Geschäftsführerin Andrea Weigler hat keinen leichten Stand. Seit sie im Drossenfelder Bräuwerck das Sagen hat, gibt es Kritik. Sie selbst sprach in der neunten Jahreshauptversammlung der Drossenfelder Bräuwerck AG (siehe Bericht weiter unten) sogar von "permanenten Anfeindungen" gegen ihre Person. Sie habe von Vorwürfen gehört, sie würde Personal und Gäste unfreundlich behandeln und vergraulen.

Abgeschrieben?

In der Versammlung am Donnerstagabend bemühte sie sich, das zu widerlegen - und stellte ihr Konzept vor, mit dem sie den angeschlagenen Gasthof samt Brauerei aus der Krise führen will.

Aber auch hier gibt es schon wieder Gegenwind: "Das war in Sequenzen so, als ob sie von mir abgeschrieben hat", sagt Michael Nelkel aus Langenstadt, als ihm von der Präsentation berichtet wurde. Nelkel hatte sich als Pächter beworben. Inzwischen arbeitet er als Koch auf 30-Stunden-Basis im Bräuwerck - mit Andrea Weigler als seiner Chefin.

"Das macht man nicht, ein Konzept weiterzugeben", sagt er. "Das ist natürlich schwierig zu beweisen, aber ein Geschmäckla hat das schon."

Überschneidungen aus seinem Konzept - das der Redaktion vorliegt - und der Vorstellung von Weigler gibt es in der Tat. Sie reichen von der Optimierung von Abläufen über die Erhöhung des Bierverkaufs bis hin zur Nutzung des Backhauses mit Verkauf des eigenen Brotes.

Den Vorwurf, abgeschrieben zu haben, weist Andrea Weigler zurück: "Was ich vorgestellt habe, sind originär meine Ideen." So habe sie zum Beispiel von Anfang an gesagt, dass sie das Backhäuschen nutzen will.

Auch Aufsichtsratsvorsitzender Harald Hübner kann sich nicht vorstellen, dass das Konzept weitergegeben wurde. "So Sachen wie das Backhäuschen zu aktivieren und Veranstaltungen durchzuführen drängen sich ja auf, wenn man das Areal kennt."

Doch zurück zur Hauptversammlung: Weigler verwies auf ihre vielfältigen Erfahrungen in der Gastronomie ("Ich bin da aufgewachsen") und bat um Verständnis, wenn sie manchmal durchgreifen müsse: "Ich habe einmal einem Kunden verboten, die Küche zu betreten. Der war so aufgebracht, dass er ging", schilderte sie einen Fall. Oder dass sie Gäste abweisen musste, weil diese sich nicht an die Corona-Regeln hielten. "Das fanden die übertrieben. Aber bei Nichtbeachtung gibt es empfindliche Strafen. Und ich bin auch dazu da, Gefahr vom Bräuwerck abzuwenden."

In der Komfortzone gestört

Als sie den Posten der Geschäftsführerin vor vier Monaten übernommen habe, habe sie natürlich versucht, Prozesse und Abläufe zu analysieren und neu aufzusetzen, auch wenn sich dadurch Mitarbeiter in ihrer Komfortzone gestört gefühlt hätten. Es habe auch Kündigungen von wichtigen Kräften gegeben. "Mit dem Ausscheiden aller Wissensträger wurde dem Bräuwerck und mir Schaden zugefügt", kritisierte sie. Dabei seien Mitarbeiter zu hohen, branchenunüblichen Löhnen eingestellt gewesen.

Sie verwies auf ihr Engagement im Bräuwerck ("eine 85-Stunden-Woche"), sie sei sich für keine Arbeit zu schade. "Ich habe gespült, geputzt und Bier ausgefahren." Deswegen seien aber andere Aufgaben auf der Strecke geblieben. "Dazu kommt, dass ich im Büro alleine bin." Sie mache das aber alles, weil sie großes Potenzial für das Bräuwerck sehe, betonte Andrea Weigler. Doch um ihre Pläne umzusetzen, müsse ein Personalstamm da sein, "der das mitträgt ohne Befindlichkeiten und ohne auf die Uhr zu schauen". Denn im Sommer soll der Biergarten voll bestuhlt werden.

Es muss sich rechnen

Allerdings, so räumte sie ein, habe sie dabei stets die Finanzen im Blick. Sie bat um Verständnis, wenn man wegen zehn Mittagsgästen nicht öffne. "Ich muss den Koch bezahlen, das rechnet sich nicht." Ähnlich sehe es mit dem Bierausschank kurz vor der Schließung aus. "Nur weil Leute da sind, macht man noch keinen Gewinn", sagte sie.

Für ihre Pläne erhielt sie in der virtuellen Hauptversammlung überwiegend Zustimmung. So gab es Kommentare wie "Endlich eine kompetente Frau, bitte weiter machen" und "Nicht beirren lassen und weiter so", aber auch Kritik: "Zu viel Regulation, Unfreundlichkeit und wenig Dienstleistungsgedanken haben unzählige Gäste vergrault..."

Die Hauptversammlung der Drossenfelder Bräuwerck AG:

"Es sind schwierige Zeiten für Unternehmen und Gastronomie." Aufsichtsratsvorsitzender Harald Hübner brachte es gleich am Anfang auf den Punkt: In der Hauptversammlung der Drossenfelder Bräuwerck AG gab er einen Überblick über die Entwicklung des Brauereigasthofs mitten im Herzen von Neudrossenfeld.

Es läuft nicht rund: So mache Corona mit allen Konsequenzen zu schaffen, dazu komme eine schwere Erkrankung des Vorstands. "Aber dank der Coronahilfen sind wir handlungsfähig", erklärte er. Ziel sei es jetzt, das Unternehmen stabil zu halten und durch Winter und Frühjahr zu führen. Aufgrund der Corona-Pandemie sei eine Verpachtung derzeit keine Option, da sie sowohl für den Pächter als auch für das Bräuwerck ein unkalkulierbares Risiko darstelle. "Für eine Verpachtung fehlen einfach die entsprechenden Grundlagen."

Die Bräuwerckzahlen präsentierte seine Stellvertreterin Sabine Schertel: Auch wenn der Umsatz in 2020 (372 197 Euro) der niedrigste in der Geschichte des Bräuwercks gewesen sei, habe man aufgrund von Hilfen in der Coronakrise ein kleines Plus in Höhe 6765 Euro erwirtschaftet. Im Vorjahr war es noch ein Minus von 37 314 Euro.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Umsatz von 594 000 Euro in 2019 um 222 000 Euro (37,37 Prozent) eingebrochen sei, so Schertel weiter.

Auch der Brauereiausstoß ist natürlich gesunken: Vom Höchststand in 2019 (508 Hektoliter) auf 428 Hektoliter in 2020. Noch weiter runter ging es in 2021 - nämlich auf bislang 316 Hektoliter.

Zahlreiche Fragen hatten die Aktionäre eingereicht - allein über 40 kamen von Peter Schuhmann. Es ging um Personalkosten, den gesunkenen Verkaufserlös beim Bier und vieles mehr. Schuhmann hatte sogar gefordert, den Vorstand und dem Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2020 keine Entlastung zu erteilen. Doch dem kamen die Aktionäre nicht nach: Der Aufsichtsrat wurde mit 700 Ja-Stimmen (87 Prozent) entlastet (194 Nein-Stimmen), der Vorstand mit 759 Ja-Stimmen (88,7 Prozent) und 97 Nein-Stimmen (11,3 Prozent).

Drei Stunden und 20 Minuten hatte die Hauptversammlung gedauert. Aufsichtsratsvorsitzender Hübner beendete die Zusammenkunft mit einem Appell an die Aktionäre: "Tragen Sie zum Erfolg des Bräuwercks bei. Kommen Sie und essen und trinken hier."