Seit über 50 Jahren ist das große, runde Ding aus dem Kulmbacher Stadtbild nicht wegzudenken. Nun ist sein Ende gekommen: Auf dem früheren Stadtwerke-Gelände an der Schützenstraße wird derzeit der Gaskugelspeicher abgerissen.

Angekündigt hat sich das schon vor etlichen Wochen: Gasreste aus dem Behälter wurden Anfang April über Tage hinweg abgefackelt - vor allem nachts ein Spektakel für Anwohner und Autofahrer auf dem Kreuzstein. Die eigentlichen Abbrucharbeiten haben vor etwa einer Woche begonnen. Sie sollen, so heißt es aus dem Rathaus, schon in den nächsten Tagen beendet sein.

Damit verschwindet ein Bauwerk, das vor einem halben Jahrhundert Sinnbild war für den neuesten Stand der Technik. 1968 war der Gaskugelspeicher errichtet worden - eine Stahlkugel mit einem Durchmesser von 18,15 Metern, die 3125 Kubikmeter Gas aufnehmen konnte. Der Behälter war gewissermaßen der Reservekanister der städtischen Gasversorgung: Wenn an besonders kalten Tagen in den Wintermonaten der Gasverbrauch außergewöhnlich hoch war - Experten sprechen hier von Bezugsspitzen - konnte die Versorgung dank des im kugelförmigen Behälter eingelagerten Erdgases sichergestellt werden.

Hohe Unterhaltskosten

Als sich ab dem Ende der neunziger Jahre die Gasmärkte in der EU zunehmend für den freien Wettbewerb öffneten (verbunden mit einer Trennung der Geschäftsbereiche Gasnetz, Gasmessung und Gasvertrieb) konnte der Behälter nicht mehr so wirtschaftlich betrieben werden wie in den Jahren zuvor.

In die Entscheidung, sich von dem Behälter zu trennen, spielte auch die Tatsache hinein, dass fortlaufende Kosten für den Unterhalt des Behälters sowie für Prüfungen durch den TÜV angefallen wären.

Als dann die Stadtwerke mit der Firma Raps über einen Verkauf des Grundstücks verhandelten, wurde von dem Unternehmen die Beseitigung von Altlasten und die Entfernung des Gaskugelbehälters zur Bedingung gemacht.

Seit Anfang des Jahres werden auf dem Gelände an der Schützenstraße bereits die Arbeiten zur Altlastensanierung und zum Neubau der Gasdruckregelstation durchgeführt, so Jonas Gleich, Pressesprecher der Stadt Kulmbach.

Die Vorarbeiten zum Abbruch des Behälters selbst erfolgten dann ab Ende März. Zunächst wurde der Gasdruck in dem Behälter reduziert, in dem das dort enthaltene Gas in das Erdgasnetz der Stadt abgelassen wurde. Das restliche Erdgas wurde über eine Fackel abgebrannt - was zu dem bereits erwähnten Spektakel führte.

Mit Stickstoff gespült

Anschließend wurde der Gaskugelspeicher mit Stickstoff gespült. Damit wurde eine explosionsfreie Atmosphäre in der Kugel sichergestellt."Bei allen Arbeiten zur Entgasung des Gaskugelspeichers entstanden zu keiner Zeit Gefährdungen für die Umgebung", betont der Pressesprecher.

Mittlerweile ist die Firma Plannerer aus dem oberpfälzischen Pullenreuth ("ein erfahrenes Abbruchunternehmen") mit den Abbrucharbeiten beschäftigt, die spätestens in der nächsten Woche abgeschlossen sein sollen.

Das Gelände, auf dem der Behälter (noch) steht, gehört mittlerweile der Firma Raps. Die möchte dort einen Erweiterungsbau errichten - ein Projekt, das nicht überall auf Gegenliebe stößt. Wie mehrfach berichtet, soll dafür ein 70 Meter breites Straßenstück überbaut, die Verbindung vom Kreuzstein durch die Schützenstraße ins Goldene Feld damit gekappt werden.

Gegen das Vorhaben ist beim Verwaltungsgericht Bayreuth eine Klage anhängig. Der Metallbau-Unternehmer Bernd Dörnhöfer akzeptiert die Teileinziehung nicht. Er brauche die Schützenstraße als Zu- und Abfahrt für seine Lastwagen, sagt er.