Das Denkmal für die Geschwister Aichinger vom Aichstamm steht im alten Friedhof rechts unterhalb der Jahnschen Gruft. Auf dem Stein ist das Wappen der vor mehr als hundert Jahren ausgestorbenen Adelsfamilie sehr gut erhalten. Es zeigt einen Baumstumpf auf einem grünen Hügel, aus dem sich zwei ineinander geschlungene Äste mit Eichenblättern und Eicheln emporranken. Sie heben sich von der goldenen und der schwarzen Hälfte des in der Mitte gespaltenen und rot umrandeten Schildes gut ab.

Seine Inschrift lautet: "Denkmal den edlen Geschwistern Aichinger von Aichstamm Johanna, Augusta, Friedrich und Elenora der frommen Stifterin, gestorben den 08. Sept. 1850 aus Dankbarkeit errichtet von der Stadtgemeinde Kulmbach."

Mit dem Denkmal wollte die Stadt wohl weitere Bürger zu Spenden animieren, hatte doch Freifräulein Eleonore Aichinger vom Aichstamm dem Armenfonds der Stadt Kulmbach zur Unterstützung würdiger Armer ein beträchtliches Vermögen vermacht.

Spendable Majorin

Eine weitere Wohltäterin aus dieser Adelsfamilie war die Majorin Dorothea Eleonara Katharina von Kanne, geborene Aichinger von Aichstamm. Die Heckelsche Chronik schreibt darüber: "1775 den 15. August stiftet die Witwe des kaiserlich russischen Oberstwachtmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Kanne namens Eleonora Katharina eine geb. Aichinger von Aichstamm, 3600 Gulden, von denen sie die Interessen aus 1000 fl zu einem Stipendium für arme Schüler, die geistlich oder weltlich studieren wollen, die Interessen aus weiteren 1000 fl. für arme Burschen zur Erlernung nützlicher Handwerke und die Interessen aus dem Überreste zur Unterstützung der Armen der Stadt bestimmte."

Dass der oben erwähnte deutsche Offizier in polnische und russische Dienste trat, kann damit zusammenhängen, dass König Friedrich August II. von Sachsen als August III. auch König in Polen war. 1772 wurde das Land zwischen Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt.

Ein Vorfahre der Aichinger, Wolf, war kaiserlicher Rat und erhielt 1637 das Adelsdiplom mit dem Prädikat "von Aichstamm". Viele Aichinger waren Offiziere. Der oben genannte Christoph Friedrich (1689 - 1741) war Hauptmann in Kulmbach. Sein Vater besaß um 1700 die Behausung im Grünwehr, das sogenannte Schlösslein.

1690 erwarb Wolf Jakob Aichinger das Rittergut Seibelsdorf. Er starb 1705 und wurde in der Kirche von Seibelsdorf beigesetzt. Ein Blitzschlag beschädigte 1707 Kirchturm und Kanzel, 1781 brannte das Schloss nieder. Heinrich Philipp Aich von Aichinger verkaufte das abgebrannte Schloss in Seibelsdorf samt Feldern 1798.

Die Besitzer des Rittergütleins im Grünwehr bekannten sich zur vogtländischen oder landsässigen Ritterschaft, waren also der landesfürstlichen Hoheit des Markgrafen unterstellt. Dagegen war das Rittergut in Seibelsdorf, das 1691 Bamberger Mannlehen gewesen war, bis 1797 reichsritterschaftlich, wurde dann aber die Brandenburger Hoheit anerkennen.

An Magenverhärtung gestorben

Am 23. März 1833 starb Wilhelm Christoph Aichinger von Aichstamm an Magenverhärtung in Kulmbach im Alter von 56 Jahren und wurde hier begraben. Das Rittergut Seibelsdorf fiel nun als erledigtes Lehen an den König von Bayern. Seine Hintersassen wurden dem Landgericht Stadtsteinach unterstellt, der dem Adeligen noch verbliebene Wald ging an das Forstamt Seibelsdorf.

Heute scheint diese Adelsfamilie in unserer Gegend ausgestorben zu sein, doch ist es leicht möglich, dass die auch in unserer Stadt lebenden bürgerlichen Familien der Aichinger oder Eichinger und die Eichner auf dieses einst angesehene Adelsgeschlecht zurückgeführt werden können.

Die von der Familie Aichinger vom Aichstamm begründeten frommen Stiftungen sind durch die zweimalige Inflation wertlos geworden. An dieses wohltätige Geschlecht erinnern der in Seibelsdorf gelegene Gutshof Böhm und das frühere Schlossgut an der Hauptstraße sowie das Denkmal im alten Friedhof.