Das Amtsgericht hat ein Verfahren gegen zwei Männer eingestellt, die sich ursprünglich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten mussten. Den beiden jeweils 32 Jahre alten Angeklagten, ein Lackierer aus dem Landkreis Bayreuth und ein Lagerarbeiter, der mittlerweile in Berlin lebt, wurde vorgeworfen, vor ziemlich genau einem Jahr eine Schlägerei in der Oberen Stadt angezettelt zu haben.

Weil sich die Zeugenaussagen eklatant widersprachen und die beiden Opfer ganz offensichtlich kein Interesse mehr an einer Strafverfolgung hatten, entschied Richterin Sieglinde Tettmann auf die Einstellung des Verfahrens. Die beiden Männer müssen allerdings eine relativ hohe Geldauflage von jeweils 1000 Euro berappen.

Zeugenaussagen widersprechen sich: Opfer kein Interesse an Strafverfolgung

Den Angeklagten wurde ursprünglich vorgeworfen, am 9. Oktober 2020 kurz vor Mitternacht in der Gaststätte "Pina" grundlos einen Streit mit zwei Brüdern angezettelt zu haben. Die Auseinandersetzung fand erst drinnen, dann draußen statt, erst flogen nur Worte, schon bald Fäuste. Einen der Brüder soll einer der Angeklagten brutal niedergeschlagen haben, so dass der Mann zu Boden ging. Danach soll ihn der andere Angeklagte mehrfach getreten haben, so dass er eine blutende Kopfverletzung davontrug.

Nun müsste man meinen, dass die beiden Geschädigten ein Interesse an einer Verurteilung der beiden Schläger haben. Doch Fehlanzeige. Einer der beiden erschien trotz Ladung erst gar nicht vor Gericht und ließ seine Mutter ausrichten, dass er mittlerweile in Österreich wohnt. Der andere wurde aus dem Gefängnis vorgeführt und gab an, sich an nichts mehr erinnern zu können. "Ich war sturzbetrunken, ich weiß nicht einmal mehr, mit wem ich an diesem Abend unterwegs war", sagte der 22-Jährige, der wegen einer anderen Sache in Untersuchungshaft sitzt. Auch die beiden Angeklagten will er angeblich noch nie gesehen haben.

"Er war überhaupt nicht betrunken", widersprach eine 19-jährige Bekannte, die mit den beiden Brüdern an jenem Abend unterwegs war. "Für mich war er ganz normal", so die junge Frau, die sich noch genau daran erinnern konnte, dass einer beiden Angeklagten sehr aggressiv gewesen sei, als er auf ihren Bekannten losging. Am Ende habe einer der Brüder heftig an der Lippe geblutet, der andere aus der Nase.

"Er war überhaupt nicht betrunken": Zeugin widerspricht Opfer

Ein Anwohner hatte die Szene sogar vom Wohnzimmer aus mit dem Handy gefilmt. Obwohl er auf die andere Seite hinaus schläft, war der 41-Jährige vom Lärm auf der Straße wach geworden. So richtig trug das Handy-Video allerdings auch nicht zur Aufklärung des Sachverhaltes bei, auch wenn der Mann im Gerichtssaal zumindest einen der Angeklagten eindeutig als den Schläger identifizierte.

"In diesem Verfahren ist der Wurm drin", sagte Richterin Sieglinde Tettmann, nachdem auch andere Augenzeugen trotz Ladung nicht vor Gericht erschienen waren. Im Einvernehmen mit dem Vertreter der Staatsanwalt entschied sie sich schließlich für die Abkürzung des Verfahrens, um aufwendige Nachermittlungen zu vermeiden, zumal die beiden angeblichen Opfer so überhaupt kein Interesse an mehr an der Sache zeigten. Die Geldauflage von jeweils 1000 Euro geht an die Hilfsorganisationen "Ärzte ohne Grenzen", beziehungsweise an "German Doctors".