Der Kreisjugendring feierte 70. Geburtstag

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70 Jahre sind ein Grund zum Feiern: (von links) JürgenZiegler, Frank Wilzok, Matthias FörsterUschi Prawitz
70 Jahre sind ein Grund zum Feiern: (von links) JürgenZiegler, Frank Wilzok, Matthias FörsterUschi Prawitz
Wer sagt, dass nur Jugendliche kickern dürfen? LandratKlaus Peter Söllner, Frank Wilzok, Alexander Batistella und Rainer Ludwig trugenein kleines Match aus.Uschi Prawitz
Wer sagt, dass nur Jugendliche kickern dürfen? LandratKlaus Peter Söllner, Frank Wilzok, Alexander Batistella und Rainer Ludwig trugenein kleines Match aus.Uschi Prawitz
 
Stärkung am kalten Büffet der Menüfaktur: (von links) GerhardMüller, Hans-Peter Brendel und Rainer Ludwig.Uschi Prawitz
Stärkung am kalten Büffet der Menüfaktur: (von links) GerhardMüller, Hans-Peter Brendel und Rainer Ludwig.Uschi Prawitz
 
Jürgen Ziegler (Mitte) wurde vom Präsidenten desBayerischen Jugendrings, Matthias Fack (rechts) für hervorragende Dienste in derJugendarbeit ausgezeichnet. Sabine Knobloch (links) und ihr Team hatten dieseÜberraschung bis zuletzt geheim gehalten.Uschi Prawitz
Jürgen Ziegler (Mitte) wurde vom Präsidenten desBayerischen Jugendrings, Matthias Fack (rechts) für hervorragende Dienste in derJugendarbeit ausgezeichnet. Sabine Knobloch (links) und ihr Team hatten dieseÜberraschung bis zuletzt geheim gehalten.Uschi Prawitz
 
Eigens zum Jubiläum fand sich diese Band um StefanLehner (re), die das Rahmenprogramm zum Festakt musikalisch begleitete.Uschi Prawitz
Eigens zum Jubiläum fand sich diese Band um StefanLehner (re), die das Rahmenprogramm zum Festakt musikalisch begleitete.Uschi Prawitz
 
Sie erinnerten sich an vergangene Zeiten mit dem KJR:v.l. Brigitte Soziaghi, Sabine Knobloch, Moderatorin Hella Vogel, JürgenZiegler, Elfie Wolfrum, Dieter Feldbaum, Dieter Witterauf, Melanie Dippold undStefan Lehner.Uschi Prawitz
Sie erinnerten sich an vergangene Zeiten mit dem KJR:v.l. Brigitte Soziaghi, Sabine Knobloch, Moderatorin Hella Vogel, JürgenZiegler, Elfie Wolfrum, Dieter Feldbaum, Dieter Witterauf, Melanie Dippold undStefan Lehner.Uschi Prawitz
 
Hella Vogel (rechts) moderierte ein Gespräch mitverschiedenen Zeitzeugen, hier auf der Couch mit Brigitte Soziaghi (links) undSabine Knobloch.Uschi Prawitz
Hella Vogel (rechts) moderierte ein Gespräch mitverschiedenen Zeitzeugen, hier auf der Couch mit Brigitte Soziaghi (links) undSabine Knobloch.Uschi Prawitz
 
"Wir sind die Lautsprecher für Kinder undJugendliche dort, wo sie nicht gehört werden!" Der erste Präsident desBayerischen Jugendrings, Matthias Fack, hielt die Festansprache.Uschi Prawitz
"Wir sind die Lautsprecher für Kinder undJugendliche dort, wo sie nicht gehört werden!" Der erste Präsident desBayerischen Jugendrings, Matthias Fack, hielt die Festansprache.Uschi Prawitz
 
"In die Jugend investiertes Geld ist gutesGeld" - Stephan Ringwald (VR-Bank Oberfranken Mitte) und Harry Weiß (SparkasseKulmbach-Kronach) bekräftigten die Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring auchfür die Zukunft.Uschi Prawitz
"In die Jugend investiertes Geld ist gutesGeld" - Stephan Ringwald (VR-Bank Oberfranken Mitte) und Harry Weiß (SparkasseKulmbach-Kronach) bekräftigten die Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring auchfür die Zukunft.Uschi Prawitz
 
OB Henry Schramm schenkte Stefan "Bonsai"Lehner, der quasi zum Inventar des Jugendzentrums "AlteSpinnerei" gehört, eine lange Hose für den Winter.Uschi Prawitz
OB Henry Schramm schenkte Stefan "Bonsai"Lehner, der quasi zum Inventar des Jugendzentrums "AlteSpinnerei" gehört, eine lange Hose für den Winter.Uschi Prawitz
 

Sage und schreibe schon 70 Jahre alt ist der Kreisjugendring Kulmbach. Dabei hat die Jugendarbeit im Landkreis so gar nichts von einem alten Opa.

1947, mitten in den Wirren der Nachkriegszeit, wurde damit begonnen, die Jugendarbeit im Landkreis Kulmbach neu aufzubauen. "Die damaligen Gründer standen vor einem Scherbenhaufen, sie fühlten sich aber genötigt, etwas zu tun, um junge Menschen zu motivieren", sagte Landrat Klaus Peter Söllner im Rahmen des Festakts am Dienstagabend im Jugendzentrum "Alte Spinnerei". Bis heute habe es der Kreisjugendring (KJR) verstanden, die geschaffenen Rahmenbedingungen auf grandiose Weise zu nutzen, und jungen Menschen einen Weg für die Demokratie, für eigenverantwortliches Handeln, für die Gemeinschaft zu zeigen.

"Die Jugend soll ihren eigenen Weg gehen, aber ein paar Wegweiser können nicht schaden", zitierte Oberbürgermeister Henry Schramm das Festtagsmotto und betonte, dass die vielen Mitarbeiter im KJR explizit dort helfen, wo Hilfe gebraucht wird. "Die Kids heutzutage leiden unter einer unglaublichen Reizüberflutung", sagte der OB, doch nicht nur dieser Aufgabe stellten sich die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte. "Integration und Inklusion ist ebenso ein Thema, und dank euch schaffen es alle, gut miteinander auszukommen."

Matthias Fack, der erste Präsident des Bayerischen Jugendrings, war extra angereist, um die Festrede zu halten. Von einer Erfolgsgeschichte des KJR, die ihresgleichen sucht, sprach der gebürtige Kulmbacher, und er zeigte sich stolz darauf, dass die Präambel des Jugendrings, die 1947 verfasst wurde, immer noch unverändert gelte. "Wir setzen uns ein für eine offene und freie Gesellschaft, geprägt von gegenseitigem Respekt und unabhängig davon, wo jemand herkommt." Hass, Angstmacherei, Übergriffe, all das lasse junge Menschen nicht kalt, ein Ausschluss von Menschen gleich aus welchen Gründen dürfe nicht stattfinden. Deshalb habe der Kulmbacher KJR mit seiner preisgekrönten Zukunftswerkstatt den richtigen Weg eingeschlagen, denn Integration, Partizipation und Demokratie müssten in einer sich wandelnden Gesellschaft gefördert werden. "Wir müssen immer wieder neue Antworten finden und wir verstehen uns als die Lautsprecher für Kinder und Jugendliche dort, wo sie nicht gehört werden."

In den Zukunftswerkstätten werden Jugendliche dazu animiert, in die politische Willensbildung einzusteigen. "Schon viele Gemeinden haben teilgenommen, andere Landkreise haben unser Konzept bereits übernommen", erzählte Sabine Knobloch, die Vorsitzende des Kulmbacher KJR, mit Stolz. Sie dankte ihren Mitarbeitern für deren kontinuierlichen Einsatz auch in den vielen anderen Projekten und Programmen des KJR, sei es die Ferienbetreuung, der Ferienpass oder das Spielmobil, um nur ein paar wenige zu nennen. "Wichtig ist uns auch das HALT-Projekt gegen Alkoholkonsum, an dem wir seit 2010 teilnehmen, oder unsere Softbar, denn die Kids sollen erfahren: Man kann auch ohne Alkohol Spaß haben."

Sabine Knobloch zur Seite steht der Geschäftsführer und Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler, der sich seit 25 Jahren unermüdlich für die Belange der Jugendlichen im Landkreis Kulmbach einsetzt. Als Anerkennung dafür hatten seine Mitstreiter eine ganz besondere Auszeichnung parat, und Jürgen Ziegler war sichtlich überrascht und gerührt, als ihm Matthias Fack die "Auszeichnung für hervorragende Dienste in der Jugendarbeit" in Form einer Urkunde überreichte. "Ich habe wirklich gar nichts gewusst und freue mich riesig", sagte der Kreisjugendpfleger.

Doch was wäre eine Jubiläumsfeier, ohne die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren zu lassen? Acht Zeitzeugen nahmen auf der großen Couch im Festsaal des Jugendzentrums Platz und erzählten Moderatorin Hella Vogel von ihren eigenen Erlebnissen mit dem Kreisjugendring. Brigitte Soziaghi beispielsweise war vor 50 Jahren mit dem KJR auf Erholung in Neubau am Fichtelsee. "Ich war 13 und konnte noch nicht schwimmen", erinnerte sie sich. Da ging der damalige Kreisjugendpfleger Werner Graf in den Wald, holte einen großen Prügel hervor, den er mit seiner Frau festhielt. "Wir Kinder legten uns dann im See auf diesen Ast, irgendwann hat Werner Graf ihn weggezogen und wir schwammen."

Dass es heutzutage nicht mehr ganz so unbeschwert funktioniert, Veranstaltungen durchzuführen, wusste Melanie Dippold von der Landkreisjugendarbeit zu berichten. "Heute bräuchten wir für einen solchen Ausflug die Bestätigung der Eltern, dass das Kind schwimmen kann, und ein Rettungsschwimmer müsste auch dabei sein." Dieter Feldbaum, der früher mit rund 80 Kindern quasi um die Welt gereist ist, denkt heute noch an den großen Spaß zurück, den er bei der Arbeit mit Jugendlichen hatte. "Es war eine verrückte Zeit, vermittelt aber noch heute ein gutes Gefühl. Funktioniert hat das alles aber nur, weil die Jugendlichen selbst mitgezogen und einen starken Zusammenhalt an den Tag gelegt haben." Das bestätigte auch Elfie Wolfrum, die Ende der 80er Jahre vier Jahre lang Vorstandsmitglied war. "Wir hatten damals viele Kinder aus der Landbevölkerung, das war für etliche die einzige Chance, in den Ferien einmal weg zu fahren."

Die Arbeit und die Vorschriften im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten haben sich stark verändert, aber der Kulmbacher Kreisjugendring wird seinem bisherigen Kurs in einer starken Gemeinschaft weiter verfolgen. Dass er damit richtig liegt, zeigen auch die zahlreichen Auszeichnungen, unter anderem der Schutzbengel Award der Diakonie, eine deutschlandweite Auszeichnung, die in dieser Woche noch überreicht wird, oder der Sozialpreis der Bayerischen Landesstiftung, der dem KJR am 21. November durch Markus Söder in Nürnberg überreicht werden wird.