Das Mittagessen an vier Kulmbacher Schulen wird deutlich teurer. Wo die Mahlzeit bis dato 3,90 Euro gekostet hat, werden künftig 5,83 Euro fällig, nachdem die Stadt die Mittagsverpflegung neu ausgeschrieben hat. Die endgültige Entscheidung hat der Stadtrat nach einer hitzigen Diskussion zwar auf den 27. Juli vertagt - ob sich am Ergebnis noch etwas ändern wird, ist aber fraglich.

"Das macht mich sprachlos"

Und so müssen Eltern der Max-Hundt-Schule, der Oberen Schule, der Melkendorfer Schule und der Hans-Edelmann-Schule davon ausgehen, dass sie bald tiefer in den Geldbeutel greifen müssen. Die Awo, bei der das Mittagessen bis dato 3,90 gekostet hat, verlangt künftig 5,83 Euro, die Diako-Oberfranken statt 3,70 dann 4,50 Euro. Die Obere Schule und die Hans-Edelmann-Schule werden auch künftig von der Menüfaktur der Diakonie verköstigt, die Awo versorgt wie bisher Melkendorf, künftig aber auch die Kinder der Max-Hundt-Schule, an der bisher die Gaststätte "Sternstunden" für die Essenslieferung zuständig war.

"Wer kann sich das noch leisten"

130 Essen liefert "Sternstunden"-Chefin Natascha Schleu tagtäglich nach Mangersreuth. Sie habe der Stadt mündlich mitgeteilt, dass sie den Auftrag gerne weiter ausführen würde. Die offizielle Ausschreibungsfrist habe sie aber verpasst, sagt Schleu, die bedauert, dass sie von der Kommune nicht mehr kontaktiert worden sei. Sollte der Auftrag entzogen werden, gingen ihr und ihrem Ehemann, mit dem sie den Betrieb führt, ein stolzer sechsstelliger Betrag durch die Lappen.

Schlucken werden dann auch viele Eltern von Max-Hundt-Schülern. Die exorbitante Preiserhöhung stößt auf Kritik: "Das macht mich sprachlos. Fast 6 Euro für ein Mittagessen. Wer kann sich das noch leisten? Vor allem Alleinerziehende, die vielleicht zwei Kinder haben und keinen Zuschuss bekommen, geraten da in Not", sagt Bianka Junker-Höhl, deren beide Söhne in Mangersreuth zur Schule gehen. Dafür, dass die "Sternstunden"-Betreiber nicht mehr zum Zug kommen sollen, hat sie kein Verständnis. "Ich sehe überhaupt keinen Grund für den Wechsel. Es wird eine hochwertige Küche geboten, an der es nichts zu beanstanden gibt." Sie wundert sich, dass die Stadt den kleinen Betrieb ausmustern will. "Zur Corona-Hochzeit hat es doch immer geheißen, dass wir gerade die Kleinen unterstützen sollen."

"Vetternwirtschaft"?

Dass die Awo an der Max-Hundt-Schule den Zuschlag erhalten hat, obwohl ihr Angebot mit 255 000 Euro pro Jahr um stolze 46 000 Euro über dem der Diakonie lag, wundert viele. Von Vetternwirtschaft ist die Rede, weil OB Ingo Lehmann der Awo nahesteht und zudem auch SPD-Stadträte dort beschäftigt sind. Ein Gedanke, der auch bei Natascha Schleu aufkommt, die im neuen "horrenden" Preis für das Mittagessen einen Tiefschlag für viele Eltern sieht, die auf jeden Cent schauen müssen. "Ein Preissprung auf fast 6 Euro ist nicht nachvollziehbar. Wir beliefern die Max-Hundt-Schule seit 2014. Das Mittagessen hat damals 3,20 gekostet, heute 4 Euro", sagt Schleu, die weiß, dass jede noch so kleine Erhöhung viele Familien trifft.

Auch in Melkendorf liegt der Preis für das Mittagessen derzeit noch unter 4 Euro. Ein Sprung auf fast 6 Euro wäre für nicht wenige Eltern eine unangenehme Überraschung, glaubt die Leiterin der Theodor-Heublein-Schule, Claudia Schmidt. Viele Kinder, die teils bis 16 Uhr in der Schule sind, würden das Angebot einer warmen Mahlzeit gerne annehmen. "Es wäre schade, wenn Eltern aufgrund einer derartiger Kostensteigerung ihre Buchung zurückziehen müssten", sagt Schmidt, die weiß, dass zwei Euro Mehrkosten nicht jeder so einfach stemmen kann."

Nicht 5,85, sondern 4,50 Euro werden künftig Eltern an der Oberen Schule zahlen müssen, die von der Menüfaktur der Diako-Oberfranken beliefert wird. Dass es für etliche Mütter und Väter dennoch kein Leichtes sein wird, das zusätzliche Geld aufzubringen, befürchtet Schulleiterin Daniela Naujoks.

"Es wäre schade"

Die Preiserhöhung um 80 Cent begründet Karl-Heinz Kuch, der Geschäftsführer der Diako-Oberfranken ist, unter anderem damit, dass bei der Ausschreibung eine Kalkulation für die nächsten fünf Jahre vorgenommen werden musste. Erstmal sei auch ein Anteil von 30 Prozent Bio-Lebensmittel gefordert gewesen. Dass auch die Awo, die künftig 5,83 Euro verlangt, beim Blick auf den Fünf-Jahres-Zeitraum mögliche Tariferhöhungen und die zu erwartenden Preissteigerungen habe einberechnen müssen, stellt Geschäftsführerin Elisabeth Weith fest. Auch der Qualitätsnachweis habe eine wichtige Rolle gespielt.

Hierzu auch ein Kommentar von Alexander Hartmann

Familienfeindlich

Da bleibt nicht nur manchem Elternteil der Bissen im Hals stecken: Das Mittagessen könnte für Schulkinder in Kulmbach künftig fast 6 Euro kosten. "Da haut es mir den Vogel raus", hat Helga Lormes (WGK) in der Stadtratssitzung erklärt und es auf den Punkt gebracht. Das Ergebnis, das die Neuausschreibung der Mittagsversorgung der Stadt erbracht hat, ist weltfremd, um nicht zu sagen familienfeindlich.

Wer soll das bezahlen?

Ohne Frage ist es für ein Wirtschaftsunternehmen wichtig, bei einer Fünf-Jahres-Kalkulation auch mögliche Lohnerhöhungen und Preissteigerungen einzuplanen. Doch bei einer so gewaltigen Preiserhöhung, wie sie etwa die Awo vorsieht - die Mahlzeit würde 5,83 statt bisher 3,90 kosten - stellt sich schon die Frage: Wer soll das noch bezahlen?

Der Aufschrei

Eltern fühlen sich vor den Kopf gestoßen, kritisieren, dass ihre Vertreter im Zuge der Ausschreibung von der Stadt nicht mit ins Boot geholt worden sind. Zwar sind Briefe an die Elternsprecher gegangen, offenbar aber mit dem Hinweis, dass die bisherigen Regelungen Bestand haben, es bestenfalls in Kleinigkeiten Optimierungen geben werde. Optimiert wurde allerdings nichts. Die Ausschreibung der Stadt, für die ein externer Berater 20 000 Euro bekommen haben soll, hat Gräben aufgerissen. Der Unmut bei den Eltern ist gewaltig. Auch der Aufschrei im Kulmbacher Stadtrat war groß. Mit 24:3 Stimmen wurde beschlossen, die Entscheidung über die Schulverpflegung noch einmal zu vertagen. Die Stadtverwaltung ist jetzt gefordert. Sie muss alles versuchen, um die Kuh noch vom Eis zu holen.