Der Landtagswahlkampf geht in seine heiße Phase - und die eröffnet der Kreisverband der FDP mit einer Personalie: Rainer Ludwig, populärer Moderator des Lokalsenders "Radio Plassenburg", soll weg! Es sei nicht akzeptabel, so schreibt FDP-Kreisvorsitzender Michael Otte in einer Pressemitteilung, dass Ludwig, der sich für die Freien Wähler um einen Sitz im Bayerischen Landtag bemüht, weiterhin seine Sendung "Der Frühschoppen" moderiere.

Otte zitiert in der Mitteilung Martin Hagen, den Spitzenkandidaten der Bayerischen FDP, der auf das Gebot der Distanz zwischen Moderation bei einem Sender und einer Kandidatur für ein politisches Amt verweist.

Als Beispiel führen die Liberalen Helmut Markwort an, den Herausgeber der Zeitschrift "Focus" und Moderator der Sendung "Sonntags-Stammtisch" im Bayerischen Fernsehen: Er habe seinen Platz als Moderator räumen müssen - zumindest für die Zeit des Wahlkampfes.

In der Pressemitteilung wird ferner erwähnt, dass Thomas Nagel, ehemaliger Radiomoderator, stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP und deren Kandidat für die Landtagswahl, im Jahr 2008 nach seiner damaligen Nominierung "aus dem Wochenprogramm genommen" wurde.

Auch die Julis (Junge Liberale, Nachwuchsorganisation der FD) kommen zu Wort: "Politiker und gleichzeitig Journalist? Das geht gar nicht!" wird Juli-Bezirksvorsitzender Stefan Wolf zitiert. "Wenn der Politiker gleichzeitig Journalist ist, läuft in der Demokratie was falsch!"

Unmissverständlich fordert Wolf Rainer Ludwig auf, "seine Radiotätigkeit umgehend einzustellen!"

Eine Forderung, die sowohl Rainer Ludwig als auch die Verantwortlichen von "Radio Plassenburg" für überzogen halten. Beide haben erst durch die Bayerische Rundschau von der Pressemitteilung erfahren.

Rainer Ludwig zeigt sich betroffen: Verwundert und erstaunt sei er, in welchem Stil die FDP hier eine Forderung stelle, für die es keine Basis gebe. Seit 30 Jahren moderiere er freiberuflich an Sonntagen ein vierstündiges buntes Vormittagsmagazin auf "Radio Plassenburg", das nicht im Entferntesten mit politischen Inhalten in Verbindung zu bringen sei.

"Die Sendung ist inhaltlich völlig unpolitisch und beeinflusst in keinster Weise die politische Meinungsbildung der Hörer."

Ein Vergleich mit Helmut Markwort und dessen "Sonntags-Stammtisch" sei deshalb nicht relevant.

So sehen das auch die Verantwortlichen des Senders. Die Unterstellung, Ludwig nutze seine Sendung als Plattform für seinen Wahlkampf, sei falsch. "Bei seiner Sendung handelt es sich um eine reine Unterhaltungssendung ohne jedweden politischen Inhalt", wie Programmleiter Markus Weber betont.

Im übrigen habe man sich schon vor Monaten - auch im Gespräch mit Rainer Ludwig - mit der Thematik befasst und entschieden, seine Moderatorentätigkeit nicht auf Eis zu legen, so Weber weiter. "Zu dieser Entscheidung stehen wir selbstverständlich auch jetzt in der heißen Wahlkampfphase."

Den Vergleich zur Personalie Thomas Nagel aus dem Jahr 2008 sieht der Sender als an den Haaren herbeizogen an. "Thomas Nagel hat damals eine Magzinsendung mit politischen Inhalten moderiert", erläutert Geschäftsführer Micha Salzmann. "In diesem Fall war ein Interessenkonflikt eindeutig vorhanden. Es war für uns eine Selbstverständlichkeit, ihn aus der Sendung zu nehmen."

Thomas Nagel selbst übrigens will sich zur Sache nicht weiter äußern. "Wir haben im Kreisverband lange darüber diskutiert, und daraus ist diese Pressemitteilung entstanden."

Siehe dazu auch unseren Kommentar.