Wenn man in der Nähe von Berndorf (Gemeinde Thurnau) derzeit auf eine junge Frau mit Schreibblock und Zollstock trifft, dann ist das nicht etwa eine besonders interessierte Touristin, sondern eine Wissenschaftlerin der Technischen Universität (TU) München.

Dort ist Marion Lang (32) als Doktorandin angestellt. Ihre Doktorarbeit schreibt sie über die Wiederansiedlung gefährdeter Ackerwildkräuter, ein gemeinsames Projekt der TU München und der Bayerischen Kulturlandstiftung. Der Berndorfer Landwirt Hermann Schwarz (59) hat dafür einen Teil seines Ackers zur Verfügung gestellt.

Auf einer Fläche von 0,2 Hektar durfte Lang zwischen die Sommergerste die Samen von sechs verschiedenen Ackerwildkrautarten säen. Der Landwirt hat in diesem Bereich auf Pflanzenschutz verzichtet. Über zwei Jahre hat die Doktorandin dann die verschiedenen Ackerwildkrautarten dokumentiert, die in diesem Bereich gewachsen sind. Zufrieden präsentiert sie ihre Ausbeute: Echter Frauenspiegel, Rundblättriges Hasenohr, Einjähriger Ziest und viele andere. "Ackerwildkräuter sind in der Regel sehr konkurrenzschwach. Die Bodenbearbeitung verschafft ihnen einen Vorteil", erklärt Lang. Daher wachsen diese Pflanzen besonders gut auf Äckern.

Saatgut aus der Region

Die Pflanzen, die Lang ausgebracht hat, sind so selten, dass es zwei Jahre gedauert hat, ausreichende Mengen an Saatgut zu bekommen. "Wir haben nur gebietseigenes Saatgut verwendet", erklärt Lang. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern habe sie das Saatgut per Hand in der nördlichen Frankenalb gesammelt. Die seltenen Arten wurden dann in Botanischen Gärten in Würzburg, München und Erlangen vermehrt. Dann hat die Wissenschaftlerin die Samen per Hand ausgebracht und das nicht nur in Berndorf. Langs Projekt umfasst 63 Äcker in ganz Bayern - für jedes einzelne hat sie regionales Saatgut verwendet. Die nächsten Versuchsflächen befinden sich bei Bayreuth und Forchheim. "Wir stehen viel im Austausch mit Botanikern und Behörden", so Lang. Ihre Versuchsflächen fahre sie regelmäßig von München aus ab. Für eine solche Dokumentationsrunde brauche sie etwa drei Wochen.

Zu Landwirt Hermann Schwarz ist sie über das Kulmbacher Landratsamt gekommen. Dort hat sie ihr Projekt bei einer Dienstbesprechung vorgestellt und die Mitarbeiter haben vermittelt. Kristina Schröter von der Unteren Naturschutzbehörde erklärt: "Wir haben diese Fläche vorgeschlagen, weil hier am Feldrand bereits eine gefährdete Pflanze vorhanden ist, die Kleine Wachsblume."

Sie sei etwas Besonderes, weil eine bestimmte Wildbienenart einzig auf sie angewiesen ist. Die Wachsblumenbiene fliegt über große Distanzen, um die Blüten zu erreichen und hilft so der Blume bei der Fortpflanzung. Die Kleine Wachsblume ist zweijährig und wächst an hellen Standorten im Randbereich von Feldern. Gegenüber Pflanzenschutzmitteln, die vom Wind über den Feldrand hinausgetragen werden, ist sie sehr empfindlich. "Daher fanden wir, dass sich genau dieser Ackerbereich besonders gut für das Projekt eignet", so Schröter.

Verlustausgleich für den Landwirt

Für den Landwirt hat der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel Konsequenzen. Sein Getreide wird mit Unkrautsamen verunreinigt. Über die Ähren der Sommergerste hinaus ragen bereits jetzt die langen Halme des Flughafers, ein problematisches Ackerunkraut, das die Erträge stark mindert. Schwarz verkauft seine Sommergerste an den Landhandel oder die Mälzerei. Hat das Getreide mehr als zwei Prozent Fremdsamen wird die Reinigung aufwendiger und der Landwirt bekommt Abzüge beim Kaufpreis. "Um den Schaden auszugleichen, gibt es das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP)", erklärt Kristina Schröter von der Unteren Naturschutzbehörde.

Auf diese Weise sei der Verzicht auf Pflanzenschutz für Landwirte zumindest kein Draufzahlgeschäft, denn "VNP ist immer nur eine Ausgleichsmaßnahme für den Verlust". Besonders gut eigne sich ein solches Programm auf Grenzertragstandorten, also auf Äckern, die ohnehin nicht viel Ertrag abwerfen, etwa weil die Böden sehr steinig oder sandig sind.

Auf die Frage, warum Schwarz bei dem Projekt mitgemacht hat, antwortet er: "Just for fun". Er habe einfach sehen wollen, ob es funktioniert. Ein bisschen Sorge um die Felder der Nachbarn hatte er schon, denn Unkräuter breiten sich sehr schnell aus. "Disteln wären ein Problem gewesen", sagt er. In diesem Fall hätte man ihn sicher darauf angesprochen. "Ob das Projekt erfolgreich war oder nicht, kann man noch nicht sagen, das braucht Zeit", sagt Lang. Positiv zu beurteilen sei es, dass sie auch viele Ackerwildkräuter gefunden habe, die sich von alleine angesiedelt haben, etwa Acker-Gauchheil oder Finkensame. Und auch der Bestand an Kleinen Wachsblumen auf der benachbarten Freifläche erhole sich zügig.