Für den Markt Marktleugast ist die Situation prekär. Die Steuerkraft liegt heuer bei 379,26 Euro und ist damit nur etwa halb so hoch wie im Landesdurchschnitt (725,21 Euro). Hinzu kommt, dass der Markt in den vergangenen zehn Jahren elf Prozent der Einwohner verloren hat. Mit der Gewährung einer Stabilisierungshilfe in Höhe von 500 000 Euro ist man aus der misslichen Lage zwar erst einmal herausgekommen, doch das Finanzministerium hat der Gemeinde die Pistole auf die Brust gesetzt: Ein Haushaltskonsolidierungsplan muss vorgelegt werden.
Im Finanzausschuss hat die Marktgemeinde nun diesen strikten Zehn-Punkte-Sparplan vorgelegt. So ist vorgesehen, dass Marktleugast künftig mehr mit dem Bauhof in Grafengehaig zusammenarbeitet. Die Saisonkraft soll eingespart werden - Potenzial: 12 000 Euro.

Keine Musik mehr im Fahrzeug

Auf den Prüfstand kommen soll eine Buchhaltungsstelle, die in eineinhalb Jahren wegfällt. Im Bauhof sollen Überstunden abgebaut und Arbeitsabläufe neu strukturiert werden. Benötigtes Material wird künftig von der Verwaltung bestellt. Die Radios in den Fahrzeugen wurden bereits abgemeldet.

Erhöht werden die Gebühren für die Dreifachturnhalle. Die Bücherei soll durch Spenden aus der Bevölkerung attraktiver gemacht werden. Wenn der Zuspruch nicht steigt, ist geplant, die Einrichtung in zwei Jahren zu schließen. Auch bei der Straßenbeleuchtung verspricht sich der Gemeinderat durch die Teilnahme an der Bündelausschreibung Einsparungen.
An der Restaurierung von Turmuhren will sich die Kommune künftig nur noch mit 50 Prozent beteiligten, obwohl dies bislang als Pflichtaufgabe galt.

Auch die Jugendarbeit soll auf den Prüfstand. Momentan allerdings haben die Jugendbeauftragten nur 1600 Euro zur Verfügung. Die Stelle für Jugendsozialarbeit wurde heuer bereits um ein Drittel gekürzt, ab 2016 soll sie nicht mehr mitfinanziert werden. Ersparnis: 15 000 Euro.

Einen rigorosen Sparkurs sieht die Gemeinde bei den freiwilligen Leistungen vor. So ist der Zuschuss zu Elternbeiträgen für den Kindergarten bereits gestrichen: Ersparnis 18 450 Euro. Weitere Einsparungen sollen durch Kündigung von Mitgliedschaften in Vereinen und Verbänden erreicht werden. Bei Oberfranken Offensiv und beim Naturpark Frankenwald soll die Aussetzung der Mitgliedsbeiträge beantragt werden. Kostenersparnis: 1200 Euro pro Jahr Kostenlose Getränke bei Gemeinderatssitzungen werden in Zukunft entfallen, die Aufwendungen für Repräsentationen werden um die Hälfte gekürzt, die Verfügungsmittel um 25 Prozent. Auch der Etat für Dienst- und Schutzkleidung wird um zehn Prozent gekürzt.

Zuschüsse für Vereine auf Eis

Ausgesetzt werden zudem Zuschüsse für Vereine für Jugendarbeit, Jubiläen und Sonstiges. Die Friedshofsgebühren, die Wasser- und Abwassergebühren werden neu kalkuliert. Überprüft wird, ob gemeindliche Wohnhäuser und eine Garage verkauft werden können. Die Mieten werden um 20 Prozent, die Pachten auf 250 Euro pro Hektar erhöht.

Angehoben werden außerdem die Steuern. Rückwirkend sind im vergangenen Jahr die Realsteuerhebesätze von 280 auf 325 Punkte angehoben worden, ab Januar 2016 steigen sie auf 350 Punkte. Die Hundesteuer erhöht sich auf 40 Euro pro Tier, zudem wird eine Kampfhunde-Steuer in Höhe von 800 Euro eingeführt.

"Der Finanzausschuss hat ja schon vorberaten, aber wir können den Maßnahmenkatalog so nicht ganz beschließen", erklärte Reiner Meisel (FW). Als problematisch bewertete er die Kürzungen im Vereins- und Jugendbereich. Eine totale Streichung von Vereinszuschüssen sei nicht notwendig, sagte Meisel. "Wir müssen als Gemeinde unseren Beitrag leisten, damit diese wertvolle ehrenamtliche Arbeit ihre verdiente Anerkennung findet. Wir dürfen besonders in diesem Bereich keine falschen Signale setzen und uns komplett tot sparen. Dies ist auch überhaupt nicht gefordert."

Nicht euphorisch zeigte sich auch Georges Frisque (WGM) angesichts des strikten Sparkurses. Er prangerte die Erhöhung der Sitzungsgelder von 15 auf 25 Euro an. "Es wäre für uns nötig, nicht nur das kostenlose Getränk zu stornieren, sondern die Sitzungsgelder auf zehn Euro zu kürzen", regte er an. Außerdem forderte er, die Beleuchtung der Straßen und der Kirchen zu überprüfen. Die Jugendarbeit sollte mit 1600 Euro weiter gefördert werden. Auch die Würdigung des Ehrenamts sei nötig.

Mit "herzlos" titulierte Frisque die Anhebung der Mieten für gemeindliche Wohnungen um 20 Prozent, zumal diese nicht auf dem neuesten Stand seien. Auch die Sozialarbeiterin an der Schule dürfe nicht eingespart werden.

Irina Haber (WGM) votierte ebenfalls für den Erhalt der Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeiterin. Auch die Erhöhung der Grundsteuern bereite ihr Probleme, da es erst eine massive Erhöhung gegeben habe.

"Man kann sich zu Tode sparen"

"Das größte Problem ist aber die Anhebung der gemeindlichen Steuern. Immer weniger Einwohner sollen immer höhere Sollzahlen unter sich aufteilen. Jeder vernünftige Wirtschaftler weiß, dass eine exponentielle Kurve das Ergebnis wäre. Eine Gemeinde kann sich auch zu Tode sparen", warnte Frisque, der sich aufgrund der Vielzahl seiner Rügen die Kritik der CSU zuzog.

"Wir machen das ja nicht aus Spaß", sagte Daniel Schramm (CSU). Er votierte schließlich dafür, dass die Jugendförderung bleibt. Bei der Hallenbenutzung allerdings sollte man einen Beitrag erheben.

"Leute, wir wollen heuer 220 000 Euro einsparen, in den nächsten zwei Jahren je 240 000 Euro. Wir müssen da jetzt durch", so Markus Suttner (CSU). "Konsolidierung heißt nun einmal Einsparung. Aber ich finde auch, dass wir die Jugendarbeit und das Ehrenamt nicht vernachlässigen sollten", sagte Klaus-Dieter Witzgall (CSU).

Letztlich wurde das Konzept einstimmig verabschiedet unter der Maßgabe, dass die Änderungen eingearbeitet werden.