Neulich, beim Sonntagsdienst: Kollegin W., die an diesem Tag in Mittelfranken am Redaktionsschreibtisch sitzt, erwähnt so nebenbei, dass sie Besitzerin zweier Wellensittiche ist, die beide "Hansi" genannt werden. Darf man das? Darf man ein empfindsames Tier quasi minütlich mit seinem Namenszwilling konfrontieren? Man darf!

Wir Zweibeiner neigen dazu, unsere Haustiere zu vermenschlichen. Wir gehen davon aus, dass Haushund Bello, der ja eine sensible Seele ist, womöglich verschnupft sein könnte, wenn man ihm einfach zuruft: "Platz!". Deshalb erklärt man ihm die Sache: Dass der Bello-Schatz nun doch mal "schön Platz" und dann "heiaheia" machen soll. Und danach geht es spazieren - zur Oma! Weiß ein Hund, was eine Oma ist? Oder genügt ihm die Information, dass am Ende der Gassirunde Leckerli warten?

Wir neigen dazu, unseren Ärger über Katzenhaare auf dem Sofakissen hinunterzuschlucken, decken das Sofa komplett mit einer Decke ab und erzählen der Haus-Mieze, dass man ihr nun ein schönes Kuschel-Bettchen gemacht habe. Der Miez' ist das mausegal. Sie hat just in diesem Moment beschlossen, ihre Siesta auf dem Wäscheständer mit der frischgewaschenen Bettwäsche zu halten.

Und so verhält es sich auch mit dem Namen. Dem Hund wird es wurscht sein, ob er Waldi heißt oder Heinz-Günther. Er hört die Stimme seines Herrn und erkennt an der Tonlage, ob es nun lecker Fressen gibt oder Ärger wegen des toten Maulwurfs unterm Sofa. Ähnlich gelagert ist die Sache mit den beiden Hansis von Kollegin W. . Und übrigens auch mit unseren Katzen. Die hätten wir auch "Essen kommen" taufen können. Auf diesen Ruf nämlich reagieren sie nämlich prompt. Beide.