In Danndorf wird nicht jedes Jahr ein neuer Maibaum aufgestellt. Doch in diesem Jahr sollte es soweit sein, hatten sich Rudi Fischer und die Mitglieder seines Kniebundhosen-Stammtisch-Wanderclubs gedacht. Denn heute ab 17 Uhr steigt auf dem Dorfplatz vor dem Feuerwehrhaus das Maifest: mit dem Musikverein Mainleus, mit Bratwürsten, Getränken und allem, was dazu gehört.

Schon Wochen vorher wurde ein Baum ausgesucht, entrindet und vor der Zimmerei Kögel aufbewahrt. Denn in Danndorf ist es üblich, dass der alte Baum ein paar Tage vor dem 1. Mai "entschmückt" und umgelegt wird. Der Nachfolger wird dann angeliefert und - "aufziehbereit" - in das Maibaumgestell eingespannt. Zum 1. Mai muss er nur noch aufgerichtet werden.

Die Danndorfer hatten heuer aber die Rechnung ohne die Maibaumdiebe gemacht. Obwohl der Baum außerhalb der Ortsgrenze lagerte, wurde er von rund zwei Dutzend Schimmendorfer Jungs geklaut. "Einen Tag vorher kann man den Baum ja nicht mehr klauen, denn dann haben sie ihn ja schon eingespannt", erklärt René Meußgeier, der 22 Schimmendorfer zusammengetrommelt und den Baum, der vor der Zimmerei lag, abtransportiert hat.
"Wir haben uns schlau gemacht: Sobald der Baum bearbeitet worden ist, darf man klauen", sagt Meußgeier.
Tatsächlich werden die Maibaum-Klauregeln nicht mehr so streng ausgelegt, wie noch vor einigen Jahren. Von Ort zu Ort werden die Fristen anders definiert. "Und wenn wir ihn nicht geklaut hätten, dann hätten ihn andere geklaut - das haben wir gesehen", sagt Meußgeier, ohne Kollegen einer anderen "Maibaum-Mafia" zu verpfeifen.

Die Danndorfer regten sich natürlich auf. "Die haben viel zu früh geklaut", monierte Rudi Fischer. Und auch Peter Haak, Jürgen Nährig, Karl Dresel und alle anderen der Dorfgemeinschaft fanden die Aktion "unerhört".
Eigentlich sind hundert Liter Bier und 25 reichhaltige Brotzeiten auch ein bisschen überzogen als Lösegeldforderung. Doch die Schimmendorfer brachten den Baum unversehrt zurück - und die Verhandlungen wurden besiegelt. "Wir feiern ja auch mit den Danndofern zusammen. Und zum Aufstellen kommen wir natürlich auch", sagt der Anführer der Diebe und freute sich über das Happy-End.

Die Schimmendorfer halfen den Danndofern sogar beim Einspannen des Maibaums. Denn der neue Baum wollte gar nicht in die Vorrichtung passen, sondern musste erst passend gemacht werden.
Noch frecher gingen die Maibaumdiebe in Buchau zu Werke. Sie klauten den Maibaum, noch ehe er seinen schmucken weiß-grünen Anstrich bekommen hatte, erinnert sich Frank Herold noch genau. Erst am Nachmittag haben sich die Maibaumdiebe gemeldet - mit einem Zettel, auf dem stand: Maibaum gefunden!"

Handynummer hinterlassen

Unter der angegebenen Handynummer nahmen die Buchauer Kontakt mit den Dieben auf. "Die haben sich gar nicht auf Verhandlungen eingelassen, sondern auf 60 Liter Bier und Brotzeiten für 25 Personen bestanden. Wir haben dann einen Vertrag unterschrieben, dass wir unseren Maibaum wiederbekommen", berichten Karin Müller und Andrea Geißler, die Verhandlungsführerinnen aus Buchau.

Was die Buchauer ein bisschen wurmt ist, dass es sich bei den Dieben nicht um einen echten Verein handelt, sondern um einen losen Zusammenschluss junger Leute aus "Donnich und Umgebung". Und einen Baum hat diese Truppe auch nicht.

"Ja, das stimmt", gibt Rädelsführer Hans-Christian L. offen zu "Aber wir haben es nicht böse gemeint. Wir wollen nur die Tradition am Leben halten", sagen die Diebe. Und deshalb haben sie sich bei verschiedenen "Experten" auch über die Sitten und Gebräuche kundig gemacht. "Eine Woche vorher ist okay", war die Mafia überzeugt. "Wichtig ist es doch, das die anderen den Klau mit Humor sehen. Wir wollen keine Polizei oder so", sagt die Maibaum-Mafia und hofft, dass die Buchauer nicht allzu sauer sind, auch wenn die Brotzeit nicht ganz billig werden wird. "Aber wir kommen natürlich auch zur Aufstellung am Donnerstag (ab 19.30 Uhr) in Buchau und werden dort mit allen essen und trinken. Uns geht es doch um die Gemeinschaft", sagt einer der Diebe.
Die Buchauer waren übrigens nicht die ersten Opfer der Truppe: Im Jahr vorher hatte es die Katschenreuther getroffen. Und 2016 sind wieder andere dran...