Für Brigitte Lauterbach sind Gewürze mehr als nur ein Privatvergnügen - aber eben auch, gibt die Kulmbacherin offen zu. Fast ist es Brigitte Lauterbach ein bisschen peinlich, dass sie bei der ersten Prüfung zur Gewürz-Sommeliere am besten abgeschnitten hat. Brigitte Lauterbach betreut seit 1997 die Gewürzbibliothek, ist fast im Mupäz zu Hause. Doch bei der zehntätigen Ausbildung hat sie trotzdem noch viel dazu gelernt. "Ich habe schon einiges an theoretischem Wissen mitgebracht, aber für mich war die Sensorik sehr interessant. Und was mich auch sehr interessiert hat, ist die Heilwirkung der Gewürze", zieht Brigitte Lauterbach für sich selbst eine Bilanz.
Sie hat die Strapazen der theoretischen und praktischen Prüfung gerne auf sich genommen, will jetzt in Zukunft ihr Gewürzwissen natürlich auch in ihrer Arbeit einbringen.
Und das bedeutet für sie, dass sie die Bibliothek gezielt vervollständigen möchte. Derzeit beinhaltet die Gewürzbibliothek rund 11 000 Bücher, doch Lauterbach sieht noch Potential, das Repertoire an Kochbuchschützen weiter aufzustocken. Vor allem die Antiquitäten sind eine Rarität, weiß sie.

Auch der zweitbeste Absolvent des Qualifizierungsseminars kommt aus Kulmbach: Es ist der Kommunbräu-Wirt Frank Stübinger. Aufs Bronzetreppchen kam Cornelius Maria Gatzemeier, ein Außendienstmitarbeiter der Gewürzfirma Hela.

Aus vielen Branchen

Insgesamt 16 Absolventen des zehntägigen Kurses haben die Prüfungen zum Gewürz-Sommelier absolviert - und alle haben bestanden. Die Teilnehmer kamen aus der Gewürzbranche, aus der Hotellerie- und Gastronomie. "Alle haben das Tor in die Welt der Gewürze aufgestoßen", freute sich Wolfram Schaecke, der Leiter des Kompetenzzentrums Ernährung, über die guten Erfolge. Und jetzt sollten die Teilnehmer möglichst in Verbindung bleiben, wünschte sich Manuela Mahn vom Kern.

"Rote" mit besonderer Würze

Den weitesten Weg nach Kulmbach hatte Sarah Winter. Sie kam aus Osnabrück, um sich in Kulmbach zur Gewürz-Sommèliere ausbilden zu lassen. Aber auch aus Baden-Württemberg und Hessen waren Teilnehmer mit dabei. Roman Hermle, ein Fleischermeister aus Spaichingen, will jetzt seine berühmte "Rote" mit der besonderen Würze machen, hat er sich vorgenommen.

Auch Kulmbachs Gewürzunternehmer Frank Kühne von Raps absolvierte die Ausbildung. Obwohl Frank Kühne Zeit seines Lebens in der Gewürzbranche zu Hause ist, hat er noch viel Neues mitnehmen können. "Für mich war das strukturelle Herangehen an die Welt der Gewürze sehr interessant und bereichernd.

Am beeindruckendsten fand ich persönlich das Aroma-Pairing", erklärt Kühne und meint damit das Spiel der Aromen. Auf molekularer Ebene gehen Gewürze Verbindungen ein, werden zu etwas völlig anderem oder Überraschendem. Ein typischer Verbinder ist beispielsweise Koriander, erklärt Kühne - sichtlich fasziniert.
Die Raps-Stiftung hat auch Stipendien für die Fortbildung vergeben, denn die Ausbildung zum Gewürz-Sommelier kostet rund 1500 Euro.