eine Lage wie "zehn Richtige im Lotto"

"Ich lebe hier oben in einem Paradies", sagt die pensionierte Lehrerin, der man ihre 73 Jahre kein bisschen anmerkt. "Die Landschaft ist ein Traum, die Lage des Hauses wie zehn Richtige im Lotto." Beim Ausblick von ihrem Grundstück kann man ihre Entscheidung, dem großstädtischen Leben den Rücken zu kehren, nachvollziehen. Aber wie verschlägt es eine Nordrhein-Westfälin ausgerechnet an dieses Fleckchen Oberfranken?

Familiäre Wurzeln

Tatsächlich hat Christa Bach familiäre Wurzeln in Wartenfels. Ihre Großeltern zogen in den 1950er Jahren aus Gesundheitsgründen in den heutigen Pressecker Gemeindeteil. Bei den Großeltern hat sie praktisch alle Ferien verbracht. "Ich war als Kind schon verzaubert von dieser Gegend", erinnert sich Christa Bach. "1957 bin ich als Achtjährige zum ersten Mal allein mit dem Zug von Düsseldorf hierhergefahren." Sogar ein komplettes Schuljahr, die dritte Klasse, hat sie in der Wartenfelser Dorfschule absolviert. "Aus dieser Zeit habe ich noch viele Kontakte, ich kannte ja das halbe Dorf."

1979 beschlossen ihre Eltern, ein Ferienhaus am Traischelberg zu bauen - das heutige Zuhause von Christa Bach. Anfangs seien sie für diese Pläne von den Einheimischen belächelt worden, "heute werde ich um mein Haus beneidet, ich hatte schon etliche Kaufanfragen". Bald zogen ihre Eltern ganz von Ratingen nach Wartenfels, wo die Raspers jahrelang lebten und fest in die Gemeinde integriert waren.

Auch ihren Mann hat es gleich gepackt

Als die Mutter starb und der Vater ins Seniorenheim nach Stadtsteinach umsiedelte, übernahmen Christa Bach und ihr Mann Rolf-Werner das geliebte Haus - zunächst als Feriendomizil. Er war es, der vorschlug, den Lebensabend komplett in Wartenfels zu verbringen, denn den eingefleischten Stadtmenschen hatte die Liebe zum Kulmbacher Land genauso schnell gepackt wie sie selbst. "Gott, ist das schön hier", waren seine ersten Worte, als er 1970 beim ersten gemeinsamen Besuch in Wartenfels aus dem Auto gestiegen war, erinnert sich Christa Bach. Und ihr war ein Stein vom Herzen gefallen: "Ich hätte ihn nicht heiraten können, wenn es ihm hier nicht gefallen hätte."

"Habe die besten Nachbarn"

Den Umzug hat Rolf-Werner Bach leider nicht mehr erlebt, er verstarb im vergangenen November. So setzte die Pensionärin den gemeinsam gefassten Entschluss alleine um: Für immer da leben, wo ihr Herz sich schon lange zu Hause fühlt. Und angekommen daheim ist Christa Bach nun in Wartenfels. "Ich habe hier so viele Freunde, bin gut vernetzt und habe die besten Nachbarn, die man sich vorstellen kann." Irgendwo habe sie einmal gelesen, dass die Wartenfelser ein "kleines, zänkisches Bergvolk" seien. "Aber ich gehe auf jeden zu und quatsche jeden an", und so habe sie die Erfahrung gemacht: "Wenn man die Menschen hier geknackt hat, dann sind sie Freunde fürs Leben und machen alles für einen."

Kultur ohne Ende

Langweilig wird es Christa Bach in ihrem neuen, altbekannten Zuhause nie. Häufig sind Freunde zu Besuch, auch Übernachtungsgäste, die dann oft gar nicht mehr weg wollen, weil es ihnen so gefällt am Traischelberg. Viele, die Angst hatten, ihre kulturbegeisterte Freundin würde sich in "dieser Einöde" langweilen, mussten sich eines Besseren belehren lassen. "Hier gibt es so viel Kultur, da kann ich gar nicht überall hingehen." Dabei ist sie praktisch schon jeden Tag fleißig unterwegs auf der Naturbühne Trebgast, beim Fränkischen Theatersommer, den Festspielen in Kronach und jetzt natürlich auch in Bayreuth, wo die begeisterte Opern-Gängerin voll auf ihre Kosten kommt.

"Franken tut meiner Seele gut"

Vermisst sie trotzdem etwas? Mal abgesehen vom Rhein und dem Abo für die Düsseldorfer Oper - "Nein, Nordrhein-Westfalen war wunderschön, aber mein Frankenland hier ist einfach schöner, und es tut meiner Seele gut."