Ohne das Internet geht es auch im Handel nicht. Das hat die Baur-Gruppe schon seit Jahren verstanden. Aber es geht eben immer noch mehr in der sich ständig verändernden und wachsenden Online-Welt.
Deshalb stand die Position und Entwicklung in diesem Bereich auch im Zentrum des zehnten Baur-Neujahrsempfang am Donnerstagabend im Kaisersaal auf Kloster Banz.

Für entspannte Stimmung im Kaisersaal auf Kloster Banz sorgte nicht nur die A-cappella-Gruppe "Six Pack", sondern in erster Linie die guten Wirtschaftszahlen. Wenige Wochen vor Ende des laufendes Geschäftsjahres erwarte Baur einen leichten Umsatzzuwachs auf rund 670 Millionen Euro. Obwohl der Herbst für das gesamte Modegeschäft "rabenschwarz" gewesen sei, sagte Albert Klein, Sprecher der Baur-Geschäftsführung.

Vom Katalog ins Internet

Im 90. Jahr der Firmengeschichte mache man bereits 80 Prozent der Umsätze im Internet und baur.de zähle zu den zehn größten Online-Shops in Deutschland, sagte Albert Klein. Aber im Vergleich zum Platzhirsch Amazon (Laut EHI und Statista Umsatz 2013: rund 5,8 Milliarden Euro) ist Baur weit abgeschlagen.

In allen Statistiken rangiert der US-Handelsriese beim Umsatz auf dem deutschen Markt uneinholbar auf Platz 1. Laut Berechnungen des Fachmagazins "Buchreport" macht dieser Umsatz fast ein Viertel (23,58 Prozent) des gesamten deutschen Online-Handelsumsatzes aus. Auf Platz 2 folgt Otto (Umsatz 2013: rund 1,9 Milliarden Euro) Die Otto-Gruppe, zu der Baur seit 1997 gehört, habe einen Umsatz von rund zwölf Milliarden Euro erwirtschaftet.

Als Gastredner beim Neujahrsempfang war der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gekommen. Neben einem verbalen Ritt durch alle aktuellen regional- und bundespolitischen Themen ging Herrmann auch auf die wirtschaftliche Lage in Oberfranken ein. Er betonte die Wichtigkeit von Baur als größter Arbeitgeber der Region. Durch Zusammenarbeit mit der Otto-Gruppe sei Baur eine echte Erfolgsgeschichte, sagte der Innenminister und fügte hinzu: "Oberfranken ist keine Problemregion, das ist nur Gerede."

Wachstumsmarkt Osteuropa

Albert Klein blickte in seiner Rede optimistisch in die Zukunft: Die österreichische Tochterfirma Unito entwickle sich blendend. Mit ihr wolle man Marktanteile in Osteuropa gewinnen. Stärken wolle man das Dienstleistungssegment, vor alllem den Wachstumsmarkt "E-Commerce" (elektronischer Handel) habe man im Blick. Dafür habe man in Weismain ein neues Unternehmen mit dem Namen "empiriecom" gegründet. Die auf digitale Anwendungen und "E-Commerce" spezialisierte Firma nehme am 1. März ihre Geschäfte auf.

"Darüber hinaus ist es ein wichtiges Ziel, weitere qualifizierte Arbeitsplätze in unserer Heimatregion aufzubauen", betonte Klein. Auf dem ersten Neujahrsempfang 2006 habe man mit der "Vision 2020" einen grundlegenden Wandel eingeleitet und "alte Zöpfe" abgeschnitten. Nach einer Analyse von Markt, Kunden und Sortimenten habe man nun die "Vision 2025" entwickelt. "2015 wird für Baur ein Jahr bedeutender Weichenstellung", sagte Klein. Zudem stellte Baur seinen fast 60-seitigen Nachhaltigkeitsbericht vor. Durch diesen ziehe sich die Verbundenheit zu Oberfranken wie ein roter Faden, so Klein.

Neue Ausbildungsberufe schaffen

Baur zähle zu den attraktivsten Ausbildungsbetrieben in der Region. Aber seit längerem sehe man eine Lücke in den anerkannten Ausbildungsberufen. Man habe deshalb eine Initiative gestartet, um das Ausbildungsprofil und Berufsbild für Online-Kaufleute zu schaffen.

Zudem wolle man weiter wachsen, aber nicht um jeden Preis. Es gehe nicht darum Marktanteile zu kaufen, sondern um Nachhaltigkeit, erklärte Klein und fügte an: "Denn damit sichern wir die Arbeitsplätze an unseren Standorten, und die stärken die Wirtschaftskraft in Oberfranken." Ein neues einheitliches Design (Corporate Design) mit neuem Logo und dann bundesweiter Hörfunkwerbung soll die Marke und den Slogan: "Baur ohne e" bekannter machen.

Als Vertreter der Otto-Gruppe kam Konzernvorstand und Otto-Sprecher Alexander Birken. Er sah die Entwicklung im zu Ende gehenden Geschäftsjahr etwas nüchterner. Insgesamt sei man deutlich unter dem Vorjahresergebnis. Gründe seien unter anderem der schwächelnde Markt in Russland, Verluste im nordamerikanischen Möbelgeschäft, aber auch hohe Investitionen. Aber einzelne Gesellschaften stehen gut da, sagte Birkner und fügte an: "Wir sind sehr, sehr zufrieden mit dem, was wir bei Baur sehen." Auf die schnelle Entwicklung im Internet und die wachsende Konkurrenz müsse man unter anderem mit kleineren Arbeitseinheiten und flacheren Hierarchien reagieren. Er forderte in "eine Ära des lustvollen Kontrollverlustes hineinzuschreiten".