Jeden Tag war Cornelia Helfricht aus Stadtsteinach mit ihrem Hund zu Fuß und mit dem Mountainbike im Steinachtal unterwegs, manchmal sogar zwei Mal am Tag. Wegen der herrlichen Natur direkt vor der Haustür war die gebürtige Coburgerin, die in vielen Großstädten gelebt hat, vor acht Jahren ganz bewusst in den Frankenwald gezogen. "Und jetzt machen die das kaputt", echauffiert sie sich. Sie ärgert sich maßlos über die dicke Kiesschicht, die vor einigen Wochen auf vielen Forstwegen im Steinachtal aufgebracht wurde. "Das waren wundervolle Wanderwege, und jetzt ist alles totgeschottert."

"Bin brutal gestürzt"

Mit unangenehmen Folgen für alle, die das Steinachtal in ihrer Freizeit nutzen wollen. "Man kann nicht mehr ohne Rückenschmerzen zur Nordeck hoch laufen, weil man so tief einsinkt", sagt Cornelia Helfricht. Richtig gefährlich werde es für Mountainbiker. "Auch ich bin schon brutal gestürzt." Erst am vergangenen Wochenende wieder, als sie unterwegs war, um den Zustand der Wege zu fotografieren. "Die Wunde musste notärztlich versorgt werden." Hunde verweigerten nach Aussage zahlreicher Besitzer das Laufen auf den Schotterwegen. Feuersalamander, die man im Steinachtal häufig antreffe, könnten die Wege kaum mehr queren, habe sie selbst beobachtet.

Zu viel und zu grob

Das Problem sind ihrer Meinung nach die Menge und die zu grobe Körnung des Schotters. "Warum nimmt man nicht feineren Kies, warum planiert man die neue Schicht nicht nach dem Auftragen?", fragt sie sich. Und nicht nur sie ist erbost. Auch eine befreundete Laufgruppe habe sich mittlerweile ein anderes Revier gesucht. "Der Unmut und die Verärgerung über das Vorgehen der Staatsforsten wird mittlerweile von zahlreichen Wanderern ausgesprochen", sagt die Wahl-Stadtsteinacherin.

Das Aufreger-Thema ist auch im Rathaus angekommen. "Es wäre schön gewesen, wenn die Kiesschicht nach dem Aufschütten festgewalzt worden wäre", sagt Max Haueis, der bei der Stadt Stadtsteinach für den Tourismus zuständig ist. Er geht aber davon aus, dass die Wege in ein paar Wochen wieder besser begeh- und befahrbar sind, wenn sich die neue Auflage etwas gesetzt hat. Man könne aber schon die Frage stellen, ob nicht vielleicht ein anderer Zeitpunkt für die Maßnahme, zum Beispiel im Herbst oder Winter, besser gewesen wäre. Haueis weiß aber auch: Im Wald treffen die recht unterschiedlichen Bedürfnisse der Freizeitnutzer und der Forstwirtschaft aufeinander. "Das unter einen Hut zu bekommen, ist schwierig."

Verschleißschicht war verbraucht

Dieses Spannungsfelds ist sich auch Jonas Duscher, der für das Revier Stadtsteinach zuständige Förster der Staatsforsten, bewusst. "Ich verstehe, dass den Leuten diese Veränderung erst mal nicht gefällt. Aber wir müssen unsere Forstwege erhalten, und deshalb ist eine Maßnahme wie diese alle paar Jahre notwendig", erklärt er auf Nachfrage. Durch die massive Entnahme von Käferholz in der letzten Zeit seien die Wege stark beansprucht gewesen. Die normalerweise zwei bis drei Zentimeter starke Verschleißschicht, die den eigentlichen, darunter liegenden Weg schütze, sei verbraucht gewesen. Deshalb sei die neue Schicht aufgetragen worden - mit Splitt in einer 8/11-er Körnung, das heißt 0,8 bis 1,1 Zentimeter großen Steinen. "Die verwenden wir standardmäßig bei allen Waldwegen", so Duscher. Durch die Aufbringtechnik sei die Auflage an einigen Stellen etwas dicker ausgefallen. "Normalerweise fahren wir gleich hinterher noch einmal mit einer Maschine drüber, um den Splitt zu verteilen." Das habe aber aufgrund der trockenen Witterung erst in der vergangenen Woche passieren können. Nun blieben die Wege der üblichen Nutzung zur weiteren Verfestigung überlassen.

Keine offiziell ausgeschilderten Radwege

Die Splittschicht in dieser Körnung sei der Kompromiss zwischen den Anforderungen an einen Wanderweg auf der einen und einen Forstweg auf der anderen Seite. "Uns ist klar, dass es anfangs schwierig ist, darauf zu laufen. Aber in ein bis zwei Monaten ist die Wegbeschaffenheit wieder auf einem normalen Level", so Duscher. Er weist außerdem darauf hin, dass die aufgeschotterten Wege keine offiziellen Radwege seien, "sonst hätten wir sie anders, mit einer viel feineren Schicht behandeln müssen".

Juristisches Nachspiel

Cornelia Helfricht will es nicht allein bei ihrer öffentlichen Kritik belassen. Die Wahl-Stadtsteinacherin hat am Wochenende nach ihrem erneuten Fahrradsturz Anzeige gegen die Staatsforsten erstattet - wegen Körperverletzung und Verstößen gegen den Natur- und Tierschutz. Sie ist damit anscheinend nicht die einzige: Helfricht weiß von einer weiteren Person, die sich auf den geschotterten Wegen derart verletzt hat, dass sie mit Bänderriss im Krankenhaus lag, "auch da wurde Anzeige erstattet". Die Stadtsteinacherin macht inzwischen einen großen Bogen ums Steinachtal und geht jetzt nach Wirsberg zum Laufen, "dort sind die Waldwege liebevoll angelegt".