Vom Familienbetrieb in Leesau aus hat es Landwirt Markus Unger nicht weit zu den ersten Feldern. Zu Fuß geht man vorbei am Kuhstall und den Futtersilos und gelangt dann auf einen mit Mohnblumen und Sträuchern gesäumten Feldweg. Von dort aus genügt schon ein kurzer Blick in die Ferne, um zu verstehen, was mit einer "kleinstrukturierten Kulturlandschaft" gemeint ist.

Wie ein bunter Fleckenteppich

Wie ein bunter Fleckenteppich wechseln sich Raps- und Getreidefelder ab mit Wiesen und Wäldern, Hecken und Säumen. "Braugerste wächst bei uns auf dem Jura besonders gut", erklärt Markus Unger. Das liege an den flachgründigen, kalkreichen Böden, die dafür sorgen, dass die Gerstenkörner wenig Eiweiß einlagern. Eiweiß ist beim Bierbrauen nicht erwünscht, da es ausflocken kann.

Die Braugerste verkauft der junge Landwirt an die Bamberger Malzfabrik Michael Weyermann, die am Standort Leesau ein Getreidelager besitzt. Dort wird das Erntegut verschiedener Landwirte aus der Region gesammelt und in die Mälzerei transportiert.

Boden schonen und erhalten

"Wir bauen die Braugerste nicht nur deshalb an, weil die Marktchance gut ist, sondern, weil sie gut in die Fruchtfolge aus Mais, Kleegras, Raps und Weizen passt", erklärt Markus Unger. Fruchtfolge bedeutet, dass auf derselben Fläche nicht immer die gleiche Nutzpflanze angebaut wird, sondern immer wieder verschiedene.

Dieser Fruchtwechsel ist ein wichtiger Teil der modernen Landwirtschaft und dient dazu, den Boden zu schonen und seine Fruchtbarkeit zu erhalten. Das Konzept ist Standard, sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Landbau. Allerdings fördert der Freistaat Bayern über das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) sogenannte vielfältige Fruchtfolgen mit mindestens fünf verschiedenen Hauptfruchtarten, blühenden Kulturen und Feldfrüchten, die besonders gut Stickstoff fixieren können, wie Erbsen, Lupinen, Linsen oder Kleegräser. "Vielfältige Fruchtfolgen" dienen nicht nur dem Boden, sondern auch der Artenvielfalt in der Feldflur.

Auch der Wechsel von Herbstsaat, Winterung genannt, und Frühlingssaat, Sommerung genannt, hilft, Unkräuter schonend unter Kontrolle zu bringen und die Ernteerträge zu steigern. Das wohl bekannteste Beispiel in der Region für Sommerung und Winterung ist die Gerste. Sommergerste, in der Regel Braugerste, wird im März gesät und Ende Juli oder Anfang August geerntet. Sie wächst nur vier Monate lang.

Kuhernährung als Wissenschaft

Die Wintergerste wird bereits im September des Vorjahres gesät und braucht den Frostreiz, um nach dem Winter in die Länge wachsen zu können. Sie wird ebenfalls erst im Juli geerntet und hat somit länger Zeit zum Wachsen. Die Wintergerste enthält viel mehr Eiweiß als die Sommergerste. Daher wird sie häufig zu Schrot gemahlen und an das Vieh verfüttert. Kühe richtig zu füttern ist eine Wissenschaft für sich. "Man ernährt nicht die Kuh, sondern die Bakterien im Pansen", erklärt der Landwirt. Diese Bakterien seien es nämlich, die die unverdauliche Zellulose aufschließen und es der Kuh ermöglichen, hochwertiges Milcheiweiß herzustellen. "Mit der Ernährung meiner Kühe kenne ich mich besser aus, als mit meiner eigenen", scherzt Unger.

Mittels Computerprogramm berechnet der Landwirt die Futterzusammensetzung für alle seine Kühe. 30 Parameter muss er dabei berücksichtigen, von der Rohfaser, über Protein- und Energiewerte bis hin zu Spurenelementen wie Kalzium und Phosphor. Unger hat seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen und ist jetzt Landwirtschaftsmeister. "Jede Kuh hat einen gewissen Eigenbedarf. Sie braucht ein Grundfutter mit viel Eiweiß und etwas Schrot für die Energieversorgung."

Hoher Eiweißgehalt

Trächtige Kühe, die gerade keine Milch geben, bräuchten Raufutter wie Grassilage, Heu und Stroh. Habe die Kuh gerade erst begonnen, Milch zu geben, bekomme sie Grassilage aus der ersten Mahd, da das Gras im Frühjahr besonders energiereich sei. Kühe nach der Kalbung erhielten Leistungsfutter. Dazu gehörten Gerstenschrot, Rapsschrot und Körnermais zusätzlich zum Grundfutter. Und auch die Braugerste findet Unger zufolge früher oder später ihren Weg in die Kuhernährung, nämlich als Biertreber. So bezeichnet man die unlöslichen Bestandteile, die beim Brauen vom Malz übrig bleiben.

Durch den hohen Eiweißgehalt und viele Vitamine eignet sich der Treber hervorragend als Leistungsfutter. Daher kauft ihn Unger von der Brauerei zu und verfüttert ihn als besonderen Leckerbissen an seine Milchkühe. Alkohol enthält der Biertreber natürlich keinen.

Gerste für die ganze Welt

Die Milch verkauft der Familienbetrieb Unger an den Bayreuther Milchhof der Bayernland eG. Die Milchprodukte von der Butter bis zum Schnittkäse sind teils am "Bayernland"- Logo zu erkennen oder am Kennzeichen DE BY 402 EG.

Im August nimmt der landwirtschaftliche Verkehr auf den Straßen rund um Leesau zu, da die Bauern aus der Region ihre Braugerste zum Lager der Malzfabrik Weyermann bringen. Autofahrer müssen sich dann gelegentlich in Geduld üben. In ihrer Getreideerfassung im Thurnauer Ortsteil nimmt die Bamberger Malzfabrik Weyermann während der Erntezeit 45 000 Tonnen Getreide auf. Daraus produzieren sie Malz für etwa 50 000 Biere weltweit.