Landwirt Klaus Hanisch (52) aus Kauerndorf hat seinen Betrieb im Jahr 2018 umgestellt. Vieh hat er keines mehr. Er betreibt nur noch Ackerbau, baut Weizen, Dinkel, Hafer und Gerste an. Um Unkraut zu bekämpfen, striegelt er seine Felder, zum Düngen nutzt er Kompost aus gehäckseltem Grüngut. Während der Umstellungszeit konnte er sein Getreide nur als konventionelles Viehfutter verkaufen. Ob er es dieses Jahr für einen besseren Preis zum Backen oder Brauen los werden kann, wird sich erst nach der Ernte entscheiden.

Die Europäische Kommission hat zum Ziel gesetzt, bis 2030 ein Viertel der EU-Fläche ökologisch zu bewirtschaften. Wie das gelingen kann, beleuchten wir in einer losen Serie - diesmal mit Blick auf die Braugerste. "Im Biolandbau macht die Qualitätssteuerung die Natur, nicht der Mensch", sagt Hanisch. Damit meint er nicht nur den Proteingehalt des Getreides, sondern auch die Korngröße oder die Menge an Verunreinigungen, etwa durch anderes Getreide oder Unkräuter. Aus Braugerste wird Malz hergestellt zum Bierbrauen oder als Zutat für Backwaren. Das Getreide soll möglichst wenig Eiweiß enthalten, sonst ist die Ausbeute beim Malzprozess zu niedrig.

Weniger Stickstoff

"Bei mehr als 11,5 Prozent gibt es Preisabzüge. Bei mehr als 12 Prozent kann sie nur noch als Futtergerste gehandelt werden", erklärt der Vorsitzende des Oberfränkischen Braugerstenvereins, Hans Petzold (49) aus Steinbach bei Marktleugast. Zwar brauche Braugerste weniger Stickstoff als andere Getreidesorten, doch zum Anwachsen sei der eiweißbildende Nährstoff trotzdem notwendig. Um den Eiweißgehalt der Körner zu steuern, nutzt der konventionelle Landwirt Mineraldünger, ein industriell hergestelltes Granulat, das wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, enthält.

Vorteil des Mineraldüngers sei, dass dieser auch bei niedrigen Temperaturen und geringen Niederschlägen von den Pflanzen aufgenommen werden könne, erklärt Klaus Schiffer-Weigand, Landwirtschaftsdirektor am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kulmbach: "Damit kann eine Pflanze gezielt mit Nährstoffen versorgt werden." Doch der industriell erzeugte Dünger habe auch einen Nachteil: "Gerade bei Stickstoffdüngern wird sehr viel Energie zur Herstellung benötigt." Laut europäischer Öko-Verordnung ist künstlich erzeugter Dünger in der Bio-Landwirtschaft verboten. Schiffer-Weigand zufolge wird damit versucht, "eine schnelle Versorgung der Pflanze mit Nährstoffen zu verhindern, was eine Pflanze anfälliger für Krankheiten macht."

Da es in der konventionellen Landwirtschaft durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weniger Verunreinigungen gibt, kann Hans Petzold seine Braugerste so lange zu Hause in der Scheune lagern, bis die Mälzerei sie braucht. Bio-Landwirt Hanisch muss sein Getreide sofort nach der Ernte in den Handel bringen, denn die Verunreinigungen müssen so schnell wie möglich entfernt werden. "Um das Getreide selbst zu reinigen, habe ich zu Hause nicht genug Platz und die Investitionskosten wären zu hoch."

Kurze Transportwege

Kurze Transportwege sind von Vorteil. Deshalb freut sich Hanisch, dass die Kulmbacher Ireks seit diesem Jahr ebenfalls Bio-Braugerste annimmt. Geschäftsführer Stephan Bergler teilt mit: "Wir sehen einen deutlichen Trend hin zu mehr Bio. Unser Ziel ist es daher, möglichst viel regional erzeugte Bio-Braugerste zu verarbeiten." Sie werde im Kulmbacher Lagerhaus eingelagert, gereinigt und aufbereitet und schließlich in den eigenen Mälzereien zu Bio-Braumalz verarbeitet. Dieses werde deutschlandweit abgesetzt, so Bergler. Die Kulmbacher Brauerei hat derzeit keine Pläne, ein Bio-Bier auf den Markt zu bringen - die Nachfrage sei zu niedrig.

Die Malzfabrik Michael Weyermann GmbH & Co. KG, ein Familienunternehmen mit Sitz in Bamberg, verarbeitet bereits seit dem Jahr 2000 Bioland-Braugerste. Die Bio-Malze gehen an mehr als 245 Empfänger weltweit. Geschäftsführerin Sabine Weyermann sieht wenig Unterschiede. Konventionell und biologisch angebaute Braurohstoffe eines Jahrgangs hätten in der Regel eine ähnliche Qualität, sagt sie.