Zu der Verhandlung, die in der kommenden Woche fortgesetzt wird, sind über 25 Zeugen geladen.

Hauptangeklagter ist ein 36-jähriger Russlanddeutscher, der zuletzt in Marktschorgast wohnte und mittlerweile in der JVA Hof in U-Haft sitzt. Er soll am 25. September 2015 mit dem Mitangeklagten, einem 38-jährigen Russlanddeutschen, auf Diebestour durch das Klinikum Kulmbach gegangen sein. Dort erbeutete das Duo in mehreren Krankenzimmern Mobiltelefone, Geldbörsen, Kreditkarten, Arzneimittel und Bargeld. Den Entwendungsschaden bezifferte die Staatsanwaltschaft auf einige hundert Euro. Erschwerend für den Hauptangeklagten kommt dazu, dass er gleich zwei Messer einstecken hatte.


Auch im Seniorenheim lange Finger gemacht


Während bei den Diebstählen der 38-Jährige zumindest dabei gewesen sein soll, betreffen die übrigen drei Anklagepunkte nur den 36-Jährigen.
Im Seniorenwohnheim in der Tilsiter Straße soll er genau zwei Wochen nach der ersten Tat in ein Zimmer eingedrungen sein und dort reiche Beute gemacht haben. Einem Bewohner fehlten später die Geldbörse mit 80 Euro Bargeld, Schlüssel, Ausweise und die Krankenversicherungskarte.

Wieder drei Tage später soll der Hauptangeklagte bei der Polizeiinspektion Kulmbach zu Unrecht eine Anzeige erstattet haben. Er behauptete, im Zug von Marktschorgast nach Kulmbach "von drei dunkelhäutigen Männern" bestohlen worden zu sein. Unter anderem sollen seine Schmerzmittel weg gewesen sein, die ihm erst kurz zuvor verschrieben worden waren. Tatsächlich hatte sich später herausgestellt, dass er zum angegebenen Zeitpunkt gar nicht im Zug saß, sondern bei einem Kulmbacher Allgemeinarzt.

Um etwas ganz anderes geht es im dritten Tatkomplex. Diesmal soll der 36-Jährige bei der Firma Glen Dimplex am Goldenen Feld über den Zaun gestiegen sein, um Kupferrohre und Kupferabfall zu sammeln, in einem Karton zu verstauen und jenseits des Zauns zum Abtransport bereit zu legen. Der Hauptangeklagte muss sich nun wegen Diebstahls in mehreren Fällen, teilweise sogar mit Waffen, und wegen des Vortäuschens einer Straftat verantworten.


Arzneipflaster ausgekocht und gespritzt


Zum Prozessauftakt machte der Hauptangeklagte seine Sucht nach Schmerzmitteln geltend. Insbesondere von dem Psychopharmaka Diacepam und dem unter das Betäubungsmittelgesetz fallende Fentanyl in Form von Pflastern sei er abhängig gewesen. Das Pflaster habe er sich dabei nicht, wie vorgesehen, auf die Haut geklebt, sondern ausgekocht und sich direkt in die Blutbahn gespritzt.

Die Diebestour im Klinikum sei deshalb auch nicht geplant gewesen, er habe vielmehr aufgrund von Entzugserscheinungen und epileptischen Anfällen Hilfe gesucht, sei aber nach zwei Stunden Wartezeit von den Ärzten abgewiesen worden. Da sei er durch die Stationen gelaufen und habe das Geld und die Mobiltelefone gestohlen, um sich die Schmerzmittel schwarz besorgen zu können. Der Mitangeklagte habe auf den Gängen gewartet. Die beiden Messer sollen völlig harmlos gewesen sein. "Ich bin doch kein Gewalttäter", sagte er.


Ins Gebüsch zum Pinkeln?


Zum Glück hatte ein aufmerksamer Patient des Klinikums die beiden beobachtet und sofort die Polizei gerufen. Die nahm damals sofort die Verfolgung auf und stellte die beiden Männer am Bahnhof.

Während der Mann die Diebestour durch das Klinikum einräumte, stritt er die anderen Punkte der Anklage ab. So habe er am Goldenen Feld auf einen Bekannten gewartet. Als er ins Gebüsch sei, um zu pinkeln, habe er den Karton entdeckt.