Die Schüler in die Pfanne gehau'n
Autor: Rebecca Vogt
LKR Kulmbach, Montag, 06. Mai 2019
"Wir hau'n die Pauker in die Pfanne" dachten sich Pepe Nietnagel und seine Mitschüler im Jahr 1970 und sorgten im gleichnamigen Film für ordentlich Unfug in der Penne. Rund 40 Jahre später scheint es fast so, als habe sich der Spieß umgedreht.
Mit einem Mathe-Abitur, das sich nach Ansicht der Schüler gewaschen hat, wurden die bayerischen Abiturienten in die Pfanne gehau'n. Die Kritik: zu wenig Zeit und vergleichsweise schwere Aufgaben. Vor einigen Jahren hätte die Schülerschaft das wohl noch mehrheitlich stillschweigend hingenommen. Doch nicht in Zeiten der "Fridays for Future"-Bewegung.
Eine Online-Petition wurde gestartet, der Zulauf ist groß. Selbst vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband kommt Unterstützung. Ob die Aufgaben nun wirklich zu schwer waren oder nicht, soll an dieser Stelle keine Rolle spielen. Wohl aber die steigende Bereitschaft, gegen Ungerechtigkeiten zu protestieren, seine Stimme zu erheben und nicht einfach alles stillschweigend - innerlich grummelnd - zu ertragen. Endlich!
Und es gäbe vieles gegen das man protestieren könnte ... angefangen bei mangelndem Klimaschutz und einem zu schweren Mathe-Abitur über eine Politik, die die eigenen Interessen und die der Wirtschaftskonzerne allzu oft in den Vordergrund stellt - bis hin zu einer Kirche, die gerne die Augen vor den eigenen Fehlern verschließt.
Ganz konkret protestieren könnte man aber auch gegen die Handregel in der Fußball-Bundesliga oder den Umstand, dass fast alle Spiele nur noch im Pay-TV laufen. Oder gegen unfreundliche Bahnmitarbeiter, gegen Bankberater, die einen über den Tisch ziehen, gegen Donald Trump sowieso. Gegen Radiosender, die 24 Stunden lang nur seichte Popmusik spielen. Und, und, und.
Naja, Sie merken schon, das führt schnell ins Unendliche und teilweise auch Absurde. Aber prinzipiell kann es einer Gesellschaft nicht schaden, wenn Leute aufstehen und für oder gegen etwas protestieren. Man muss sich nur aus der eigenen Komfortzone bewegen.
Ob die Abiturienten mit ihrem Protest gegen die Mathe-Prüfung Erfolg haben, bleibt abzuwarten. Auch der freche Pepe hatte mit dem Fach so seine Probleme: "Du, Kurt, du hast mir doch 20 Mark versprochen, wenn ich in Mathe keine Sechs mehr schreibe. Gratuliere, die hast du gespart!"
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