Nicht jeder liebt die Kunst der schönen Worte, und so kommt es immer wieder zu groben Misshandlungen. Vorzugsweise geschieht dies hinter verschlossenen Türen in deutschen Amtsstuben, wo die erstaunlichsten Kreationen erdacht, in Vorschriften versteckt und gelegentlich zur Abschreckung unter die Menschen gebracht werden.

Nur so lässt sich erklären, dass man in der Innenstadt an einer bedarfsgesteuerten Fußgängerfurt Halt machen muss (dabei ist das Warten an der roten Ampel für mich nie bedarfsgerecht), und man an U-Bahn-Stationen nicht einfach durch ein Drehkreuz geht, sondern eine Personenvereinzelungsanlage überwinden muss.

Besonders kuriose Blüten treibt das Bürokratendeutsch, wenn es um die Natur geht. Die ist ohnehin suspekt, weil sie sich nicht in Normen zwängen lässt. Da kennt der ordnungsliebende Wortschöpfer kein Pardon: Spontanvegetation (Unkraut) wird rigoros beseitigt, raumübergreifendes Großgrün (Bäume) zurechtgestutzt. Auf der Weide grasen nicht malerisch die Kühe, sondern dort stehen rauhfutterverzehrende Großvieheinheiten , die von einer nicht lebenden Einfriedung (Zaun) in Schach gehalten werden.

Gibt es derart umständliche Wortungeheuer auch in anderen Sprachen, oder schaffen das nur wir Deutschen? Man muss lange suchen, bis man einen Ausdruck auf Beamtisch findet, der aussagekräftiger ist als Normaldeutsch. Einen finde ich richtig gut: Die Diskothek ist ein Lautraum - endlich mal eine Beschreibung, die den Sachverhalt auf den Punkt bringt.