Nachmittags in der Schule sitzen, während die anderen Kinder nach Hause gehen dürfen - für die Schüler der Ganztagsklassen ist das ganz normal. Und es gefällt ihnen sogar! "Wir haben viele Vorteile", sagt Franziska Schmidt, Schülerin der Klasse 6a am Caspar-Vischer-Gymnasium. Viel Zeit mit ihren Freundinnen verbringen zu können, gehört dazu, aber auch, "dass die Lehrer Zeit für uns haben und dass uns jemand hilft, wenn wir mit den Hausaufgaben Probleme haben".

Die Schule bietet seit dem Schuljahr 2011/12 sowohl die offene als auch die gebundene Form der Ganztagsklassen an, ebenso wie das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium. In der offenen Form für die Jahrgangsstufen fünf bis zehn geht es vor allem um eine Nachmittagsbetreuung an mindestens zwei Nachmittagen.
In Zusammenarbeit mit der Geschwister-Gummi-Stiftung wird da Sportliches, Spielerisches und Entspannendes angeboten.

Hilfe bei den Hausaufgaben

In der gebundenen Ganztagsklasse bleiben die Schüler von Montag bis Donnerstag jeweils bis 16.20 Uhr in der Schule, und es gibt einen festen Stundenplan, der auch Nachmittagsunterricht vorsieht. Bei einem Besuch in den Klassen 5a und 6a hat man nicht den Eindruck, dass die Kinder darunter leiden - ganz im Gegenteil. "Es ist ja nicht so, dass wir hier den ganzen Tag lernen müssen. Wir haben auch Pausen, machen Quatsch", erzählt Katharina Naser aus der 6a. Toll findet sie, dass sie mit Problemen bei den Hausaufgaben nie allein ist. "Unsere Betreuerin Birgit Schneider erklärt Sachen nochmal, die wir nicht verstanden haben."

Schulleiter Klaus Gagel ist überzeugt von den Vorteilen des Konzepts der gebundenen Ganztagsklasse: "Das hat sich bewährt." Gleichzeitig ist er ein großer Befürworter der Wahlfreiheit zwischen den verschiedenen Betreuungsangeboten. "Jede Familie ist anders und hat unterschiedliche Möglichkeiten und Bedürfnisse. Was im Einzelfall ideal ist, wissen Eltern und Schüler selbst am besten."

Das Kultusministerium setze stark auf die gebundene Ganztagsklasse, und steigende Anmeldezahlen zeigen, dass der Bedarf dafür vorhanden ist. Deshalb wird am CVG das Angebot nächstes Jahr auf die siebte Jahrgangsstufe ausgeweitet, und auch die folgende achte Klasse ist bereits genehmigt.

Ein Klassenzimmer reicht nicht

So erfreulich diese Entwicklung ist: Sie stellt den Schulleiter vor Probleme: "Ein einziges Klassenzimmer reicht für eine Ganztagsklasse nicht aus", sagt er. "Es geht ja nicht nur um den Unterricht, sondern auch um den Freizeitbereich und die Erholung. Dafür braucht man einen zweiten Raum." Den hat der Schulleiter nicht für jede Klasse.

"Wir sehen im Bereich unserer offenen Ganztagsschule, wie gut es sein kann, denn da sind wir optimal aufgestellt. Aber in der gebundenen Form fehlen uns Räume." Um hier etwas zu ändern, müsste das bestehende Raumprogramm geändert werden. Gagel: "Da sind wir dann schnell wieder beim Thema Geld. Eine Änderung für alle Schulen in Bayern wird teuer."

Staatsregierung in der Pflicht

Grundsätzlich dürfe man nicht alles dem Sachaufwandsträger aufbürden: "Wir können uns da nicht beklagen. Der Landkreis tut sehr viel." In der Pflicht sieht der Schulleiter die Staatsregierung: "Wer dieses Konzept will, muss die Mittel für eine gute Umsetzung locker machen."

Ganz oben auf der Wunschliste von Claudia Littkemann, Klassenleiterin der 6a, steht ein Tobe-Raum. "Im Sommer ist es nicht so problematisch. Da kann man draußen etwas anbieten, aber im Winter ist es schon eng. Wer den ganzen Tag in der Schule ist, braucht auch mal einen Bereich, um sich zurückzuziehen, etwas zu lesen oder zu spielen, ohne die anderen zu stören." Die 30-Jährige unterrichtet gern in der Ganztagsklasse: "Ich habe mehr Zeit für die Schüler, eine Stunde mehr in den Hauptfächern, und sehe, ob sie den Stoff verstanden haben." Die Ganztagsklasse ermögliche außerdem einen sozialen Ausgleich, der in den anderen Klassen oft zu kurz komme.
Kommen Schulfreunde aus unterschiedlichen Landkreisgemeinden, so bietet ihnen die Ganztagsklasse zusätzliche Vorteile, finden Lea-Sophie Schütz aus Grafengehaig, Celina Pachelbel aus Lanzendorf, Katharina Naser aus Leuchau und Franziska Schmidt aus Kulmbach: "Wir müssen nicht fahren, um uns treffen, und können zusammen lernen", sagt Franziska. Alle vier Freundinnen bleiben deshalb auch nächstes Jahr gerne in der Ganztagsklasse.

Von derzeit 41 auf 70 wächst die Zahl der Schüler in der gebundenen Ganztagsklasse im September, verteilt auf drei Jahrgangsstufen. Insgesamt besuchen 1000 Schüler das CVG. Neben mehr Räumen wünscht sich Schulleiter Klaus Gagel auch mehr Lehrerstunden - für kleinere Klassen. "Acht zusätzliche Stunden wären da eine echte Hilfe, auch für die individuelle Förderung."