Abends, wenn andere Menschen gemütlich vor dem Fernseher sitzen, rattert bei Anneliese Pittel aus Himmelkron die Nähmaschine. "Es fing damit an, dass mir meine Tochter ein Brotsäckchen gezeigt hat. Sie meinte, so etwas könntest Du doch auch einmal nähen", erzählt Anneliese Pittel. Seitdem ist sie regelrecht vom Nähfieber gepackt und kreiert Brotsäckchen am laufenden Band.

"Eigentlich dachte ich, dass die Leute die Brotsäckchen dazu benutzen, das Brot beim Bäcker abzuholen", so Anneliese Pittel, die sich diesbezüglich aber eines Besseren belehren lassen musste. Die meisten lassen sich das Brot nämlich in eine Tüte packen und füllen es erst zu Hause in die hübschen Beutel, um es dann in einen Brotkasten oder in den Küchenschrank zu legen.
"Viele verschenken die Brotsäckchen aber auch mit einer Brotzeit", weiß Anneliese Pittel.

Für die Details ihrer Kunstwerke hat die 65-Jährige ein Händchen. Auf jedes Säckchen muss ein handgestickter Brot-Schriftzug. "Da sitze ich schon allein eine Stunde dran, bis ich die Schrift fertig habe", beschreibt sie den Aufwand.

Dann wird der gestickte Schriftzug auf den Beutel genäht. Aber das ist noch lange nicht alles. Den besonderen Reiz bekommen die Brotbeutel aus der Himmelkroner Manufaktur erst durch die Verzierungen. Die Beutel werden mit kariertem Stoff, Blumenstoff oder gemusterten Stoffen verziert, manchmal bekommen sie Applikationen - je nach Lust und Laune. "Einige alte Stoffe habe ich noch von meinem Opa, der war Handweber", erzählt Anneliese Pittel und holt einige davon aus ihrem Fundus - echte Raritäten. "Manchmal finde ich auch Stoffe und Spitzen auf dem Flohmarkt. Da muss ich dann natürlich zugreifen", sagt sie.

Ein Herzchen als Clou

Und als Clou wird jeder Brotbeutel mit einem Dekoherz verziert. "Für so ein Herzla brauche ich zwei Stunden und mehr", verrät Annliese Pittel. Denn das Herz muss nicht nur zugeschnitten, ausgestopft und versäubert, sondern noch umstickt und dann mit festen Maschen und Mausezähnchen umhäkelt werden. "Ich habe einfach Spaß an so kleinen Details", sagt die 65-Jährige, die sich immer freut, wenn ein Herzla fertig ist.

Schon mit 13 Jahren hatte sie sich ihr erstes Kleid geschneidert - auf der Tretnähmaschine. Seitdem ist sie von dieser Freizeitbeschäftigung begeistert. Anneliese Pittel sammelt Stoffe und Spitzen und hat immer neue Ideen, um daraus Dekoratives zu nähen. Sie fertigt auch Kissen in allen Farben und Größen. "Weil die Näherei einfach mein Hobby ist, habe ich noch eine kleine Änderungsschneiderei. Aber leben könnte man davon nicht", gibt die 65-Jährige zu.

Die Brotbeutelkreationen sind reiner Spaß. "Ein Säckchen oder ein Herzla muss ich abends immer fertig machen, sonst kann ich nichts ins Bett", sagt Annemarie Pittel und lacht. Sie ist voller Tatendrang, denn sie hat noch viele Stoffreste und immer neue Ideen für ihre Säckchen.
Die verkauft die Himmelkronerin übrigens in allen Filialen des Grünwehrbeck in Kulmbach, Stadtsteinach und Presseck sowie auf den Flohmärkten Am Schwedensteg in Kulmbach und im Himmelkroner "Fichtelgebirgshof". "Aber das ist nur ein Hobby", sagt Annemarie Pittel und lässt die Nähmaschine schon wieder rattern.



Experten-Tipps: So wird das Brot richtig aufbewahrt

Kulmbach — Der Zentralverband Deutscher Großbäckereien hat in einer Studie herausgefunden, dass in jedem fünften Haushalt das Brot falsch aufbewahrt wird. Generell sollte weizenhaltiges, helles Brot möglichst schnell verzehrt werden, roggenhaltiges, dunkleres Brot sollte bei Zimmertemperatur gelagert werde, rät der Verband.
Eine Nachfrage bei Kulmbacher Bäckereien hat ergeben, dass es unterschiedliche Empfehlungen für die Aufbewahrung von Brot gibt.
Hildegard Dippold von der gleichnamigen Bäckerei in Melkendorf rät, das Brot einfach in einem Leinensäckchen aufzubewahren. Eine Ausnahme macht sie bei dem neuen gluten- und laktosefreien Brot. Damit es schön saftig bleibt, stellt sie es, wenn es ausgekühlt ist, sogar in der Bäckerei bereits in den Kühlschrank.

Ansonsten gehört Brot nicht in den Kühlschrank, auch dann nicht, wenn es durch ein Säckchen geschützt ist. Denn im Kühlschrank altert Brot schneller und verliert sein Aroma.
Gute Erfahrungen hat Hildegard Dippold auch mit der Aufbewahrung in Brotkästen aus Holz. "Viele bewahren das Brot auch im Römertopf auf", weiß sie, will aber keine festen Regeln aufstellen.

Bäckermeister Sebastian Groß - der Grünwehrbeck - empfiehlt, das Brot entweder einfach in der Papiertüte vom Bäcker zu lassen oder es in Leinen- oder Baumwollsäckchen aufzubewahren. "Das einfachste ist das Beste. Auf keinen Fall sollte man Brot in einen Plastikbeutel geben", sagt Groß.

Auch von einer Aufbewahrung im Kühlschrank rät er rigoros ab. Temperaturschwankungen seien immer schlecht, zudem altere Brot im Kühlschrank schneller. Wenn Brot luftdicht abgeschlossen sei, dann bilde sich Kondenswasser und könne es zur Schimmelbildung kommen. Groß: "Ich halte auch nicht viel von der Aufbewahrung in Tontöpfen, weil die schon zu dicht sind." Besser sei da schon ein Brotkasten aus Holz, der die Luft zirkulieren lasse.