Rund 30 Interessierte kamen gestern nach Sackenreuth, um sich detailliert über die Arbeit zu informieren, die die fünf Revierleiter und der Forstsachverständige Matthias Bauer in den nächsten Monaten zu erledigen haben. Es ist eine Art Waldinventur, bei der speziell die Waldverjüngung und die Schäden durch Verbiss durch Rehwild untersucht werden.


Wald geht vor Wild


"Es geht um die Herstellung und Bewahrung eines standortgemäßen und möglichst naturnahen Zustands des Waldes", erläutert Gerhard Lutz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Gesetzestext. Man könnte auch sagen: Wald vor Wild.

Laut Jagdgesetz soll die Bejagung die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.
Deshalb wird jetzt - wo der weitgehend Schnee weg ist - eine so genannte Verjüngungsinventur gemacht.

Stichproben nach einem festen Schema

Die Revierleiter und der Forstbeauftragte untersuchen gezielt in allen Hegegemeinschaften die Schäden durch Verbiss. Die Stichproben werden nicht zufällig gewählt, sondern nach einem festen Schema. "Das ist ein rein statistisches Verfahren", erklärt Lutz.

Bayernweit wird ein einheitliches Gitternetzraster über die Flächen gelegt. Von jedem ausgewählten Gitternetzpunkt wird dann die nächstgelegene geeignete und ungeschützte Verjüngungsfläche im Einzugsbereich aufgenommen - egal, ob sie gut zugänglich ist oder nicht. Im Landkreis Kulmbach gibt es 237 Aufnahmepunkte, pro Hegegemeinschaft zwischen 30 und 40.


Pro Tag schaffen die Revierleiter drei Punkte


"Pro Tag schaffen unsere Revierleiter vielleicht drei solcher Punkte", erklärt Lutz den immensen Aufwand. Anwärter Justus Humpert steckt das Untersuchungsgebiet ab, dann werden die zu untersuchenden Pflanzen ausgewählt und genau analysiert.

Försterin Anja Mörtlbauer zeigte den Interessierten, dass jeder Baum aufgenommen und vermessen wird. Jeder Verbiss wird registriert. Relevant sind rund um Kulmbach die Pflänzchen zwischen 30 Zentimeter und 1,30 Meter Höhe. "Die Pflanzenhöhe kann im Oberland völlig anders sein", so Mörtlbauer. Per Computertechnik werden die Ergebnisse erfasst und mit GPS-Daten abgespeichert.


Das Reh zupft, die Hasen schneiden


"Die Fichte hier ist 54 Zentimeter groß und weist keine Verbissschäden auf", stellen Anja Mörtlbauer und Justus Humpert fest. Die Kiefer daneben ist verbissen und hat einen Fegeschaden. Auch die 40 Zentimeter hohe Fichte hat einige Zweige eingebüßt. "Das Reh rupft eher, Hasen schneiden die Zweige schräg ab", erklärt Anja Mörtlbauer die Details. "Hier ist doch ein ganz glatter Schnitt. Das waren Hasen", moniert ein Jagdvorsteher.

Zwischen Mai und Juni werden die Daten ausgewertet - im Juli erfolgt der Versand der Ergebnisse an die Beteiligten zur Stellungnahme. Im Spätsommer werden voraussichtlich Informationsveranstaltungen durchgeführt und das offizielle Verbissgutachten erstellt. Und bis März nächsten Jahres sind dann die Aussagen fertig. Ist der Verbiss zu hoch, dann müssen die Abschusszahlen in den jeweiligen Revieren erhöht werden, erklärt Lutz das Prozedere. Die Entscheidung über die Abschusszahlen allerdings trifft die Untere Jagdbehörde.