Wenn man die Familiengeschichte des Namens Hohner auf einen Nenner bringen möchte, so erscheint das fast unmöglich, denn in unserer Gegend war der Name früher überall vertreten. Es wird kaum eine Ortschaft ohne diesen Namen im alten Landkreis Stadtsteinach geben. Gehäuft tritt er allerdings in Triebenreuth vor 1700 mit 100 Nennungen in der dortigen Genealogie auf, in Wartenfels und Umgebung und in Ludwigschorgast bereits vor 1800 und in Stadtsteinach findet man den Namen 190 Mal im Bürgerbuch.

Im Jahr 1810 taucht ein Schuhmacher Johann Hohner aus Wildenstein (1810 - 1890), verheiratet mit einer Barbara Tittel aus der Kapellmühle, in der Forstamtstraße 7 auf. Unter den Hohnern in unserer Gegend waren auffällig viele Schuster vertreten. Dessen Sohn Eduard Hohner (1845 - 1928) heiratete eine Katharina Bauerschmidt und zog mir ihr in die Kulmbacher Straße 5, um dort als Landwirt und Wirt tätig zu sein. Die Wirtsstube war sicherlich schlicht und einfach, das Gebäude einstöckig und wie überall dachte man von außen eher an einen Bauernhof.


Gastwirtschaft war Mittelpunkt

Eine seiner Töchter heiratete in die benachbarte Gastwirtschaft Schott (heute Ploner) und die andere heiratete den Dentisten und Friseur Georg Ploner aus Herzogenaurach, der seinen Laden im Haus Marktplatz 7 hatte. Mittlerweile wurde ein weiteres Stockwerk errichtet, und die Gastwirtschaft wurde immer mehr zum Mittelpunkt. Zwei Söhne sind wahrscheinlich nach Amerika ausgewandert. Der weitere Sohn Adam Hohner, der Namensgeber des Hausnamens, übernahm vor 100 Jahren 1916 den elterlichen Hof mitsamt Bierwirtschaft.

Adam Hohner, genannt "Hohnersch Oadl" (1882 - 1954) heiratete 1912 Katharina Schmidt aus Unterzaubach 15 (Hausname Schweden). Er nannte sich nicht nur Wirt, sondern auch Kommunbrauer. Das Bier wurde im Kommunbrauhaus in der Braugasse (heute Bahnhofstraße) gebraut. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es sieben Wirte und Brauer, später noch vier, die von 1864 bis 1942 dort abwechselnd ihr eigenes Bier nach eigenen Rezepten brauten. Anschließend wurden die Fässer in Keller gebracht und wenn es aufgebraucht war, musste man wieder zum Brauen in die Kommunbräu.


Zwölf Jahre Hohner-Bier

Adam Hohner meldete sogar mit seinem Bier eine eigene Brauerei an, von 1930 bis 1942 konnte man Hohner-Bier kaufen. Den Gerstensaft transportierte er in seine Lagerkeller am Lindenweg. Im Ortteil Höfles gab es drei große Teiche, aus dem die Kommunbrauer ihren Eisvorrat holten. 1-Liter-Maßkrüge mit dem Schriftzug "Adam Hohner Stadtsteinach" oder auch "Kommun-Bräu H. Lorber Stadtsteinach" (Kronacher Straße 17) werden heute für bis zu 1000 Euro gehandelt. Auch Bierdeckel aus dieser Zeit sind gesuchte Sammlerstücke.

Zwei Söhne von Adam Hohner verließen Stadtsteinach. Walter zog nach Marienweiher und Eduard nach Altenkunstadt. Die älteste Tochter Anna heiratete 1935 Adam Hellmuth aus Berneck, der später in der Brauerei Schübel im Büro tätig war. Im Jahr 1948 wurde nun Anna die Wirtin für 50 Jahre, und in dieser Zeit war die Hochblüte beim Hohnersch Oadl, denn der Name ist bis heute erhalten. Das Bier wird seit 1942 von der Brauerei Schübel geliefert, und die Stammtische sorgten dafür, dass die Stube immer voll war.

Wenn der Senioren-Stammtisch unter der Federführung von Heinrich Schramm angesagt war, waren alle Plätze belegt. Jeder Stanicher versuchte, zu diesem erlauchten Kreis dazu zu gehören, denn es galt als Ehre, bei der Wirtin Anna einen, besser gesagt, seinen Krug auf dem Brett unterhalb der Decke deponieren zu dürfen.
Auch der "Fußball Club 1930", ab 1952 Turn- und Sportverein, war Dauergast in der Gaststätte Hohner. War doch der Ehemann der Wirtin Adam Hellmuth ein langjähriger Funktionär bei den Fußballern.


Waltraud Sommer gibt Herzblut

Seit dem Tod von Anna Hellmuth 2007 führt deren Tochter Waltraud Sommer die Traditionsgaststätte mit Herzblut weiter. Auch wenn das Rentenalter schon erreicht war, sah sie sich in der Pflicht, eisern für ihre treuen Gäste da zu sein. Und viele Stanicher sind froh, dass ihr "Oadl" immer noch offen steht und sie die gemütliche Atmosphäre genießen können. Für viele ist es einfach ein Muss, nach dem Gottesdienst noch in die "klaa Kering" zu gehen und den sonntäglichen Frühschoppen und Nachrichtenaustausch bei der Waltraud zu pflegen.

Ein Stammtisch belebt den "Oadl" ganz besonders. Es ist der Stammtisch der "38er". Regelmäßig ist hier der Treffpunkt der Mitglieder, man erzählt von früher, man kocht etwas Besonderes und freut sich auch auf Mitglieder aus der Ferne. Und "Vorsitzende" Waltraud Sommer fiebert schon dem nächsten Treffen entgegen. Denn ohne ihr Wirtshaus würde der eisernen Wirtin etwas fehlen. Sie trägt das Gastronomie-Gen in sich, und das bereits in der vierten Generation.