Der Grüne gegen den Rest der Welt: Bundestags-Kandidat Valentin Motschmann hatte kein leichtes Spiel bei dem Treffen, zu dem die Bundes-, Landtags- und Bezirks-Kandidaten aller Coleur eingeladen waren.

Die Landwirte schossen sich schon beim ersten Rundgang auf dem Betrieb von Thomas und Helmut Erlmann in Waldau auf den 26-Jährigen ein und gaben ihm auch bei der anschließenden Diskussion im Popp'n-Keller in Pechgraben Feuer.

Ein Ferkel als Aufreger

Der Grund: Wahl-Plakate von Bündnis 90/Die Grünen. Unter anderem war ein Bild mit einem Ferkel und dem Schriftzug "Schnauze voll von Antibiotika" den Landwirten sauer aufgestoßen. Die gaben sich bei den Betriebsbesichtigungen deshalb alle Mühe, die Politiker davon zu überzeugen, dass sie die Tiere gut behandeln und gesunde Lebensmittel erzeugen.


"Man liest oft die wildesten Geschichten, die mit der Realität gar nichts zu tun haben", betonte Thomas Erlmann. Wie die Realität aussehe, das wolle man den potenziellen und amtierenden Mandatsträgern einmal vor Ort zeigen. Deshalb hätten seine Familie und die Familien Popp und Knörrer in Pechgraben ihre Höfe geöffnet.

Auf dem Rücken der Bauern

Mit Blick auf die Wahlplakate schimpfte BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger: "Das ist die Diffamierung eines ganzen Berufsstandes." Und er erhielt nicht nur von Helmut Erlmann Unterstützung: "Da wird der Wahlkampf auf dem Rücken der Bauern ausgetragen. Das haben wir nicht verdient."

Valentin Motschmann versuchte wohl, die Wogen zu glätten, ganz gelang ihm das jedoch nicht. Es tue ihm leid, wenn die Bauern das als Kampagne gegen ihren Berufsstand sehen, erklärte er. Das sei nicht die Absicht gewesen. Vielmehr seien die Tierfabriken im Norden des Landes das Problem. Dort gebe es zu viele Tiere, denen zu wenig Platz zur Verfügung stehe. "Vielleicht sind wir mit den Plakaten über das Ziel hinausgeschossen", räumte er ein.

Die Betriebsbesichtigungen waren hochkarätig besetzt. Vertreter aller Parteien und Verbände waren gekommen, egal ob CSU, SPD, FDP, Grüne, Freie Wähler. Zwischen drei und vier Stunden hatten sich die Kandidaten Zeit genommen, um sich den Sorgen und Wünschen der Bauern zu widmen.

Wünsche gaben Kreisobmann Löwinger und BBV-Geschäftsführer Gerhard List den Politikern einige mit auf den Weg: die Ausgleichszahlungen erhalten, Bürokratie abbauen, keine Flächen stilllegen, die für die Nahrungs- und Energieproduktion verwendet werden können. Den Flächenfraß eindämmen, Bauernland nicht an Investoren verkaufen, Hofübergaben nicht durch hohe Steuern belasten. Nur so sei es möglich, weiter zukunftsfähige Betriebe zu haben.

Keine Bittsteller

Und sie erhielten Unterstützung von allen Seiten: Inge Aures (SPD) sprach sich für vernünftige Preise für Lebensmittel aus aus ("Kein Landwirt darf Bittsteller sein"), war allerdings gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft. Martin Schöffel (CSU) stellte klar, dass in der konventionellen Landwirtschaft gesunde und hochwertige Produkte hergestellt werden. Tomas Nagel (FDP) sagte zu, alles dafür zu tun, die Bürokratie abzubauen. Martin Baumgärtner (Freie Wähler) wies darauf hin, dass jeder siebte Arbeitsplatz mit der Landwirtschaft zusammenhänge. Emmi Zeulner (CSU) will im Fall ihrer Wahl nicht zulassen, dass Gelder aus dem ländlichen Raum abgezogen werden.

Harald Peetz aus Himmelkron veranlassten die Statements zu der Aussage: "Wenn man die Redner so hört, gehen wir goldenen Zeiten entgegen."