Würden sich alle Schwankenden noch fürs Mitmachen entscheiden, könnten sie die Zusammensetzung von Landtag und Bundestag noch gehörig auf den Kopf stellen.

Doch warum wollen viele auf ihr wertvolles demokratisches Grundrecht verzichten? Haben wir zu wenig echte existenzielle Probleme? Sind wir zu faul, zu satt oder zu dumm? Sind die Wahlprogramme nicht verständlich? Oder haben wir einfach das Gefühl, es wird um Kaisers Bart gestritten, während die echten Probleme ungelöst bleiben?

An mangelnder Auswahl an Kandidaten und politischen Konzepten dürfte es eigentlich nicht liegen, und selbst diejenigen, die keine realistische Chance auf ein Mandat haben, investieren viel Zeit und persönliches Engagement, um dem Wähler Alternativen anzubieten. Das ist vorbildliches Demokratieverständnis, das große Anerkennung verdient.

Menschen für Politik zu begeistern, ist nicht einfach.
Die Themen sind vielfältig und komplex. Nicht jeder kann Experte für alles sein, und trotzdem erwarten die Menschen von ihrem Abgeordneten konkrete Antworten und pragmatische Lösungen. Vorteile im Wettbewerb hat, wer sich souverän und bürgernah zeigt, klar Position bezieht und die Sorgen der Bürger ernst nimmt. Können das unsere Kandidaten?

Sie bemühen sich. Sie gehen auf die Bürger zu und machen sich Gedanken, wie die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden können.

Jeder hat dabei andere Vorstellungen und Schwerpunkte. Wollen wir Windräder oder doch lieber Atomkraftwerke? Ein anderes Bildungssystem? Bessere Busverbindungen auf dem Land? Endlich überall schnelles Internet? Oder doch zuerst eine Ortsumgehung für Kauerndorf? Es liegt an jedem einzelnen Bürger zu entscheiden, welche Konzepte zum Tragen kommen und wofür die Steuergelder ausgegeben werden.

Wenn die halbe Nation die Stimmabgabe verweigert, weiß niemand, was die Mehrheit der Bürger will. Wie soll es die Politik den Menschen dann recht machen?