Was ist er verkitscht worden in Büchern und Filmen, verniedlicht zum kindgerechten Clown. Den allermeisten dürfte er wohl nur wegen des Begriffs "Eulenspiegelei" überhaupt geläufig sein. Aber wer war dieser historisch so schwer zu fassende Till Eulenspiegel? Eine reale Figur? Da streiten sich unter anderem die Orte Knettlingen und Mölln.
Aber dem Buch "Ein kurtz weilig Lesen von Dyl Ulenspiegel" zufolge, verfasst in Mittelniederdeutsch und datiert auf den Anfang des 16. Jahrhunderts, generiert sich der vermeintliche Narr als kluger Schelm, der durch das Wörtlich-Nehmen bildlicher Redewendungen die Unzulänglichkeiten seiner Mitmenschen bloßstellt. Till Eulenspiegel wird der Ausspruch "ick bin ulen spegel" zugeschrieben - was so viel bedeutet wie "Ich bin euer Spiegel"; er hält uns den Spiegel vor.
Und das auf bisweilen derb-fäkale Weise.

Wenig schmusige Originalfigur

Just diese wenig schmusige Ursprungsfigur des Till legt Paula Fünfeck zugrunde für ihr musikalisches Schauspiel, das zum Schauerspiel gerät ob der unflätig-herben Darreichungsform des Hauptdarstellers. Regisseur Dominik Kern hat die Vorlage zu einem Stück verarbeitet, mit dem die Studiobühne Bayreuth am 23. Juli (20 Uhr) im Felsentheater Sanspareil Premiere feiert (alle Termine unter www.studiobuehne-bayreuth.de).
"Mich hat dieser Anti-Kinderbuch-Till fasziniert", sagt Kern zu den Beweggründen, das Leben des Narrenschalks zu inszenieren. Allerdings bekommen Tills Flegeljahre einen besonderen Beigeschmack: Eulenspiegel ist Gottes unehelicher Sohn, ein göttlicher Bastard quasi, gezeugt mit der Göttin des Glücks. Sie und Tills heimliche Verehrerin, die Göttin der Tugend, streiten sich am Todestag Eulenspiegels darum, ob sein Weg in den Himmel oder die Hölle führen soll.
"Am Rande dieses Zwists werden die Darsteller in sieben Episoden die schrägsten Streiche Eulenspiegels Revue passieren lassen", sagt Kern. Der christliche Anhauch findet sich in vielen Anspielungen auf Bibelzitate - "allerdings ohne gotteslästerlich zu werden", betont der Regisseur. Das Stück ist dennoch wegen seines bisweilen unflätigen Vokabulars für Kinder nur bedingt geeignet. Umrahmt wird das Stück mit Live-Musik von "3 Dorfschönheiten".


Für Umberto Ecos "Der Name der Rose" fängt sogar die Eremitage Feuer

Die Bayreuther Studiobühne ist durchaus bekannt für ihre Experimentierfreudigkeit. Aber das Römische Theater in der Eremitage für ein Stück in Flammen aufgehen zu lassen? Das haben sich die Macher um Leiter Werner Hildenbrand allen Ernstes für die anstehende Sommersaison vorgenommen. Schließlich soll bei Umberto Ecos "Der Name der Rose" - wie auch in der Romanvorlage - am Schluss eine Abtei brennen.
"Wir suchen schon nach allem an Pyrotechnik, was zu kriegen ist", sagt Ruth Krottenthaler und grinst. Die Bühnen- und Kostümbildnerin arbeitet gerade an den Entwürfen zu Kutten und Kulissen. Die Bühnenfassung von Claus J. Frankl nach dem Bestseller des italienischen Autors, der nicht weniger erfolgreich mit Sean Connery verfilmt wurde, hat am 7. Juni um 20 Uhr Premiere in der Eremitage. Der überdachte Zuschauerraum des Ruinentheaters bietet 230 Besuchern Platz.

Hexen im Ruinentheater

An diesem Ort beginnen ab 22. Juni auch die Aufführungen des diesjährigen Kinderstücks: "Die Kleine Hexe" nach dem Buch des im Vorjahr verstorbenen Otfried Preußler. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 17 Uhr und dauern etwa eine Stunde.
Wieder im Programm hat die Studiobühne das Stück "Leubald", Richard Wagners Jugendwerk, in der Regie von Uwe Hoppe. Mit 13 Jahren hatte der spätere Starkomponist Wagner begonnen, diese Schauermär zu verfassen. Im Barockgarten im Steingraeber-Palais ist ab 19. Juli (Beginn 20 Uhr) eine 95-minütige Version zu sehen.
An gleicher Stelle und ebenfalls als Wiederaufnahme-Premiere steigt Uwe Hoppes Komödie "Richard! Mein Leben!" am 26. Juli (20 Uhr). Das Stück versteht sich als Exzerpt, um die ganzen Verbandelungen des exzentrischen Wagner-Clans bis hin zu den heutigen Festspielleiterinnen einordnen zu können.