Selten sieht man jemanden mit so viel Enthusiasmus Rasen mähen und Hecken schneiden: Robert Ndighila macht diese Arbeit Spaß. Als Praktikant ist der Kenianer mit einem Team des Bauhofs unterwegs und kümmert sich um die öffentlichen Grünanlagen. Vor einem Jahr kam der Kenianer mit seiner Frau Miriam Keis nach Kulmbach und möchte möglichst bald arbeiten und zum Unterhalt seiner Familie beitragen.

Eine gute Alternative muss her

Ganz einfach ist das für den 32-Jährigen nicht: Da sind zum einen die Sprachbarrieren. Robert Ndighila möchte gutes Deutsch lernen, hat coronabedingt aber seinen B2-Kurs noch nicht absolviert. Zum anderen ist die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse meist mit Problemen verbunden. Ndighila hat Betriebswirtschaft studiert und Berufserfahrung im Logistikbereich. Seinen Bachelorabschluss würde er gerne durch ein Masterstudium ergänzen.

Das wird auf absehbare Zeit jedoch nicht möglich sein. Deshalb hat sich der Kenianer an den Berufskompetenzwochen beteiligt, einer Initiative des Landkreises Kulmbach für Menschen mit Migrationshintergrund. Sein Ziel: eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau oder als Straßenwärter bei der Stadt Kulmbach.

Landschaftsgärtnerei ist eine Tätigkeit, die für den 32-Jährigen großen Reiz hat: "Man arbeitet im Freien und sieht sofort das Ergebnis der Arbeit." Zwei Wochen Praktikum sollten zeigen, ob eine entsprechende Ausbildung das Richtige für ihn wäre. Nach verschiedenen Grünpflege-Einsätzen mit zwei Teams des Städtischen Bauhofs ist Robert Ndighila überzeugt: "Ja, das würde ich sehr gerne machen." Deshalb will er sich bei der Stadt bewerben.

Wie stehen die Chancen, dass die Bewerbung Erfolg hat? Bauhofleiter Michael Barnickel hat einen guten ersten Eindruck des Praktikanten: "Er hat sich sehr engagiert gezeigt, war zuverlässig, pünktlich und einsatzfreudig, hat sich gut ins Team eingefügt." Ein geeigneter Bewerber wäre er also. Für einen Start in diesem Jahr ist es allerdings schon zu spät. Die Lehrstelle ist bereits besetzt. "Im nächsten Jahr werden aber auf alle Fälle wieder Ausbildungsplätze im Bauhof angeboten", so Jonas Gleich, Pressesprecher der Stadt. "Da kann sich Robert Ndighila sehr gerne bewerben. Die nichtabgeschlossene B2-Prüfung ist kein Hinderungsgrund."

Falls das mit dem Ausbildungsplatz klappt, freut sich darüber auch Souzan Nicholson sehr. Die Integrationslotsin des Landkreises Kulmbach hat mit vielen Partnern ein Netzwerk geknüpft, das dazu beitragen will, die Hürden auf dem Weg in die berufliche Integration zu minimieren. Um Unternehmen und Arbeitsuchende mit Migrationshintergrund zusammenzubringen, organisierte sie dieses Jahr erstmals "Berufskompetenzwochen".

Das Besondere: Unkompliziert, zeitsparend und dabei coronagerecht spielte sich die gesamte Veranstaltungsreihe online via Zoom-Konferenz ab. Schwierig? "Ganz und gar nicht", sagt Souzan Nicholson. "In den Workshops und beim Speeddating lief der Austausch sehr gut." Abstriche mussten allerdings bei den Praktika gemacht werden. Wegen der Pandemie wurden diese entweder lange aufgeschoben, wie bei Robert, der erst jetzt testweise gärtnern durfte, oder online durchgeführt. Nicht ideal, aber besser als gar nicht.

Der Kreis der Netzwerkpartner ist groß: Die Handwerkskammer und die IHK Bayreuth sind mit im Boot, die Aktivsenioren, eine ganze Reihe von Initiativen und Beratungsstellen, die sich um die Integration von Flüchtlingen und Bildungsprogramme kümmern. Rund 80 Partner sind dabei. Der Auftaktveranstaltung im März folgten Workshops für Migranten mit Bewerbungstraining und Sprachcoaching, sowie Informationsveranstaltungen für Betriebe, bei denen Flucht und Asyl, rechtliche, praktische und kulturelle Fragen beleuchtet wurden.

Warum braucht der Landkreis ein Netzwerk, das sich mit solchen Fragen beschäftigt? Eine Befragung im Zuge der Ausbildungsmesse hatte ergeben, dass 30 von rund 150 Unternehmen Menschen mit Migrationshintergrund bereits beschäftigen oder bereitwillig einstellen würden. "Es könnten mehr sein, aber viele sind sich unsicher, was sie beachten müssen. Das ist einer unserer Ansatzpunkte."

Neben den Workshops gab es ein Speeddating für Bewerber um Praktikumsstellen. Sechs Migranten fanden dabei Unternehmen, die sie zu Schnupperwochen in ihren Wunschberufen einluden - im Einzelhandel, in der IT, in der Landschaftspflege. Dazu gab es auch Beratung für Migranten, die von Selbstständigkeit träumen.

Alle Migranten unter den Teilnehmern haben je einen Begleitpaten an ihrer Seite. Robert Ndighila kann auf Wolfgang Hoh zählen. Der frühere Forstoberamtsrat simulierte mit ihm zum Beispiel Bewerbungsgespräche.

Helfen, sich weniger fremd zu fühlen

Was motiviert den Kulmbacher, sich ehrenamtlich für die Migranten zu engagieren? "Jeder ist doch fast überall ein Fremder", sagt der Begleitpate und möchte denjenigen, die in Kulmbach einen neuen Start suchen, helfen, sich weniger fremd zu fühlen. Robert ist seinem Paten sehr dankbar dafür: "Ohne Wolfgang hätte ich das nicht geschafft."

Rund 830 Geflüchtete leben derzeit im Landkreis, davon etwa die Hälfte in Altersgruppen, die man mit der Aktion ansprechen könnte. "Wir sind zwar keine Arbeitsvermittlung", betont Souzan Nicholson, aber ihr ist wichtig, dass die Migranten Tätigkeiten finden, die zu ihnen passen und mit denen sie glücklich sind. Deren Zahl zu steigern, ist ein Ziel der Initiative, für die sich die Integrationslotsin eine Fortsetzung wünscht.