Weil sie massiv in der Drogenszene unterwegs war, muss eine 29 Jahre alte Frau aus dem Landkreis für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Nicole Allstadt verurteilte sie unter anderem wegen des Erwerbs und der Veräußerung sowie der Beihilfe und der Anstiftung zum Handeltreiben mit Crystal jeweils in mehreren Fällen und jeweils in nicht geringer Menge.

Von Weinkrämpfen geschüttelt

Im Raum steht außerdem der Widerruf einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren, zu der die Frau erst im März 2019 vom Amtsgericht Wunsiedel ebenfalls wegen verschiedener Drogendelikte verurteilt wurde.

Damit hatte die Angeklagte, die mittlerweile clean ist, ihr Leben so einigermaßen auf die Reihe gebracht hat und Mutter eines einjährigen Kindes ist, nicht gerechnet. Zu Beginn der Urteilsverkündung stand sie nahezu vor dem Zusammenbruch, wurde von heftigen Weinkrämpfen geschüttelt. Richterin Allstadt musste unterbrechen, während sich ihre Bewährungshelferin und Verteidiger Hilmar Lampert um die 29-Jährige kümmerten.

Drogen als Lohn

Die Frau hatte 2019 in zahlreichen Fällen jeweils kleinere Mengen Crystal erworben. Außerdem hatte sie eine Vielzahl von größeren Geschäften mit Crystal zwischen einem tschechischen Lieferanten und einer 42-jahrigen Büroangestellten aus Kulmbach eingefädelt und begleitet. Als Lohn bekam sie jeweils eine kleine Menge davon ab. Die Angeklagte hatte in ihrer Vernehmung eingeräumt, einige Kontakte innerhalb der Szene in Kulmbach hergestellt zu haben.

Bei den Geschäften, die von der Frau eingefädelt wurden, ging es mengenmäßig allerdings so richtig zur Sache. Einmal soll es Crystal für rund 1000 Euro, ein zweites Mal für 1500 Euro gewesen sein. Die Übergaben fanden dabei einmal auf dem Parkplatz beim "Kauernburger Schlössla", das andere Mal in Lichtenfels statt. Bei einem weiteren Geschäft war die Menge nicht mehr auszumachen, Übergabeort war der Parkplatz beim Küchenmarkt in Richtung Kieswäsch'. Die Angeklagte will als Lohn für die Vermittlung jeweils nur kleine Menge des Rauschgifts abbekommen haben.

Ehemann freigesprochen

Zu Beginn des drei Verhandlungstage dauernden Prozesses, der schon Ende Oktober begonnen hatte, war auch der 34-jährige Ehemann mitangeklagt. Er wurde zwischenzeitlich freigesprochen, weil ihm nichts nachgewiesen werden konnte.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte mit drei Jahren und zwei Monaten sogar eine noch höhere Strafe gefordert. Die Angeklagte habe an einer Serie von Taten mit vier gewichtigen Fällen innerhalb kürzester Zeit mitgewirkt. Und das alles, obwohl sie erst wenige Monate zuvor vom Amtsgericht in Wunsiedel zu zwei Jahren mit Bewährung verurteilt worden sei. "Die Angeklagte hatte sich diese Verurteilung nicht als Warnung dienen lassen und ist schon mehrfach rückfällig geworden", sagte der Staatsanwalt.

Seit Ende 2019 clean

Verteidiger Hilmar Lampert aus Bayreuth stellte dagegen die Bemühungen seiner Mandantin in den Mittelpunkt, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. So lebe die Frau seit Ende 2019 nachweislich drogenfrei und habe sich mittlerweile eine gute Perspektive erkämpft. Zu den Vorwürfen der Beihilfe und der Anstiftung sagte der Verteidiger, dass eine Mandantin lediglich Tipps gegeben habe. Mit den ihr als Lohn versprochenen kleinen Crystal-Mengen habe sie nur ihre eigene Sucht befriedigen wollen.

Das Schöffengericht sah dies anders. Mit der Bewährungsstrafe aus dem Jahr 2019 habe sich die Angeklagte die letzte Warnung nicht zu Herzen genommen. "Mir ist klar, dass das ein schwerer Schlag für sie ist", sagte Richterin Allstadt zur Angeklagten und fügte an: "Auch wenn mir das persönlich leidtut." Immerhin hätten sich die Lebensverhältnisse der Angeklagten tatsächlich stabilisiert.

Zu viele Taten, zu große Mengen

Eine Freiheitsstrafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne, also eine Strafe von zwei Jahren oder darunter, sei aber aufgrund der Vielzahl von Taten, aufgrund der erheblichen Mengen, die in den Verkehr gebracht wurden sowie aufgrund der schnellen Rückfallgeschwindigkeit nicht möglich, betonte die Richterin.