Fast eine Million Euro wird verbuddelt

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Tiefbaumaßnahmen sind weiterhin der Schwerpunkt bei den Investitionen des Abwasserzweckverbandes Rotmaintal.
Tiefbaumaßnahmen sind weiterhin der Schwerpunkt bei den Investitionen des Abwasserzweckverbandes Rotmaintal.
Symbolfoto: dpa

Der Abwasserzweckverband Rotmaintal muss weiter viel in das Kanalsystem von Neudrossenfeld und Heinersreuth investieren.

Die Corona-Pandemie hat voll zugeschlagen. Der Verbandsvorsitzende des Abwasserzweckverbandes, Harald Hübner, befand sich in häuslicher Isolation, vier weitere Mitglieder des Gremiums ließen sich vertreten. Doch unter der versierten Leitung der stellvertretenden Verbandsvorsitzenden Simone Kirschner, Bürgermeisterin aus Heinersreuth, schaffte das Gremium einen Rekord. In nur knapp einer halben Stunde stellte das Gremium die Jahresrechnungen 2019 und 2020 fest, entlastete den Vorstand und brachte den Haushalt 2022 auf den Weg.

Der Verwaltungshaushalt hat ein Volumen von 1,965 Millionen Euro und ist damit um 62.270 Euro höher als im Vorjahr angesetzt. "Die wichtigste Einnahmequelle im Verwaltungshaushalt sind die Schmutzwassergebühren. Es wird ein Gebührenaufkommen von 850.000 Euro erwartet", rechnete der Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Rotmaintal, Christopher Schröder, vor.

Neudrossenfeld muss mehr für Straßenentwässerung zahlen

Allerdings hatte Schröder auch einen Wermutstropfen zu verkünden. Denn im letzten Gebührenkalkulationszeitraum von 2016 bis 2019 wurden die Straßenentwässerungsgebühren zu gering veranschlagt. Im Rahmen der Verbandsversammlung wurde deshalb eine neue Aufschlüsselung ermittelt. Für das Jahr 2020 übernimmt die Gemeinde Heinersreuth 58,29 Prozent der Gesamtkosten, die Gemeinde Neudrossenfeld 41,81 Prozent. Ab 2022 steigt der Anteil der Gemeinde Neudrossenfeld, weil im Jahr 2021 Straßenfläche der Baugebiete "Am Jurablick" und "Am Weidenrain BA II" hinzugekommen sind. Der neue Verteilungsschlüssel beläuft sich demnach auf 57,66 Prozent für die Gemeinde Heinersreuth und 42,34 Prozent für die Gemeinde Neudrossenfeld, legten die Mitglieder der Versammlung fest.

Der Geschäftsführer des AZV Rotmaintal erläuterte, dass jeder einzelne Haushaltsposten nach diesen Anteilen kalkuliert werde. Die in den vorherigen Haushaltsjahren aufgelaufenen Minderbeträge müssen nachentrichtet werden.

Der größte Ausgabenbereich im Verwaltungshaushalt sind der sachliche Verwaltungs- und Betriebsaufwand mit 791.000 Euro sowie die Entsorgung von Klärschlamm (520.000 Euro). Im Jahr 2022 soll der Klärteich vollständig entleert werden, sagte Schröder. Der Vermögenshaushalt steigt im Vergleich zum Vorjahr um 117.520 Euro an. Er hat im Jahr 2022 ein Volumen von 2,073 Millionen Euro. Auf der Ausgabenseite schlagen Tiefbaumaßnahmen mit fast einer Million zu Buche. Die Baumaßnahmen an Kläranlagen sind mit 220.000 Euro veranschlagt. Und für den Erwerb von Grundstücken und beweglichem Anlagevermögen sind 130.000 Euro eingeplant.

Schuldenstand sinkt

Schröder erklärte, dass keine Kreditaufnahme vonnöten sei. Die Verschuldung könne - trotz der Investitionen - von 629.970 Euro (Stichtag 1.1.2022) auf 289.350 Euro bis Ende 2025 zurückgeführt werden.

"Die umfangreichen Investitionen der letzten oder zukünftigen Jahre zeigen, dass unser Zweckverband mit über vier Jahrzehnten auf dem Buckel nun langsam ins Alter gekommen ist, indem man vermeidbare Witterungsbeeinträchtigungen an den Bauwerken sanieren und diese damit für die nächsten Jahrzehnte rüsten muss", kommentierte Schröder das umfangreiche Zahlenwerk. Dennoch gehe es auch in Zukunft darum, das Abwasser von rund 8000 Bürgern zu einem "vernünftigen" Preis aufzunehmen und zu reinigen.

Ohne Diskussion wurden der Haushalt, der Finanzplan, das Investitionsprogramm und der Stellenplan genehmigt.

Zu viel Fremdwasser im Kanal

In der Verbandsversammlung des Zweckverbandes legte der Gewässerschutzbeauftragte Danilo Heidrich seinen Bericht für das Jahr 2021 offen. Probleme bei der Regenwasserableitung mache übermäßiges Fremdwasser, dessen Herkunft bislang noch nicht geklärt ist. Außerdem bestehen Handlungsbedarf bei der Lagerung des Klärschlammes. 2020 wurde festgestellt, dass der Klärschlamm stark bewachsen und mit Schadstoffen belastet war. Damit stellt die Menge des Klärschlamms eine Gefahr für natürliches Oberflächenwasser dar. Bereits im vergangenen Jahr wurden 144 Tonnen Trockenmasse aus dem oberen Teich gepresst und abgefahren, 2022 soll der untere Teich von Bewuchs befreit und der Schlamm vollständig entnommen werden.

Der Gewässerschutzbeauftragte machte darauf aufmerksam, dass die Kläranlage Waldau nicht mehr den neuen Regeln für den Wasserrechtentscheid genügen würde und dass die Kläranlage Schwingen zu klein dimensioniert sei und erweitert werden müsse. Außerdem wies Danilo Heidrich auf bedenkliche Zustände einiger Pumpwerke hin.

Die Entlastungsbauwerke des Zweckverbandes sollen mit Wasserstandsmessanlagen ausgestattet werden, allerdings liege noch kein Angebot vor. Im Herbst soll dieses Thema erneut auf die Tagesordnung der Verbandsversammlung gesetzt werden, sagte die stellvertretende Vorsitzende Simone Kirschner.

Die Sitzung ging mit einem Sachstandsbericht zur Kanalbefahrung zu Ende. Im vergangenen Jahr wurden zwanzig Kilometer des Kanalnetzes befahren. Insgesamt sind jetzt dreißig Kilometer des Kanalnetzes erfasst, ein digitales Kanalkataster kann angelegt werden. Mittels EDV kann dann auf einen Klick der Zustand der Leitungen und möglicher Handlungsbedarf beurteilt werden.