"Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen." Mit diesen Worten aus Jeremia 17,14 eröffnete Regionalbischöfin Dorothea Greiner den Abschiedsgottesdienst für den scheidenden Dekan Thomas Kretschmar am gestrigen Nachmittag in der Petrikirche. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Dekanatskantor Christian Reitenspieß an der Orgel, der Bläsergruppe Mangersreuth-Rugendorf unter Leitung von Volker Pöhlmann und der Gruppe "Die Band".

Thomas Kretschmar war Greiners Wunschdekan für den Kulmbacher Dekanatsbezirk. Als sie ihn damals dem Wahlgremium präsentierte, sprang der Funke sofort über: "Alle waren glücklich. Dann aber kam dein Anruf mitten während des Umzugs: Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich bin Gott dankbar, dass ich ,Ja' sagte auf Deine Frage, ob Du trotzdem kommen kannst."

Vor 34 Jahren begann Kretschmars Berufsleben mit seinem Vikariat bei Ernst Kunas in Olching. 2006 übernahm er die Leitung der damals mit 8300 Gemeindegliedern größten Kirchengemeinde der Landeskirche in Kaufbeuren. Und auch hier fand Thomas Kretschmar, wie die Regionalbischöfin feststellte, mit seiner unglaublichen Energie, noch Zeit und Kraft für das zusätzliche Engagement in landeskirchlichen Projektgruppen.

Auch während seiner Zeit in Kulmbach war der Dekan geistlich impulsgebend und trotz seiner schweren Erkrankung stets für die Kirchengemeinden da. "Vielleicht ist der größte Segen, der aus deinem Dienst, lieber Thomas, zurückbleibt, die Weise, wie du deine Krankheit trägst. Du wirst dauerhaft vielen Menschen ein Vorbild bleiben", so Greiner.

Fröhlich sein trotz Krebs

Dekan Kretschmar griff in seiner Abschiedsrede den Predigttext für den gestrigen Sonntag auf, der im Buch des Propheten Jesaja im 38. Kapitel steht: "Hiskia, König von Juda um das Jahr 700 vor der Geburt des Herrn Christus. Das war einer der großen Könige des Alten Testaments. Ein gottesfürchtiger Mann. Ein guter Politiker. Und ein Mensch, ein ganz normaler Mensch. In der Mitte seines Lebens wird er krank. Sterbenskrank. Er soll sein Haus bestellen und weint bitterlich. So erzählen es verschiedene Bibeltexte. Und Gott erhört ihn, und er bekommt noch einmal 14 Jahre geschenkt, die er für sein Land und die Förderung des Tempels gut nutzt." Das Gefühl, du sollst, du musst dein Haus bestellen, das kenne auch er: "Und auch das bitterliche Weinen, weil das Leben so ungerecht ist. Aber so sehr die Lebensgeschichte des Königs Hiskia und des Dekans Kretschmar sich ähneln mögen, so gibt es einige Unterschiede, die mir sehr wichtig sind: So musste ich nie jammern, denn ich darf darauf vertrauen, dass nach dem Sterben noch etwas Neues kommt. Dass ich auch dort Gott loben kann, wie es da auch immer sein wird."

Kretschmar sah seine Aufgabe darin, den Menschen stets zu zeigen, dass man auch mit Krebs leben kann: "Dass man fröhlich sein und lachen, arbeiten und feiern kann. Mir war und ist wichtig, dass die Krankheit nicht mein ganzes Leben beherrscht, sondern, dass ich sie in mein Leben integriere."

Abschließend sprach der Dekan ein paar persönliche Worte: "Ich bin der Petrigemeinde unendlich dankbar, dass sie uns beide, meine Frau und mich, mit so offenen Armen aufgenommen, mich beinahe an die Hand genommen haben und ein Teil der Petrigemeinde haben werden lassen. Das hat uns gutgetan. Ich war auch gerne bei Ihnen in den Gemeinden im Kulmbacher und im Stanicher Land zu Gast."

Stehender Applaus zum Abschied

Die Reihe der Grußworte eröffnete Christina Flauder für die Synode und den Dekanatsausschuss: "Ein Geschenk Gottes und ein Botschafter seiner Liebe, ein Brückenbauer, Tröster und Wegbegleiter, ein Mutmacher und Wegbereiter und ein Schatz für diese Welt und unsere Kirche", so beschrieb sie Kretschmar. Danach folgten Landrat Klaus Peter Söllner, Oberbürgermeister Ingo Lehmann, Stadtpfarrer Hans Roppelt, die beiden "Seniores" des Dekanats, Bettina Weber und Siegfried Welsch, Vertrauensfrau Adrienn Dörnhöfer und ihre Stellvertreterin Anja Gimpel-Henning.

Zum Auszug aus der Petrikirche gab des nach dem Abschiedsgottesdienst von allen Applaus im Stehen für Thomas Kretschmar.