Mein Smartphone ist schon ein Scherzkeks. In schöner Regelmäßigkeit fragt es mich: "Christine, willst du sehen, was du heute vor einem Jahr gemacht hast?" Na klar! Mein Gedächtnis - ist das in diesem Fall eigentlich das Kurzzeit- oder Langzeit-Gedächtnis ? - funktioniert eh nicht mehr so reibungslos (vor 9 Uhr morgens eigentlich gar nicht), also habe ich keine Ahnung, was ich da getrieben haben könnte. Nix wie her mit den Bildern!

Was die schlaue Foto-App mit dem Elefanten-Gedächtnis da neuerdings alles ausspuckt, kommt jetzt nicht wirklich überraschend. Stolze Selfies mit den ersten, von Oma genähten Masken; der ganz passable Fotobeweis für die ersten Frisierversuche an den männlichen Haushaltsmitgliedern; Erinnerungen an kulinarische Höchstleistungen, zu denen man sich aus plötzlichem Zeitüberschuss aufgeschwungen hat (unter anderem: selbst gemachte Tagliatelle, die am Wäscheständer in der Küche trocknen); Screenshots von den ersten Whats-App-Mädels­abenden (gut, es wurden insgesamt nur zwei, weil wir schnell gemerkt haben, dass es einfach nicht dasselbe ist). Ach, was waren wir doch zu Beginn dieser Pandemie noch optimistisch und voller Tatendrang!

Etwas frustrierend war die Foto-Wiedervorlage in der vergangenen Woche, als im schlimmsten April-Schneegestöber und bei 0 Grad Außentemperatur die sonnigen Schnappschüsse der letztjährigen Wander- und Radtouren in heimischen Gefilden in T-Shirt und kurzen Hosen aufgeploppt sind. Und besonders fies wird es, wenn der besserwisserische Bilderspeicher ganz scheinheilig fragt: "Christine, willst du sehen, was du heute vor zwei Jahren gemacht hast?". Da muss man dann schon ganz stark sein bei der Erinnerung an diesen Wochenend-Trip in die Berge mit schönem Hotel, Skifahren und abendlichem Gin-Tasting mit ganz vielen (fremden) Menschen, so ganz ohne Abstand...

Liebes Handy, viel brennender würde mich jetzt die Antwort auf die Frage interessieren: "Christine, willst du wissen, was du in einem Jahr (wieder) machst?"