Wenn Bertram Zöhl schöpferisch zugange ist, tut er dies normalerweise in seinem Atelier in Oberbayern - in völliger Abgeschiedenheit, nur für sich allein. Niemand schaut ihm über die Schultern, niemand stellt Fragen oder erkundigt sich nach seinen Techniken. "Es ist für mich völliges Neuland, zusammen mit anderen Leuten zu malen", sagt der 69-Jährige, der mit zehn anderen Künstlern am Symposium des Bundes Fränkischer Künstler auf der Plassenburg teilnimmt.

Zöhl kommt aus München-Sendling. Er ist studierter Grafikdesigner, hat Studienaufenthalte in der Türkei, in Jordanien und Griechenland vorzuweisen. In seiner Heimatstadt ist er vor allem für seine Bühnenbilder bekannt. Er ist zum ersten Mal nach Kulmbach gereist - aus Freundschaft zur bisherigen Organisatorin des Symposiums, Angelika Kandler-Seegy. "Möglicherweise nicht zum letzten Mal", konstatiert der Münchner und lässt keinen Zweifel daran, dass ihm die Atmosphäre gefällt. Kunst in den trutzigen Mauern der Plassenburg zu schaffen, das habe etwas.

"Einer tanzt aus der Reihe"

Zöhl mischt verschiedenste Techniken: Acrylmalerei mit Airbrush, Abstraktes mit Witzigem. Und in seinen Bildern sind stets kleine Besonderheiten zu entdecken. "Einer tanzt immer aus der Reihe", sagt er über sein Auffälliges rotes Kunstwerk, auf dem unzählige grüne Punkte zu sehen sind. Tatsächlich: Ein Punkt ist gelb-orangefarben.

Eine Station weiter arbeitet ebenfalls ein neues Gesicht beim Bund Fränkischer Künstler: Ferdinand Oppl aus Nürnberg. Er stammt aus Westböhmen und ist Autodidakt. "Mich hat das Mystische inspiriert, das sieht man in meinem großformatigen Werk", sagt er und hängt es zur Probe an die Wand.

Auch Hannelore Koch-Kahler ist zum ersten Mal in der Künstlergesellschaft mit von der Partie. Sie stammt aus Stadtsteinach und ist inzwischen in Neudrossenfeld zu Hause. Beim Symposium wagt sie Experimente. Sie malt Landschaften, schafft grafische Bilder oder kreiert Abstraktes, je nach Lust und Laune.

Kotyba übernimmt das Zepter

Die bisherige Organisatorin Angelika Kandler-Seegy hat das Führungszepter an die Kulmbacher Galeristin Marion Kotyba abgegeben. "Ich bin dieses Mal nur noch Künstlerin", sagt Kandler-Seegy und konzentriert sich auf ihre abstrakten, fast grafisch anmutenden Werke.

Marion Kotyba wollte eigentlich gemeinsam mit Hans-Dieter Jandt das Zepter übernehmen, doch der setzt in diesem Jahr aus. Er hat sich in Zeiten von Corona selbst eine Isolation auferlegt. Kotyba wäre nicht sie selbst, wenn sie sich dadurch unterkriegen lassen würde. "Kulturell herrschte lange Zeit Stillstand, daher ist es jetzt um so wichtiger den Menschen Perspektiven und Möglichkeiten zu bieten, um sich abzulenken und an den schönen Dingen des Lebens zu erfreuen", sagt sie.

"Ich roste in diesem Jahr"

Diese optimistische Haltung spiegelt sich in ihren aktuellen Werken wider: "Ich roste in diesem Jahr", scherzt Kotyba. Im Klartext bedeutet dies: Sie behandelt die Leinwände mit Metallgrundierung und Eisenspänen und oxidiert diese.

Auch Klaus Klein wagt den Aufbruch. In den letzten Jahren hat der Oberfranke, der schon seit vielen Jahren in Rümmelsheim lebt, beeindruckende Bilder ausgestellt. "In diesem Jahr will ich den räumlichen Kontrast zur Fläche setzen", sagt er. Klein nimmt Rebstöcke und kreiert aus diesen mit Modelliermasse zauberhaft tanzende Damen. "Am Prototyp habe ich fast ein halbes Jahr gearbeitet. Eigentlich stecken die Figuren schon in den Rebstöcken drin - man muss sie nur rausholen. Die Natur hilft mir", so der Künstler.

Beim Symposium ist Doris Bocka zum zweiten Mal mit von der Partie, auch Brigitte Böhler, Christel Gollner, Helga Hopfe und Angelika Neumann dürfen nicht fehlen. Großes Pech hatte Jolanta Grofik aus Coburg. Sie zog sich während der Arbeitsphase schwere Verletzungen bei einem Sturz zu. Ihre Bilder sind trotzdem zu sehen.

Die VernissageAm morgigen Samstag um 11 Uhr wird die Ausstellung des Bundes Fränkischer Künstler in der Großen Hofstube der Plassenburg eröffnet. Die Werke können anschließend bis zum 31. Oktober angeschaut werden.

Die Künstler Sie präsentieren ihre Werke: Doris Bocka (Bindlach), Birgit Böhler (Mistelbach), Christel Gollner (Bayreuth), Jolanta Grofik (Coburg), Helga Hopfe (Mainleus), Klaus Klein (Rümmelsheim), Hannelore Koch-Kahler (Neudrossenfeld), Marion Kotyba (Kulmbach), Angelika Neumann, Ferdinand Oppl, Angelika Kandler-Seegy (alle Nürnberg) und Bertram Zöhl (München)