OB Henry Schramm schwelgt in Jugend-Erinnerungen. Er denkt zurück an die Zeit, als er in den 70er Jahren als 15-Jähriger das Pförtnerhaus am Eingang zur Spinnerei passiert hat. Schramm hatte in Kulmbachs größtem Betrieb eine Lehre zum Industriekaufmann begonnen. "Das Pförtnerhaus war ein Schmuckstück. Die damaligen Pförtner Hans Hahn und Fritz Weich kannte damals in der Stadt fast jeder", berichtet der Oberbürgermeister.


Mehrere glücklose Gastronomie-Versuche

Ein repräsentativer Bau war das Gebäude bis zur Werksschließung im Jahre 1994. Repräsentativ soll es nun wieder werden. Die Stadt Kulmbach, die seit vergangenem Jahr Eigentümer ist, saniert das 1921 erbaute, unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das 1999 vom damaligen Eigentümer schon einmal saniert worden war. Danach hatten Gastronomen mit einem italienischen oder auch amerikanischen Restaurant, aber auch ein Bäcker mehr oder weniger erfolglos ihr Glück versucht. Seit Jahren steht das Pförtnerhaus, in dessen erstem Geschoss lange Zeit eine Zahnarztpraxis war, nun leer.


"Gebäude hat Charakter verloren"

Das Gebäude habe in den letzten Jahrzehnten immer mehr sein ursprüngliches Aussehen verloren, sagt Henry Schramm. "Nicht denkmalgerechte Sanierungen im Innen- und Außenbereich, einhergehend mit dem Einbau von Metallfenstern, dem Abbau der prägenden Fensterläden, dem Anbau des Wintergartens und dem Anbringen von Glas-Metall-Vordächern nahmen dem Gebäude den Charakter." Im Zuge der Gesamtsanierung der Spinnerei sei das Pförtnerhaus ein wichtiges Projekt.


Fassade wird neu

Wie der Leiter der städtischen Hochbauabteilung, Bernd Ohnemüller, erläutert, werden unter anderem das Dach erneuert und die Fassade komplett überarbeitet. Die Fensterteilungen und Öffnungen würden wieder nach historischem Vorbild gestaltet, das nachträglich angebrachte Stahlvordach und der Wintergarten abgebrochen, die Rundsäulen im Eingangsbereich erneuert. Im Innenbereich werde im Erdgeschoss der Bodenbelag ausgetauscht und durch denkmalgerechte Naturstein- und Fliesenböden ersetzt. Auch das Obergeschoss werde instandgesetzt. Bernd Ohnemüller: "Im gesamten Gebäude werden zudem die Heizungs-, Sanitär-, Lüftungs- und Elektroinstallation erneuert."


Eine halbe Million Euro

Die Gesamtinvestition beläuft sich auf etwa eine halbe Million Euro. Die Stadt erhält hohe Zuschüsse. Die förderfähigen Kosten werden über das Brachenprogramm der Staatsregierung mit 70 Prozent gefördert. Der denkmalpflegerische Mehraufwand wird von der Oberfrankenstiftung und der Bayerischen Landesstiftung unterstützt.


Das Nutzungskonzept

Das Nutzungskonzept hat die Fördergeber überzeugt. Wie Henry Schramm mitteilt, soll "ein Stadtteiltreff mit gastronomischer Nutzung" entstehen. "Es soll eine Anlaufstelle für Jugendliche, ein kultureller Treff für Verein und Verbände werden." Auf Wandinstallationen werde auch über die Geschichte der Spinnerei informiert.


Pizza im Pförtnerhaus

Die Bewirtung übernimmt Maurizio Malandrino, der mit "Mauri Pizza" von der Pestalozzistraße in die Fritz-Hornschuch-Straße umzieht. Der 34-jährige Italiener freut sich auf sein neues Lokal. Auch er ist davon überzeugt, dass das Pförtnerhaus, das Ende des Jahres seine Pforten öffnen soll, "ein neues Schmuckstück wird".