Andy Lang & friends machen Musik ganz nach dem Geschmack ihres Publikums. Ein wenig Träumerei, ein wenig Besingen der Heimat und eine gehörige Portion Sehnsucht. Im ersten Teil ihres Konzerts "A celtic night of spirit and fire" auf der Naturbühne Trebgast schweift der Blick über weite Landschaften oder von den irischen Klippen herab übers weite Meer, nach der Pause gibt es Folk-Rock vom Feinsten.

Andy Langs Musik ist inspiriert von den irischen und schottischen Liedern, denen er bei seinen Aufenthalten dort immer wieder neu begegnet. Und Anne Devries verleiht der Musik mit anmutigen Feuertänzen noch etwas mythische Athmosphäre oben auf.


Rhythmisch unregelmäßig


Irisch-schottische Musik hat einen besonderen Reiz durch ihre absehbare Harmonik, die sich meist auf die drei Grundharmonien beschränkt, und durch feine rhythmische
Unregelmäßigkeiten, die die Melodien irgendwie vorantreiben.

Dagegen hat kontinental-europäische Musik im Volkston durch Exaktheit eher etwas Marsch- oder Walzermäßiges an sich. Außergenommen die volkstümlichen Stücke, die man auch keltischem Ursprung zuordnet: in der Bretagne bis hinunter ins Spanisch-Portugiesische.

Andy Lang pflegt allerdings keine uralten überlieferten keltischen Lieder. Vielmehr singt er neuere "in celtic mood". Nach einem Text von William Butler Yates, der 1923 den Literatur-Nobelpreis bekam, oder den "Skye boat Song" aus dem 19. Jahrhundert und Dougie MacLeans "Caledonia", eine Hymne auf Schottland aus den 1980er Jahren.

Und Andy Lang steuert auch selbst geschriebene Lieder im "celtic mood" bei. Im zweiten Konzertteil sogar einen Protestsong zum "Media War", den er, wie er erzählt, vor gut 20 Jahren Jahren in England unter dem Eindruck von Veröffentlichungen in britischen Boulevard-Medien schrieb.


Auch ohne Verstärker möglich


Ein breites Instrumentarium bieten Andy Lang und seine Freunde auf. Eher traditionelles im verhalteneren ersten Konzertteil: irische Harfe, Rahmentrommel, Cello und Flöten und die für irische Musik unvermeidliche Tin Whistle. Instrumente, die man selbst in der Akustik der Naturbühne vielleicht auch unplugged, ohne Verstärkung und Lautsprecher, hätte gut zum Tragen bringen können.

Schlagzeug, E-Bass, E-Piano und Gitarre im zweiten Teil, in dem Folk-Rock angesagt war. Allerdings kein 08/15-Rock vom Dorf-Tanzboden. Die Band blieb weiter im "celtic mood". Ein paar irische Paraphrasen im Akkordeon und eben dieser Drive, der der irisch-schottischen Musik zu eigen ist. Aber auch modernere Songs wie zum Beispiel "Die Zeiten ändern sich" von Robert Zimmermann, wie ihn Andy Lang ansagte, nämlich in einem raffinierten Arrangement "The times they are a changing" von Bob Dylan (mit bürgerlichem Namen Robert Zimmermann).

Andy Lang kann sein Publikum mitreißen. Und als gebürtiger Kulmbacher weiß er auch, wie man an sich zurückhaltende Franken zum Mitmachen animieren kann. Zuerst "a wengerla beobachten" lassen, denn der Franke ist zunächst skeptisch, verkündet Lang geradeheraus. Dann ihn an der Ehre packen, denn dass er sich gar nicht traut, will sich der Franke dann doch nicht nachsagen lassen, sondern klatscht schon beim vierten Song im Refrain mit. Und gibt fast zum Ende des Konzerts dann sogar selbst den Grundrhythmus vor.


Tanz vor der Bühne


Und auf ähnliche Weise konnte Andy Lang sogar sieben Paare zum Mittanzen vor der Bühne animieren: ohne vorherige Probe eine Art Cotillion, bei der die Musik dann allerdings immer schneller wurde, so dass die Tänzer sich schließlich fast verhedderten.

Zum Schmunzeln derjenigen, die sich mitzumachen halt doch nicht getraut hatten.

Der Schlussapplaus selbst nach der zweiten Zugabe bestätigte Andy Lang & friends, dass sie voll den Geschmack des Publikums bei ihrem 12. Konzert auf der Trebgaster Bühne getroffen hatten.