Die Enthüllungskomödie "Kalender Girls" feierte am Freitagabend Premiere auf dem Wehlitzer Berg. Aufgedeckt wird allerdings weder ein Skandal noch ein Verbrechen - entblößt werden vielmehr heimattümelndes Einerlei, abgeschliffene Traditionen und eingeübte soziale Rollen.

Die Eigenproduktion der Naturbühne Trebgast will in der Regie von Kathleen Draeger aber nicht aufwühlen, nichts umstürzen, vielleicht eine Art Selbstbeschau anbieten, in jedem Fall aber ganz bezaubernd unterhalten.

Eine Portion englischer Humor

Das mit einer ordentlichen Portion englischem Humor, der sich über die Verhältnisse zwar lustig macht, im Grunde aber mit dem zufrieden ist, so wie es ist. Tatsächlich spielt das Stück in einer verschlafenen englischen Grafschaft abseits vom Weltgeschehen. Also in der Provinz, wo sich der örtliche Frauenverein um sich selbst dreht, allen möglichen Putz anfertigt, Handarbeiten produziert, inbrünstig die Hymne zu Ehren der Königin trällert und sich selbstverständlich auch weiterbildet.

Mit dem frauenspezifisch weltbewegenden Thema "Brokkoli" zum Beispiel, wozu man die sachkundige Brenda (Sonia Da Silva Schmidt) zum Vortrag gebeten hat. Allerdings kann man ihr hierfür keine funktionierende mediale Unterstützung (einen alten Diaprojektor) aufbieten, den Brenda für unverzichtbar hält und deshalb unverrichteter Dinge indigniert abdampft.

Dorffest mit Frauenkränzchen

Was nun also tun? Das fragen sich die Damen (Silvia Canola-Haußner, Patricia Wagner, Bärbel Schaller-Böhm, Cordula Kerling, Georgia Lauterbach und Christine Kammerer). Zum Glück findet aber das alljährliche Dorffest statt, an dem sich das Frauenkränzchen - wie jedes Jahr - mit einem Gebäckwettbewerb beteiligt, bei dem Lady Cravenshire (Anna Plewe in dieser und zwei weiteren Rollen) die Vergabe des Preises obliegt, den sie schließlich für den einzigen nicht selbst gebackenen weil gekauften Kuchen überreicht.

Und noch eine Sensation haben die Damen - wie jedes Jahr - für das Dorffest auf Lager: den alljährlichen Monatskalender. Mit den ehrwürdigen Kirchlein der Gegend hatte man zuvor die Bevölkerung - allerdings bei geringer Nachfrage - beglückt.

Busen statt Brücken?

Nun steht zur Diskussion, die Monatsblätter für das kommende Jahr mit den vielgestaltigen Brücken der Region zu schmücken.

Nachdem Annies geliebter Mann (Marcus Hentschel) stirbt, möchte sie ihm ein besonderes Denkmal setzen. Gemeinsam möchte der gesamte Frauenclub selbst auf den Seiten des Kalenders glänzen. Dazu erklären sich die Damen - die eine spontan, die andere nach Überredung, die andere trotz erheblicher Zweifel - schließlich bereit, sich in ihrem Alltag fotografieren zu lassen.

Nicht einfach so, sondern als Akt. Also schon nackt, aber so, dass man es nicht sieht, da diverse Körperteile mit diversen Alltagsutensilien verdeckt bleiben. Gesagt, getan, wirbelt die Fotosession mit viel Blitzlicht, Schirmen und ganz viel Stoff bis zur jeweils kurzen Aufnahme über die Bühne.

Der Kalender schlägt ein wie eine Bombe.

Er ist auch über das Dorf hinaus gefragt, muss nachgedruckt werden. Ein beträchtlicher Erlös kann für die Leukämieforschung verwendet werden. Die Frauen werden berühmt und sogar für eine Fernsehaufnahme eingeladen, die sich aber nur als plumper Werbespot entlarvt.

Dann kommt es zum Zickenkrieg

Der ungeahnte Erfolg ist nicht so einfach für die Damen. Es kommt zum Zickenkrieg und schließlich zur Erkenntnis, dass man doch lieber so weiter leben will wie vorher und dass man auch mit 50 und darüber hinaus seine Reize hat und dafür nicht unbedingt von einer Kosmetikerin (Marina Hentschel) groß aufgetakelt werden muss.

In mehreren vielgestaltigen Nebenrollen wuseln vor allem in turbulenten Szenen mit: Walter Lattner, Karlheinz Bergmann und Sigurd Sundby als Fotograf, Aufnahmeleiter, Tourist und angesoffener Berichterstatter des Dorffestes. Das Bühnenbild hat André Putzmann gestaltet. Die allermeiste Arbeit zur Ausstattung hatte wohl Wolfram Müller-Broeder, der eine Unmenge an Kostümen anzufertigen hatte, in die die Schauspielerinnen im Verlauf der Aufführung schlüpfen.

Das Familienstück wird 16 Mal auf der Naturbühne zu sehen sein - letzter Termin ist der 19. August. Tickets gibt es noch an den bekannten Vorverkaufsstellen der Naturbühne in der Region sowie online unter www.dienaturbuehne.de.