"Da ist nichts dran", sagt Stephan Pröschold, als wir ihm von dem Gerücht erzählen, dass das Kulmbacher Freibad heuer wegen der hohen Gaspreise möglicherweise nicht öffnen soll. Das Gegenteil ist der Fall: Die Vorbereitungen für den Saisonstart haben bereits begonnen.

Natürlich weiß er als Leiter der Stadtwerke bestens Bescheid, was die Entwicklung der Energiekosten angeht. Dass der Betrieb des Freibads dadurch nicht günstiger wird, ist klar. "Trotzdem soll die Einrichtung uneingeschränkt den Besuchern zur Verfügung stehen", sagt Stephan Pröschold.

Die Becken werden über Wärmepumpen beheizt. Die entziehen dem Weißen Main, der durch das Freibadgelände fließt und die große Liegewiese von den Becken auf der anderen Seite trennt, die Wärme. Sollte diese nicht ausreichen, das Badewasser auf die angestrebten 24 Grad zu bringen, dann wird mit einem mobilen Blockheizwerk die benötigte restliche Energie zugeführt. Dieses mobile Heizwerk, das die Größe eines Wohnwagens hat und in einer Garage Platz findet, kommt sowohl für das Freibad als auch das Hallenbad zum Einsatz.

Pröschold freut sich, den Kulmbachern weiterhin Badespaß bieten zu können. Denn das ist nur möglich, so sagt er, weil viele Bürger die Stadtwerke als Energielieferant nutzen und diese das Geld wiederum in die Freizeiteinrichtungen (Hallenbad, Freibad, Eisbahn) investieren. Diese Einrichtungen sind naturgemäß Zuschussbetriebe. Zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Euro werden hier jedes Jahr von den Stadtwerken draufgezahlt.

Wie immer ist die Eröffnung Mitte Mai geplant - je nach Witterung voraussichtlich am Wochenende 13. bis 15. Mai. Die Preise bleiben unverändert, Erwachsene zahlen 2,50 Euro, Kinder die Hälfte. Die Saisonkarte bleibt bei 44 Euro. Dazu kommen vergünstigte Familientarife.

Dass die Kulmbacher der Eröffnung bereits entgegenfiebern, habe sich durch Anfragen gezeigt, als es jüngst die ersten warmen Tage gegeben habe. "Da wollten Leute schon wissen, ob wir aufmachen."

Dass das Freibad auch in Zeiten steigender Energiekosten den Kulmbachern erhalten bleibt, davon ist auszugehen. Wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) erklärt, werden die Verluste der Freizeiteinrichtungen seit über 15 Jahren allein durch die Stadtwerke getragen, deren Wirtschaftskraft das zulasse. Ein Zuschuss zu diesen Verlusten wäre grundsätzlich möglich. "Die Entscheidung hierüber trifft der Stadtrat auf Empfehlung des Werkausschusses. Die Stadtwerke gehen aber davon aus, das sie auch in 2022 die Verluste der Freizeiteinrichtungen tragen können", so der OB.

Wäre es denkbar, die Öffnungszeiten zur verkürzen oder Bereiche des Bades nicht für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um Energie zu sparen? "Das wäre grundsätzlich möglich, würde aber auch wieder eine Begrenzung der Badegäste bedeuten", so Lehmann weiter. Der Werkausschuss habe aber beschlossen, dass die Stadtwerke trotz oder auch gerade wegen aller widrigen Umstände die Freizeiteinrichtungen auch in 2022 in vollem Umfang betreiben und den Bürgern zur Verfügung stellen sollen.

Dementsprechend haben im Kulmbacher Freibad schon die Vorbereitungsarbeiten begonnen, damit zum Saisonstart die Badegäste wieder ein ungetrübtes Vergnügen genießen können. Andreas Weiß, Leiter der Freizeitanlagen, packt selbst mit an. Bei unserem Besuch säubert er nicht nur die Kletterwand beim Springerbecken, sondern er kontrolliert auch die Griffe, tauscht sie gegebenenfalls aus. Eine neue Route für die Kletterer hat er schon ausgearbeitet.

Währenddessen sind die Gärtner dabei, die Hänge am Zaun vom alten Laub zu befreien, den Außenbereich herzurichten. Elektriker kümmern sich um die Abnahme der Gaswarnanlage. Die Fliesenleger haben ihren Besuch ebenfalls schon angekündigt, um Schäden an den Becken zu beseitigen. Das Freibad ist von größeren Schäden verschont geblieben, nur ein Rohrbruch im Nichtschwimmerbereich musste repariert werden.

So sieht es bei den anderen Freibädern und Badeseen aus :

Himmelkron Das Freibad in Himmelkron wird zwar mit Gas beheizt, aber trotz gestiegener Energiekosten auf eine Öffnung vorbereitet. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Ziel ist es laut Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU), den Leuten trotz der Energiekrise das Badevergnügen zu ermöglichen. "Ein Freibad ist immer ein Defizitgeschäft", erklärt er. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, werde man gegebenenfalls reagieren.

Mainleus Seit 1. April laufen die Vorbereitungsarbeiten für einen Saisonstart in der ersten oder zweiten Mai-Woche. Das Mainleuser Hornschuch-Bad ist unabhängig von Öl und Gas, weil es mit Solarenergie beheizt wird.

Marktschorgast Am Goldbergsee ist traditionell Anschwimmen an Christi Himmelfahrt. Der See wird nicht beheizt, wohl aber das Nichtschwimmer- und das Baby-Becken. Hier wird die Wärme über eine Solaranlage gewonnen. Mehr als die Energiepreise beschäftigt die Gemeinde ein anderes Problem: Es werden noch Kräfte für die Badeaufsicht gesucht.

Stadtsteinach Hier wird es - wenn überhaupt - frühestens in den Sommerferien ein Badevergnügen geben. Denn im Freibad wird gearbeitet, unter anderem eine Photovoltaikanlage angelegt. Investitionskosten insgesamt: 1,4 Millionen Euro.

Thurnau heizt sein Freibad über schwarze Schläuche, die mit der Kraft der Sonne das Wasser erwärmen. Sollte das einmal nicht ausreichen, steht als Back-up eine Wärmepumpe zur Verfügung. Als Saisonstart wird der 21. Mai angepeilt.

Trebgast braucht für den Badesee (Eröffnung zweiten Maihälfte) natürlich keine Heizung. Für die Duschen gibt es Warmwasser-Kollektoren.

Wirsberg benötigt Flüssiggas, um das Freibadwasser auf Temperatur zu bringen. Aktuell ist der Tank noch voll mit günstig eingekauftem Gas. Auch wenn dessen Anschaffung teurer wird, soll das Freibad offen bleiben. Witterungsabhängig soll die Saison am 21. Mai starten.JG