Rothwind, Mainleus, Untersteinach und Stadtsteinach, Kauerndorf oder der Anschluss an die A 70. Im Landkreis gibt es einige Bereiche, bei denen die Diskussion über einen Aus- oder Neubau der Fernstraßen schon seit Jahren zur politischen Tagesordnung gehört. Genährt durch immer neue Rekordzahlen an Fahrzeugen, die sich durch die jeweiligen Nadelöhre schlängelten.

Nun jedoch veröffentlichte die Bundesanstalt für das Straßenwesen neue Zahlen, die einen gegenteiligen Trend aufzeigen. Fast in jedem der 25 Messbereiche der Bundesstraßen im Landkreis ist die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke rückläufig.


Manuelle Zählung alle fünf Jahre

Die Werte sind das Ergebnis einer manuellen Verkehrszählung, die 2015 auf allen Bundesstraßen und Autobahnen Deutschlands durchgeführt und jetzt statistisch ausgewertet wurde. Laut der in Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) beheimateten Bundesanstalt sind die Zahlen eine "wesentliche Grundlage der Straßenplanung und der Planung verkehrsbeeinflussender Einrichtungen".

Dafür wird der Fernverkehr alle fünf Jahre stichprobenartig an ausgewählten Tagen gezählt. Die Straßen werden dazu in Abschnitte mit möglichst gleichbleibender Verkehrsstärke unterteilt. Im Kreis gibt es 25 davon.

Die Zählungen finden an zwei um einige Monate versetzten Wochen im Jahr außerhalb der Ferien statt. Für Messungen ausgeschlossen ist der Zeitraum vor der achten Kalenderwoche (wegen unsicherer Witterung, Winterferien, Karneval) und ab der 47./48. Kalenderwoche (Wintereinbruch).


Weniger Lkw in Stadtsteinach?

Neben dem Verkehrsaufkommen insgesamt misst die Bundesanstalt auch den prozentualen Anteil des Schwerverkehrs (Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht).

Für die B 303 fällt dabei auf: Im Messabschnitt zwischen der Einmündung der Staatsstraße 2195 bei Höfles und dem Ortsanfang Stadtsteinach ist der Anteil des Schwerverkehrs von 11,1 Prozent 2010 auf 6,4 Prozent 2015 deutlich gefallen. Zwar ist in diesem Abschnitt auch die Anzahl der Fahrzeuge insgesamt zurückgegangen, allerdings deutlich geringer. Ergo: Glaubt man der Statistik, fahren weniger Lkw durch Stadtsteinach als fünf Jahre zuvor.

Eine Schlussfolgerung, die Stadtsteinachs Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) jedoch skeptisch sieht. "Ich empfinde das so nicht und kann es auch nicht glauben. Wir benötigen eine Umgehung, die Straßen sind immer noch verstopft."

Das Stadtoberhaupt gibt zu bedenken, dass es wichtig sei, wo Werte genau ermittelt würden. "Wurde vor oder nach der Abbiegung in die Badstraße gezählt? Dort fahren 40 Prozent der Lkw ins Industriegebiet", argumentiert Wolfrum. Das jedoch geht aus der Statistik der Bundesanstalt nicht hervor. Für die Frage, ob Stadtsteinach eine Umgehung brauche, seien die Zahlen, so der Bürgermeister, aber sowieso irrelevant. Denn die beiden Knackpunkte des städtischen Verkehrs müssten auch bei leicht geringeren Verkehrszahlen unbedingt behoben werden. "In der Stadtmitte begegnet sich der Schwerverkehr auf viel zu engem Raum, und das Industriegebiet ist nur über kleine Nebenstraßen an die Bundesstraße angeschlossen."


Verkehr zweischneidig zu sehen

Ebenfalls überrascht von den Zahlen zeigt sich der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch (CSU). "Das ist für mich eine neue Entwicklung. " Mittelfristig rechne er weiter mit einer Steigerung des Personen- und Schwerlastverkehrs. "Deshalb bin ich froh, dass wir für Mainleus und Schwarzach eine Umgehung haben." Bezüglich einer etwaigen Umgehung für Rothwind und Fassoldshof, wo es 2018 ins Planfeststellungsverfahren geht, gelte es nun, die nächsten Prognosen genau zu analysieren.

Den Rückgang der Verkehrszahlen laut aktueller Statistik bewertet Bosch zweischneidig. "Viel Verkehr ist wegen Emissionen und Unfallgefahr immer schlecht. Es würde mich aber auch beunruhigen, wenn keiner mehr nach Mainleus fahren würde." Das, so Bosch, wäre kein gutes Zeichen für die Geschäfte.