Es sind nur noch wenige Tage. Lukas Klatt (18) ist aufgeregt. Er hat seine Koffer schon gepackt. Aktuell ist der 18-Jährige auf dem Sprung nach Costa Rica. Das Land gilt als eines der fortschrittlichstem Länder Zentralamerikas. Der komplette Energiebedarf wird aus regenerativen Quellen gedeckt, Ökotourismus wird gefördert. Und in Costa Rica ist eine echte Demokratie etabliert. Außerdem zeichnet sich Costa Rica durch eine einzigartige Landschaft und durch eine ökologische Vielfalt aus wie es sie andernorts kaum auf der Welt gibt. Es gibt Regenwälder, einzigartige Traumküsten und Tiere, die man sonst nur aus Büchern kennt: Tukane, Mantelbrüllaffen, Faultiere.

Der 18-Jährige möchte ein Jahr lang in dem fernen Land bleiben, doch nicht wegen der landschaftlichen und touristischen Einzigartigkeit, sondern um dort mit seiner Freundin zusammen zu sein, um Geld zu verdienen, um etwas anderes kennenzulernen. "Die Reisewarnungen gelten ja nur noch bis 31. August. Trotzdem ist momentan alles eine schwierige Sache", berichtet Klatt. Um auszureisen oder nach Costa Rica einzureisen, muss Lukas Klatt einen Corona-Test vorlegen. Dieser Test darf nicht älter als 48 Stunden sein. Und natürlich muss der Test negativ sein.

Lukas Klatt hat die Reise nach Costa Rica auf eigene Faust geplant. Er hat eine Versicherung abgeschlossen, hat Geld durch Jobs zusammengespart.

Seine Freundin Jennifer will mit ihm in eine kleine Wohnung ziehen. "Ich werde mir dann vor Ort eine Arbeit suchen. Aber ich muss vor Ort eine Arbeitsgenehmigung beantragen. Anders geht es nicht", erklärt Klatt.

Kennengelernt hat Lukas Klatt seine Freundin ebenfalls im Ausland: bei einem Aufenthalt in England. Vor genau einem Jahr reiste Lukas Klatt, nachdem er die Mittlere Reife gemacht hatte, mit der Initiative "Christen für Europa" zur "Catholic Worker Farm" nach London. "Ich wollte dort ein Jahr bleiben und arbeiten und Erfahrungen sammeln", erzählt Lukas Klatt. Doch wegen des Corona-Lockdowns kam alles anders.

Lukas Klatt hat es in England sehr gut gefallen - und das lag nicht nur daran, dass er in England seine Freundin kennengelernt hat. Er erledigte kleine Arbeiten auf der Farm. "Wir haben eigentlich alles gemacht. Es war nie langweilig. Wir haben eine Mauer, die einsturzgefährdet war, abgetragen. Wir haben Feste und Events vorbereitet. Und wir haben mitgeholfen, Flüchtlingsfrauen zu betreuen", erzählt Klatt. Acht Frauen aus Mauritius, Afghanistan, aus verschiedenen afrikanischen Ländern waren auf der Farm untergebracht und haben dort eine neue Heimat gefunden. Doch dann musste Lukas Klatt vorzeitig abreisen. "Der Abschied war richtig doof, denn es gab keinen", erzählt der Himmelkroner.

Lukas Klatt reiste im März nämlich zur routinemäßigen Zwischenreflexion nach Dresden. Es sollte nur ein paar Tage sein. Außerdem wollte Lukas Klatt zu Hause seinen 18. Geburtstag feiern - und dann schnell zurück nach England. "Ich hatte nur Handgepäck dabei. Alles andere habe ich in England gelassen", erzählt er. Dann kam der strenge Lockdown. "Ich hatte die Wahl, ob ich zurück nach England gehe. Dann hätte ich aber in Quarantäne gemusst und hätte immer auf der Farm bleiben müssen. Das wollte ich auch nicht", sagt er offen und ehrlich. Und so blieb er in Deutschland. "Das Gepäck wurde mir dann von meinem Zimmernachbarn nachgeschickt", erzählt Klatt. Für den Himmelkroner brachte Corona die gesamte Lebensplanung durcheinander. Denn er wollte ja ein Jahr Erfahrungen sammeln. Plötzlich hing er in der Luft.

"Ich habe jetzt die Zeit genutzt, habe Praktika gemacht und gejobbt. Ich habe den Führerschein gemacht. Aber ich brauche noch ein Jahr für mich", sagt Klatt. Da er in England seine Freundin Jennifer kennengelernt hat, war es für den Himmelkroner keine Frage, in welchem Land er weitere Auslandserfahrungen sammeln möchte: in Costa Rica.

Lukas Klatt spricht allerdings kein Spanisch. "Aber seitdem ich in England war, ist mir klar, dass man eine Sprache am besten lernt, wenn man in dem Land ist. Das war mit Englisch auch so. Obwohl ich Mittlere Reife gemacht habe und Englisch in der Schule hatte, konnte ich in England nicht sprechen. Es hat zwei Monate gedauert. Aber jetzt klappt das", ist Lukas Klatt zuversichtlich. Momentan bereitet er sich mit einem Online-Sprachprogramm vor und lernt Vokabeln. "Meine Freundin studiert Lehramt. Sie hilft mir", sagt Klatt. Nach diesem Auslandsjahr in Costa Rica will Lukas Klatt an die FOS in Kulmbach. "Dann möchte ich Abi machen - zwei Sprachen könnte ich ja dann, wenn das mit Spanisch klappt", ist der 18-Jährige zuversichtlich. Sein Flugzeug geht jedenfalls am 2. September. Dann startet er mit neuem Schwung in ein neues Abenteuer.