Auf unserer Büro-Etage gibt es einen großen Kühlschrank.Hier deponiert jeder, was er für wichtig erachtet: Den Salat oder den Rest vom Sonntagsessen für den schnellen Mittags-Imbiss. Die Joghurt-Gläser für den kleinen Hunger zwischendurch, Senf, Milch, veganen Brotaufstrich oder mal Prosecco in Dosen.

Immer wieder mischen sich unter die Tiegel offensichtlich herrenlose Behältnisse. Im Laufe der Zeit lässt sich an ihnen gut die Entwicklung verschiedener Lebensformen beobachten. Bevor der Aggregatzustand erreicht ist, in dem Suppe und Creme wieder laufen lernen, greift der Putzdienst ein. Alle paar Wochen wird aufgeräumt und ausgeräumt und ausgewischt. Lebensmittel, die erkennbar verdorben oder schon vor langer Zeit abgelaufen sind, wandern in den Müll.

Alles andere wird wieder in den nunmehr strahlend sauberen Kühlschrank geräumt.

Auch das Ei. Ein grüngefärbtes, handelsübliches Hühnerei. Zu Ostern findet man so etwas in Nestern. Zu anderen Zeiten im Jahr als "Brotzeit-Ei" auf Ladentheken.

Nun wäre mir jenes Ei gar nicht aufgefallen, wenn es jemand in das dafür vorgesehene Fach in der Kühlschranktür geräumt hätte. Aber so liegt es nun, mittig platziert, in einem ansonsten fast leeren Fach.

Grün marmoriert spiegelt es sich in der Glasplatte. Und ich frage mich: Was hat das zu bedeuten?

Drei Kollegen haben ich schon gefragt. Niemand konnte mir eine Antwort geben. Ich werde die Sache im Auge behalten. Vielleicht erschließt sich mir das Rätsel des Eies doch noch. Bevor wieder der Putzdienst anrückt.Katrin Geyer