Gebaut wird auch in Corona-Zeiten: Die Auftragslage im Bauhaupt- und Baunebengewerbe ist dementsprechend im Landkreis Kulmbach gut. Das Geschäft läuft, doch die Branche hat auch Sorgen. "Vielen Betrieben fehlt der Nachwuchs", sagt Kreishandwerksmeister Günther Stenglein. Zimmerer, Maurer oder Klempner würden oftmals händeringend gesucht.

"Handwerk sucht Verstärkung"

Stenglein, der die Zimmerei Stenglein in Schmeilsdorf und die Firma Eber Bedachungen in Kulmbach führt, kann selbst über mangelnde Arbeit nicht klagen. "Wir haben gut zu tun", sagt der Unternehmer aus dem Markt Mainleus, der im kommenden Lehrjahr drei neue Azubis einstellen will. Zwei junge Männer hätten schon Vorverträge unterschrieben. "Das ist natürlich erfreulich", sagt Stenglein, der weiß, dass beileibe nicht alle seiner Kollegen bei der Suche nach Nachwuchskräften bis dato so viel Erfolg gehabt haben. Azubis zu finden, sei nicht leicht. Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage sei groß. "Es gibt seit Jahren viel mehr Lehrstellen als Bewerber", sagt der Schmeilsdorfer, der unter dem Motto "Das Handwerk sucht Verstärkung" um neue Kräfte wirbt.

Die Statistik

Ein Blick auf eine Statistik der Arbeitsagentur Bayreuth-Hof, zu der der Landkreis Kulmbach gehört, macht deutlich, dass die Suche nach Lehrlingen alles andere als einfach ist. 548 Ausbildungsplätze waren der Agentur Ende Februar für Kulmbach branchenübergreifend gemeldet. Diesen standen 303 Bewerber gegenüber. Besonders gesucht wird der Nachwuchs vor allem im Handwerk und auf dem Bau, wie die Pressesprecherin der Agentur, Evelyn Kannhäuser, mitteilt. Bei den Malern und Stuckateuren etwa waren Ende Februar 14 Stellen gemeldet. Lehrstellen-Suchende gab es noch keine. In der Innung Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sieht es nicht viel besser aus: 42 Stellen stehen sieben Bewerbern gegenüber. Im Hochbau kommen auf 37 ausgeschriebene Stellen gerade mal fünf Bewerber.

Ein Imageproblem?

Dass es kein Leichtes ist, junge Kräfte zu finden, weiß auch Hannes Popp vom gleichnamigen Kulmbacher Baugeschäft, der zugleich Obermeister der Bauinnung ist. "Das fällt vielen nicht leicht. Der Bau hat scheinbar leider immer noch ein Imageproblem", sagt Popp, der selbst gerne im September einen Maurerlehrling einstellen würde. "Eine Bewerbung liegt uns aber noch nicht vor." Mittelfristig könnte der Nachwuchsmangel zu Problemen führen, weil nicht wenige Mitarbeiter ins Rentenalter kommen.

Die Statistik

"Im Durchschnitt bleibt jeweils fast die Hälfte der Stellen unbesetzt", teilt Evelyn Kannhäuser zur Ausbildungssituation mit. Die Suche nach jungen Leuten, die einen Handwerksberuf ergreifen, werde immer schwieriger. Um Nachwuchs zu gewinnen, gingen viele Unternehmen neue Wege.

Sie spricht vom gezielten Arbeitgeber-Marketing. Es werde versucht, junge Leute mit pfiffigen Ideen zu gewinnen. Der eine Betrieb locke mit einem Dienstfahrzeug, der andere mit Tankgutscheinen oder einem Fitnessangebot. "Solche Angebote zu unterbreiten, fällt aber natürlich gerade kleineren Unternehmen schwer", so die Sprecherin der Arbeitsagentur.

Wohin geht die Reise?

Dass trotz der Nachwuchssorgen viele Betriebe gerade wirtschaftlich zurzeit keinen Grund zum Klagen haben, stellen Hannes Popp als Obermeister der Bauinnung und Kreishandwerksmeister Günther Stenglein beide heraus. Grund zu allzu großer Euphorie sehen sie aber nicht. "Wir fragen uns alle, ob die Corona-Krise nicht irgendwann auch Auswirkungen auf die Lage am Bau haben wird", sagt Hannes Popp.

"Wir versuchen uns jetzt einen Puffer zu schaffen, denn wir wissen ja nicht, was 2022 kommt. Auch der Bau hängt von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ab. Und welche Folgen Corona hat, kann keiner abschätzen", führt Günther Stenglein an.

Welche Folgen hat Corona?

Eine Folge der Corona-Krise hat Stenglein schon ausgemacht. Die Preise für Baumaterialien sind gestiegen, beim Holz seinen Worten zufolge um 20 Prozent, bei Stahl sogar um rund 30 Prozent. Wohin die Reise in der Pandemie geht, das weiß auch der Kreishandwerksmeister nicht.Dass trotz der Nachwuchssorgen viele Betriebe gerade wirtschaftlich zurzeit keinen Grund zum Klagen haben, das weiß der Obermeister der Bauinnung, Hannes Popp, ebenso wie Kreishandwerksmeister Günther Stenglein. Grund zu allzu großer Euphorie sehen jedoch beide nicht. "Wir fragen uns alle, ob die Corona-Krise nicht irgendwann auch Auswirkungen auf die Lage am Bau haben wird", sagt Hannes Popp. "Wir versuchen uns jetzt einen Puffer zu schaffen, denn wir wissen ja nicht, was 2021 kommt. Auch der Bau hängt von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ab. Und welche Folgen Corona hat, kann heute keiner abschätzen", führt Günther Stenglein an.

Die Materialpreise steigen

Eine Folge der Corona-Krise hat Stenglein schon ausgemacht. Die Preise für Baumaterialien sind schon gestiegen, beim Holz seinen Worten zufolge um 20 Prozent, bei Stahl um 30 Prozent. Wohin die Reise in der Pandemie geht, das weiß auch der Kreishandwerksmeister nicht.