Das gibt's doch nicht! Sonntagnachmittag, am hellen Tag. Ich stehe am Fenster und schaue auf meinen Gemüsegarten. Vier (!) Rehe stehen dort inmitten der Beete und knabbern sich durchs Freiluft-Buffet, als wäre es für sie gedacht. Ein Anblick zum Staunen. Grazil und ganz entspannt speist das Grüppchen. Ich rühre mich nicht vom Fleck, denn schon die kleinste Bewegung bekommen die Tiere mit. Ich möchte aber gerne noch ein wenig zuschauen.

Dass ich Besuch vom Wild bekomme, ist normal. Es wurden sogar schon Kitze unserem Garten geboren. Doch üblicherweise schleichen sich die Tiere in der Dämmerung dorthin, wo ich sie eigentlich nicht haben will. In manchen Jahren war ich sogar richtig wütend, weil in nur einer Nacht ganze Gemüsebeete kahlgefressen und Rosensträucher ihrer Knospen beraubt wurden. Zäune wurde übersprungen, Schutznetze niedergetrampelt oder weggezupft. Dumm sind die Viecher ja nicht.

Inzwischen ärgere ich mich nicht mehr, sondern versuche nur noch, das zu schützen, was wir auf jeden Fall selbst essen möchten. Mit Metallbögen baue ich Tunnel auf, die ich je nach Bedarf mit Kulturschutznetzen oder Vlies bespanne, alles fest verankert in der Erde, versteht sich. Darunter wächst das, was mir in der Anzucht viel Mühe macht und was Familie Reh als Leibspeise betrachtet. Gleichzeitig schützt die Konstruktion zumindest teilweise vor Schnecken und anderen unerwünschten Tierchen. Praktisch.

Die friedliche Koexistenz ist dadurch gesichert, und für kleinere Fraßschäden werde ich mit besonderen Naturerlebnissen mehr als entschädigt.