Beim Telefonat mit Christian Ruppert erleben wir es gleich live mit: Immer wieder reißt die Verbindung ab, als wir mit ihm über die Lücken im Handynetz reden wollen. "Das ist schon fast peinlich, wenn das Gespräch dauernd weg ist", sagt der Pressecker Bürgermeister, der auf dem Weg zu einem Termin ist. "Zwischen Heinersreuth und Helmbrechts kann man praktisch keine Unterhaltung führen", erklärt der CSU-Mann, der sein Mobiltelefon oft dienstlich braucht.

So wie ihm geht es vielen seiner Bürger. "Wir haben viele Nachfragen aus der Bevölkerung, die teilweise weder Handyempfang noch schnelles Internet hat", sagt er mit Blick auf kleine Ortsteile wie die Elbersreuther Mühle. "Ein Problem sind vor allem die Tal-Lagen."

Aber auch in größeren Orten wie Wartenfels und Reichenbach sei der Mobilfunk-Empfang schlecht. Dabei ist ein gutes Mobilfunknetz in seinen Augen unabdingbar für ein modernes Leben auf dem Land. Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen im Home-Office arbeiten, sei das sehr wichtig. "Sonst werden wir hier abgehängt", ist seine Befürchtung.

Deshalb hat Presseck - wie mehrere andere Landkreisgemeinden auch - an einem so genannten Markterkundungsverfahren teilgenommen, mit dem die Funklöcher gesucht und geschlossen werden sollen (siehe auch weiter unten "Das bayerische Mobilfunkförderprogramm). Mit diesen Städten und Gemeinden - viele davon im Oberland - haben wir gesprochen.

Nachbar-Bürgermeister Werner Burger (DG/ÜWG) kennt ebenfalls die neuralgischen Stellen in seiner Heimatgemeinde Grafengehaig. "Die weißen Flecken sind vor allem durch Berg und Tal bedingt." Auch auf dem bekannten Mühlen-Wanderweg gebe es Funklöcher. Während das die einen ärgert, freut es die anderen.

Denn die Meinungen über den Ausbau der Mobilfunkversorgung gehen in Grafengehaig auseinander, sagt Burger und verweist auf die letzte Bürgerversammlung. "Die einen fordern den Ausbau, die anderen haben Bedenken wegen gesundheitlicher Auswirkungen." Deshalb gelte es, mit Fingerspitzengefühl vorzugehen. "Früher gab es solche Diskussionen mit den Windrädern, dann mit der Flächenphotovoltaik." Er hoffe, dass die Bevölkerung einsehe, dass man die Mobilfunkabdeckung brauche. Und er gibt sich zuversichtlich: "Wenn andere das schaffen, schaffen wir das auch."

Besser als in Presseck und Grafengehaig sieht es eine Gemeindegrenze weiter in Marktleugast aus. "Wir haben nicht so viele Lücken in der Versorgung", sagt Bürgermeister Franz Uome (CSU) und nennt hier vor allem die Ortsteile Großrehmühle und Hinterrehberg als "tote Punkte" beim Mobilfunk. Auch zwischen Grafengehaig und Marktleugast gebe es Stellen mit schlechtem Empfang.

Nachdem die Lage aber nicht dramatisch sei, habe man andere Projekte wie das Ärztehaus vordringlich behandelt. Forderungen nach einer besseren Mobilfunk-Versorgung höre er nicht oft. Im Gegenteil. Es gebe sogar Gegner des Ausbaus. Alles in allem sei der Handyempfang in Marktleugast keine große Geschichte, so Uome.

"Bei uns ist es überall im Dorf schwierig", sagt Bürgermeister Philipp Laaber (CSU) und meint damit Guttenberg. Schon wenn man von Untersteinach in seine Heimat fahre, reiße bereits bei der Einfahrt in den Wald beim Steinbruch der Empfang ab. Entlang der Hauptstraße im Ort sei es weiter schlecht, im Neubaugebiet etwas besser. Ein ähnliches Bild zeichne sich auf den Dörfern ab, "mal besser, mal schlechter".

Dabei, so weiß der junge Bürgermeister, gebe es durch das Home-Office eine gestiegene Nachfrage nach besserem Mobilfunk-Empfang. "Bislang hatten wir aber noch keine große Debatte", stellt er fest. Sollten neue Sende-Masten errichtet werden, so legt er Wert darauf, dass die Sicherheitsabstände eingehalten werden. "Da bin ich sehr darauf bedacht."

Zunächst geht es darum, geeignete Standorte für das Bayerische Mobilfunk-Förderprogramm herauszusuchen und der dafür zuständigen Regierung der Oberpfalz zu melden, erklärt Laaber das weitere Vorgehen. Die Behörde setze sich dann mit den Mobilfunk-Anbietern in Verbindung. "Heuer wird sich wohl nicht mehr viel tun. Aber der Mobilfunk-Ausbau ist eines meiner nächsten Projekte", sagt Laaber.

Einzelne Funklöcher gibt es stellenweise im Markt Kasendorf, weiß Bürgermeister Norbert Groß (CSU). Er nennt Azendorf und Lopp als die Orte ohne Empfang. Diese Lücken will der Markt schließen. Ob mit Unterstützung vom Bund oder dem Freistaat - die beste Möglichkeit will der Bürgermeister noch ausloten.

Ein Funkmast oberhalb von Kasendorf sei sogar schon geplant gewesen, aber dann an einem Veto der Unteren Naturschutzbehörde gescheitert. Seitens der Bürger höre er häufiger Stimmen und die Bitte, die weißen Flecken zu schließen.

Um eine flächendeckende Mobilfunkversorgung zu gewährleisten, kann sich Norbert Groß auch andere Lösungen als die Errichtung von hohen Masten vorstellen, die ein großes Gebiet abdecken. "Es gibt zum Beispiel Sendeanlagen, die unter Dach verbaut werden können. Diese Technik wird in Großstädten verwendet. Hier führen viele Wege nach Rom."

Einen weißen Fleck im Mobilfunknetz gibt es im Bereich des Marktes Mainleus nur im südlichen Teil der Gemeinde - bei Motschenbach und Wüstenbuchau. Die Gemeinde hat Interesse bekundet, die Lücke zu schließen und wartet nun auf eine Rückmeldung des Freistaats, erklärt Bürgermeister Robert Bosch zum Sachstand.

Beim weiteren Vorgehen will der Markt Fingerspitzengefühl walten lassen, nachdem es im Ortsteil Schwarzach Protest gegen die geplante Errichtung eines Sendeturms gegeben hatte. "Wenn ein Mast nahe an die Wohnbebauung heranrücken sollte, könnte es nachvollziehbar kritische Stimmen geben", so Bosch. Deshalb werde, sobald sich ein Standort herauskristallisiere, dieser auch offen kommuniziert. "Im Idealfall gibt es sogar mehrere Standort-Varianten." Derzeit sei aber noch nichts spruchreif.

Bosch geht zudem davon aus, dass sich mit der Aufstellung einer neuen Sendeanlage auch der Empfang im Ortsteil Buchau verbessern würde.

In Wonsees kennt Bürgermeister Andreas Pöhner (CSU) neuralgische Punkte (Kleinhül, Zedersitz), in denen die Mobilfunkversorgung nicht gut ist. Zwar hat sich auch Wonsees beim bayerischen Mobilfunkförderprogramm angemeldet, will die Entwicklungen aber noch genau analysieren. Denn derzeit sei viel in Bewegung. "Wenn die Gemeinde einen Impuls geben muss, stehen wir natürlich in den Startlöchern", versichert er.

Auf Wonseeser Gebiet habe es schon eine Markterkundung gegeben, ein möglicher Maststandort befinde sich "irgendwo im Wald". Und das sei besser als vor einer Haustür. Einen konkreten Platz gebe es aber noch nicht. "Wenn das soweit ist, wird die Bevölkerung informiert." Pöhner geht davon aus, dass bei einer Verbesserung der Mobilfunkversorgung der Zuspruch größer sein wird als die Kritik.

Selbst im Bereich der Stadt Kulmbach existieren noch Lücken, die geschlossen werden sollen.

Betroffen ist das nördliche Stadtgebiet bei Baumgarten/Lehenthal. Für dieses Gebiet fand nach Auskunft von Jonas Gleich, dem Pressesprecher der Stadt Kulmbach, eine Suchkreisabfrage bei potenziellen Providern statt. Interesse an einem Ausbau meldete dabei Vodafone an. Für den Ausbau hat die Stadt Kulmbach im Februar beim Bayerischen Breitbandzentrum einen Förderantrag gestellt - eine Förderzusage ist für den Herbst angekündigt.

Danach soll in Abstimmung zwischen der Stadt, Vodafone und dem Breitbandzentrum der Standort für einen Mobilfunkmast zwischen den genannten Ortsteilen festgelegt werden. "Insofern kann man davon ausgehen, dass es hier in absehbarer Zeit zu einer Verbesserung der Mobilfunkversorgung kommen wird", so Jonas Gleich.

Das bayerische Mobilfunkförderprogramm

Funklöcher Warum gibt es in Bayern noch immer Funklöcher? Zu einem flächendeckenden Ausbau sind Mobilfunkanbieter gesetzlich nicht verpflichtet. Die Mobilfunkanbieter wählen die Standorte für Mobilfunkmasten eigenständig und passend zu ihrem jeweiligen Netz aus. Sie orientieren sich dabei an wirtschaftlichen Gegebenheiten.

Mobilfunk-Versorgung in Bayern Die LTE-Versorgung sieht so auf (Stand: Anfang 2019): 96,8 Prozent der Haushalte; 88,4 Prozent der Fläche .

Ziel Das Ziel des Bayerischen Mobilfunk-Förderprogramms ist es, Mobilfunklücken in Regionen zu schließen, die marktwirtschaftlich nicht ausgebaut werden. Das Förderprogramm läuft zunächst bis Ende 2022.

Förder-Empfänger sind Gemeinden, Zusammenschlüsse von Gemeinden, Mobilfunkunternehmen.

Quelle: Bayerisches Wirtschaftsministerium