Die ganze Nacht im Bett verbracht und trotzdem nicht ausgeschlafen - Millionen Menschen leiden unter diesem Zustand. Auch Reinhard Beetz kämpfte über Jahre mit Dauermüdigkeit, obwohl er mit dem Ein- und Durchschlafen keine Probleme hatte. "Aber ich habe laut geschnarcht und oft Atemaussetzer gehabt. Meiner Frau ist das aufgefallen, und sie war der Meinung, dass ich da was unternehmen müsste", erzählt der 66-Jährige aus Grafendobrach.
Beetz ging zum Hausarzt, und der schickte ihn ins Schlaflabor des Klinikums. Zwei Nächte verbrachte der ehemalige Fernfahrer dort, rundum verkabelt. Dann stand fest: Reinhard Beetz hat während des Schlafes tatsächlich lange Atemaussetzer.

Aussetzer können gefährlich sein

"Wenn man das nicht behandelt, kann es gefährlich werden", sagt Ruslan Gamsalijew, Funktionsoberarzt Pneumologie vom Team des schlafmedizinischen Zentrums am
Klinikum. Warum? "Im Schlaf kommt es zu einem Verschluss der oberen Atemwege mit nachfolgendem Sauerstoffabfall im Blut", erläutert Gamsalijew. Das führt zu Mini-Weckreaktionen .
Die Folgen für den Patienten: Er leidet an Morgenmüdigkeit, Tagesschläfrigkeit und Konzentrationsstörungen. Auch die Herzkreislauffunktionen können negativ beeinflusst werden. Es kann zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall und nächtlichem Herzinfarkt kommen. Gründe genug, die Symptome nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, meint der Experte. "Bestätigt sich der Verdacht auf Schlafstörungen, können wir eine geeignete Therapie empfehlen, durch die sich die Lebensqualität deutlich verbessert." Das Schlaflabor arbeitet dabei eng mit HNO-Arzt Andreas Schmidt zusammen.

Individuell angepasst

Bei obstruktiver Schlafapnoe läuft die Therapie fast immer auf die dauerhafte Verwendung eines CPAP-Geräts mit Beatmungsmaske hinaus. Das war auch die Lösung für Reinhard Beetz. "Der Druck wurde im Schlaflabor eingestellt, und seit ich das benutze, geht es mir deutlich besser", freut sich der Grafendobracher. Als lästig empfindet er das Gerät nicht. "Ich habe nicht lange gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, und auch das Anlegen ist nicht schwierig." Die vielen Elektroden und Kabel im Schlaflabor haben ihn kaum gestört. "In der ersten Nacht ist man schon ein bisschen nervös, alles ist ungewohnt. Aber deshalb bleibt man ja zwei Nächte."
Reinhard Beetz trägt jetzt jede Nacht seine Maske, die seinen Bedürfnissen angepasst ist. Ein Befeuchter und eine Heizung für den Schlauch sorgen dafür, dass die Luft optimal erwärmt und befeuchtet wird. "Ich bin froh, dass ich ins Schlaflabor gegangen bin. Endlich fühle ich mich morgens wieder fit."



Mit modernster Technik gegen Dauermüdigkeit


Schlaf An der Steuerung der komplizierten Vorgänge während des Schlafs ist das Gehirn maßgeblich beteiligt. Es beeinflusst die vier verschiedenen Schlafstadien: Übergang vom Wachen zum Schlafen, Leichtschlaf, Tiefschlaf und Traumschlaf (REM-Schlaf).

Polysomnogramm Für die Diagnose im Schlaflabor werden zwei Nächte lang mit Hilfe von Elektroden, die vor dem Schlafengehen an Kopf und Kinn mit einem hautfreundlichen Spezialklebstoff angebracht werden, folgende Aktivitäten registriert: Hirn- und Muskelaktivität, Augenbewegungen, Atmung über Mund und Nase, Schnarchen, Herzfrequenz und Beinbewegungen. Um die Atmungsan strengung zu messen, werden Gurte mit Dehnungssensoren um Brustkorb und Bauch des Patienten gelegt. Die Herzfrequenz wird mit Elektroden am Brustkorb gemessen, der Sauerstoffgehalt im Blut über Sensoren am Zeigefinger kontrolliert. Eine Videoaufzeichnung zeigt eventuelle Verhaltensauffälligkeiten während des Schlafes.

Analyse Mit der Auswertung der Daten ist das medizinisch-technische Personal mehrere Stunden beschäftigt.
Therapie Die nasale CPAP-Therapie hat sich zur Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen am besten bewährt. Das CPAP-Gerät ist mit einer Atemmaske verbunden, die entweder nur die Nase oder Nase und Mund gleichzeitig abdeckt. Es stellt einen Überdruck her, der die Atemwege offen hält, die bei obstruktiver Schlafapnoe blockiert sind. Der ideale Druck muss individuell ermittelt werden. Das wird im Schlaflabor gemacht und das Gerät entsprechend eingestellt. Daneben kommen auch chirurgische Eingriffe in Frage, um beispielsweise Verengungen der Atemwege zu beseitigen.