Es war ein schrecklicher Unfall, der sich am 31. März auf der B 85 zwischen Kirchleus und Lösau ereignet hat. Zwei BMW sind frontal zusammengestoßen, vier Personen wurden schwerstverletzt, darunter ein vierjähriges Kind. Auch den Polizeibeamten und Rettungskräften hat das schreckliche Bild, das sich ihnen an der Unfallstelle geboten hat, zugesetzt. "An uns geht so etwas natürlich auch nicht spurlos vorbei", sagt Martin Schütz von der Kulmbacher Polizei, der wie Yves Wächter, Sprecher der Landkreis-Feuerwehren, von einem vorbildlichen Einsatz der Ersthelfer spricht. Die Insassen der nachfolgenden Autos hatten sofort reagiert und die Verletzten versorgt. Eine Frau wurde von den Ersthelfern dabei sogar reanimiert. Sie haben der 66-Jährigen durch ihr beherztes Eingreifen damit wohl das Leben gerettet.

"Wir freuen uns riesig"

Die Frau und ihr Mann (74) aus dem Landkreis Kronach werden wie ihr Enkel (4) aus dem Raum Kulmbach wohl noch einige Zeit stationär in Kliniken behandelt, wie die Kulmbacher Polizei mitteilt. Der 53-Jährige, der den anderen BMW fuhr, wurde inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen.

Um das Kind, vor allem aber auch um die Frau, die am schwersten verletzt war, haben sich die Ersthelfer große Sorgen gemacht. "Wir freuen uns riesig, dass sie lebt", sagen eine Woche nach dem Unfall Stefanie Meusel und Markus Pohl, die die 66-Jährige an dem Abend wiederbelebt hatten.

"Die Bilder bekommt man nicht aus dem Kopf"

"Die Bilder bekommt man nicht aus dem Kopf", berichtet Stefanie Meusel. Die 36-Jährige war mit Markus Pohl auf der Heimfahrt nach Mitwitz beziehungsweise Kronach, als sie zur Unfallstelle gekommen sind. Beide sind am Kulmbacher Klinikum als Medizinische Fachangestellte beschäftigt. Sie freuen sich ob des Lobs von Polizei und Feuerwehr, für sie sei es aber keine Frage gewesen, zu helfen. "Ich sehe das als eine Pflicht. Man überlegt in so einer Situation auch nicht, man funktioniert", sagt Markus Pohl. Wie er hat auch Stefanie Meusel im Klinikum schon Menschen wiederbelebt. "Dort hat man aber ein Equipment. An der Unfallstelle ist das was ganz Anderes", erklärt die 36-Jährige, die mit ihrem Arbeitskollegen nicht nur die Frau, sondern auch einen Vierjährigen aus dem völlig demolierten Auto geborgen hat. "Wir haben uns beeilt, weil wir Angst hatten, dass der BMW zu brennen anfängt." Der Junge wurde schwerst verletzt und musste auch notoperiert werden.

"Ihnen gebührt größter Respekt"

Nicht nur die beiden Arbeitskollegen haben mit angepackt, auch viele weitere Autofahrer, sagt Markus Pohl. Ein Mann habe ihnen nach der Reanimation unter die Arme gegriffen, weiterer Helfer hätten Decken besorgt und sich um die anderen Verletzten gekümmert. Zu denen, die im Nachgang zur Unfallstelle gekommen sind, gehört der Himmelkroner Wolfgang Steiner. Er hat das Kind mit versorgt, stellt seine Leistung aber nicht in den Vordergrund. Wie die Polizei und die Feuerwehr lobt auch er Stefanie Meusel und Markus Pohl, die die Hauptarbeit geleistet hätten. "Dafür gebührt ihnen großer Respekt." Er habe die beiden unterstützt, als sie die Frau schließlich in die stabile Seitenlage gebracht haben, so der 63-Jährige, für den die Erste Hilfe Ehrensache ist. Steiner bildet mit seiner Firma Berufskraftfahrer aus und weiß, wie wichtig die Schulung in lebensrettenden Sofortmaßnahmen ist. 2010 hat er, wie er berichtet, einen Mann nach einem Unfall in Bayreuth selbst reanimiert.

"Ein schrecklicher Unfall"

Mit Wolfgang Steiner hat sich auch Jörg Seifferth um das Kind gekümmert. Der 36-Jährige kommt aus Lösau, wohnt unweit der Unfallstelle. Er ist dort bei der Feuerwehr und hat schon viel erlebt. Es sei einer der schlimmsten Unfälle gewesen, sagt Seifferth. "Wenn man zur Ruhe kommt, gehen einem die schrecklichen Bilder durch den Kopf, vor allem, wenn ein kleiner Wurm vor dir gelegen war."

Alles richtig gemachtt?

Es sind Bilder, die auch Stefanie Meusel und Markus Pohl nicht loslassen. Auf der Fahrt zur Arbeit kommen sie täglich an der Unfallstelle vorbei. "Ich frage mich dann immer, ob ich alles richtig gemacht habe", sagt der 37-Jährige.

Zweifel, die nicht angebracht sind. Markus Pohl und Stefanie Meusel haben alles richtig gemacht. "Die beiden haben sich wie alle anderen Ersthelfer vorbildlich verhalten", sagt Feuerwehr-Sprecher Yves Wächter.

Die erfreuliche Nachricht

Und die Nachricht, die uns die Polizei Ende dieser Woche gegeben hat, hat die beiden Klinikum-Mitarbeiter aufatmen lassen. Alle vier Unfallbeteiligten sind am Leben - auch die Frau. Stefanie Meusel und Markus Pohl hoffen nun, dass sich der Gesundheitszustand der Großeltern und ihres Enkels schnell bessert und sie das die Klinik bald verlassen können.