Die Berichterstattung der Bayerischen Rundschau über den Beitrag im ZDF-Magazin "Mona Lisa" schlägt hohe Wellen im Internet. Zahlreiche Kommentare auf unserer Homepage www.infranken.de befassen sich mit der Fernsehsendung, in der Verunsicherung, Angst und Unzufriedenheit der Bürger im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik zum Thema gemacht worden sind.

Nachdem die Fernsehjournalisten beim AfD-Stammtisch in der "Bürgerstube" drehten, entstand sogar der Eindruck, Kulmbach sei ein Hort der Rechtspopulisten. Dies umso mehr, als ein Kulmbacher Teilnehmer zitiert wurde, dessen Tochter sich auf dem Schulweg von "anders ausschauenden, dunkelhäutigen Menschen" verfolgt fühle.


Comedian postet Video

Auch auf der Facebook-Seite der BR kocht das Thema hoch, der Kulmbacher Comedian Stefan Eichner ("Das Eich") hat sogar ein Video gepostet, in dem er sich kritisch mit den Aussagen des katholischen Dekans Hans Roppelt befasst. Roppelt hatte sich überrascht gezeigt und erklärt, dass er von der im ML-Beitrag angesprochenen "gefühlten Bedrohung" in Kulmbach und im Landkreis noch nichts bemerkt habe. "Da wird irgendwas in den Raum gestellt."
 

 


Diese Aussage ist Eichner offenbar zu wenig. Er informiert darüber, dass der im Mona-Lisa"-Beitrag zitierte Bürger Mitglied des Pfarrgemeinderats in St.-Hedwig sei. Wegen dessen menschenverachtenden Äußerungen sei er, Eichner, eine Woche vor der Kommunion seines Sohnes aus der Kirche ausgetreten. "Entweder haben Sie Ihren Kirchgarten schon lange nicht mehr besucht und wissen nicht, was da so wächst, oder es ist blanke Heuchelei", schreibt der Komödiant dem Dekan ins Stammbuch.

Hans Roppelt sagte gestern dazu, er habe sich über das Video "furchtbar geärgert", weil Eichner ihn total falsch zitiere. Seine Überraschung habe sich darauf bezogen, dass in einem 5-Minuten-Beitrag zum Thema AfD und Pegida Dresden und Kulmbach in einen Zusammenhang gebracht werden. Er wisse sehr wohl, dass der zitierte Vater im Pfarrgemeinderat sitzt. "Ich weiß aber nicht, ob er AfD-Mitglied ist und an welchen Stammtischen die einzelnen Pfarrgemeinderatsmitglieder teilnehmen. Ich werde das auch nicht peinlich nachfragen."

Weiter zitierte der Dekan Bundesinnenminister de Maizière ("Nicht alles, was mir nicht gefällt, kann ich verbieten") und betonte, dass gerade er in vielen Gesprächen und Predigten dargelegt habe, dass ihm die AfD nicht gefalle. Er stehe auch im Gegensatz zu Eichner, der in seinem flapsigen Beitrag gesagt habe, dass ihn der ganze Artikel gar nicht interessiere. Roppelt: "Mir ist es nicht wurscht, wenn eine AfD-Gruppe in Kulmbach existiert. Sollte jemand davon im Pfarrgemeinderat sein, dann halte ich das für schlecht, aber wir sind kein totalitäres System, in dem jeder die gleiche Meinung haben muss."

Fest stehe, so Hans Roppelt, dass sich die Gemeinde weiterhin für Flüchtlinge einsetzen werde, egal welcher Religion sie angehören. Das Thema ("weniger die Personen als die Sache") werde mit Sicherheit auch in der nächsten Pfarrgemeinderatssitzung diskutiert: "Wie positionieren wir uns, wie decken sich manche Äußerungen der AfD mit unseren christlichen Werten - das werden die Fragen sein."

Stefan Eichner ist mit der Wirkung seines Videos zufrieden. "Es diente in erster Linie dazu, aufzuzeigen, dass nachweislich menschenverachtendes Gedankengut an jeder Ecke lauert und nicht zu tolerieren ist." Wenn das "Filmchen" dazu beitrage, dass man sich nun auch innerhalb der Kirche kritisch mit dem Thema AfD auseinandersetze, habe es seinen Zweck erfüllt.

 

 

 


Das sagen Polizei und Schule
 

Bleibt noch die Frage: Gibt es nun tatsächlich Ereignisse, die Bürger und besonders Eltern Sorgen machen müssen?

Der Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach, Gerhard Renk, erklärte, dass aufgrund der allgemein gehaltenen Äußerung des Kulmbachers in der Fernsehsendung kein Bezug zu konkreten Vorfällen hergestellt werden kann. Sollte es aber Bedrohungen geben, seien die Bürger aufgerufen, diese der Polizei sofort zu melden. "Dann werden wir auch mit der entsprechenden Manpower auftreten und reagieren."

Was die Prävention betrifft, sagte Renk, dass sich sowohl die Sicherheitswacht als auch Beamte seiner Inspektion regelmäßig am zentralen Busbahnhof in Kulmbach umsehen. "Dass wir jeden einzelnen Schulweg kontrollieren, geht aber zu weit."

Dies unterstreicht auch der Rektor der Pestalozzischule, Karl Schmidt, demzufolge die Eltern die Verantwortung für ihre Kinder haben, bis sie auf dem Schulgelände angekommen sind. Auch Schmidt zeigte sich erstaunt darüber, dass die ZDF-Redakteure nicht bei ihm nachgefragt haben, denn dann hätten sie erfahren, dass mit Flüchtlingskindern noch keinerlei Vorfälle registriert wurden.

"Wenn es überhaupt Probleme gibt, dann weil sich unsere eigenen Kinder manchmal kloppen. Das ist etwas, was seit tausend Jahren auf dem Schulweg passiert."

Die Tochter des Kulmbachers, der im Mona-Lisa-Beitrag zu Wort kam, besucht die Pestalozzischule, er selbst ist sogar Mitglied des Elternbeirats. Rektor Schmidt dazu: "Seine Aussage hat im Lehrerkollegium schon für Verwirrung gesorgt."


Das sagt die AfD zur Berichterstattung

Zu unserem Beitrag "Kulmbachs Antwort auf Mona Lisa" ist uns eine Stellungnahme von Georg Hock (Kreisvorsitzender Kulmbach-Lichtenfels der Alternative für Deutschland) zugegangen, die wir in Auszügen veröffentlichen:

Hock schreibt, dass "Kulmbachs Antwort" seiner Ansicht nach nicht Volkes Stimme sei. Vielmehr seien dies die Stimmen der "Eliten". Er habe "selbstverständlich als Kreisvorsitzender dem Mona-Lisa-Team die Erlaubnis gegeben, bei unserem Bürgerabend zu filmen und die erbetenen Interviews - übrigens weniger mit Mitgliedern, denn mit interessierten und besorgten Bürgern aus Kulmbach und dem Landkreis - zu machen." Die AfD habe "nichts, aber auch gar nichts zu verbergen."

Die AfD Kulmbach treffe sich, so Hock, nicht in "Hinterzimmern", sondern in der Gastwirtschaft "Bürgerstube", regelmäßig, jeden dritten Mittwoch im Monat, öffentlich, immer um 19 Uhr. "Und die BR macht, wie andere lokale und regionale Medien auch, diese Veranstaltung in der entsprechendem Rubrik dankenswerter Weise auch bekannt." Der AfD-Kreisvorsitzende weiter: "Nichts von ,Hinterzimmerpolitik'. Warum auch?"

Für ein "Hinterzimmerverhalten" spreche auch nicht die Tatsache, dass die AfD seit 2013 immer wieder auf Infoständen in Kulmbach die Bürger über sich und ihre Inhalte informiere. "Wir werden dies auch in naher Zukunft wieder in der Fußgängerzone regelmäßig tun." Hock weiter: "Und wir wecken keine ,Ängste'. Sie sind da. Nicht zu knapp. Wir nehmen sie auf. Und natürlich ernst."

Bei der Wahl zum europäischen Parlament 2014 habe der Kreisverband in Kulmbach Stadt mit 8,65 Prozent das beste Ergebnis aller oberfränkischen Städte gehabt, bei den Landkreisen in Oberfranken habe man mit 8,25 Prozent Platz 2 gelegen. "Vielleicht waren gerade diese Zahlen der Grund dafür, warum die Mona-Lisa-Redaktion ausgerechnet zur AfD nach Kulmbach gefahren ist."

Im letzten Absatz des BR-Beitrags wird der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Gauland, dahingehend zitiert, er würde den Fußballspieler Boateng "nicht als Nachbarn" haben wollen. Gauland, so Hock, habe dies nie so gesagt.

Tatsächlich hatte Gauland gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."


KOMMENTAR von ALEXANDER MÜLLER
Ausgangspunkt unserer Berichterstattung war eine journalistische Fehlleistung der Kollegen des ZDF. Gerade in der heutigen Zeit verbietet es sich, unkritisch Behauptungen zu verbreiten - noch dazu, wenn sie mit ein, zwei einfachen Nachfragen zu entkräften wären.

Fortsetzung war die Diskussion auf inFranken.de, die erwartungsgemäß sehr kontrovers und alles andere als unaufgeregt verlief. Inhaltliche Auseinandersetzungen fanden dort praktisch auch nicht statt - stattdessen viele plakative Parolen, wie sie schon im ZDF-Beitrag zu hören waren.

Die dritte Ebene eröffnete schließlich Stefan Eichner, der ein Thema wahrnahm, über das in Kulmbach diskutiert wurde, und sich in einem Videobeitrag dazu äußerte - Kritik an der katholischen Kirche inclusive. Auf eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD verzichtete auch er, weil man sie hier angesichts ihres "Personals" nicht ernst nehmen müsse.

Wie also umgehen mit der AfD? - Wenn demnächst Bundes-Vize Gauland kommt, wird sich die selbsternannte "Alternative für Deutschland" als neue Volkspartei gerieren - und man darf gespannt sein, mit welchen Inhalten sie das untermauert.

Konstruktiv mitzuwirken, da reicht es nämlich nicht aus, Ängste auf- und ernst zu nehmen. Sondern von Parteien wird gemeinhin erwartet, dass sie Lösungen aufzeigen, die ethisch wie rechtsstaatlich vertretbar sind. Darauf sind wir gespannt - und genau daran ist die AfD schließlich in Kulmbach und überall sonst zu messen.