Viele Kulmbacher haben sie in guter Erinnerung: Eleonore Hohenberger, sachkundige Wissenschaftlerin, schreibfreudige Autorin, Referentin und energische Kämpferin für den Naturschutz - eine blitzgescheite und humorvolle Frau. Im Alter von 92 Jahren ist sie am Dienstag in München gestorben, wo sie seit 2017 in einem Seniorenheim lebte. Nach kurzer Krankheit sei sie friedlich eingeschlafen, teilt die Familie mit.

Eleonore Hohenberger war gebürtige Münchnerin. An der Ludwig-Maximilians-Universität studierte sie Biologie und schrieb ihre Doktorarbeit zum Thema Meeresbiologie. 1958 kam sie nach Kulmbach, wo sie als Lehrerin am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium die Fächer Biologie und Chemie unterrichtete. Unter anderem zählte Thomas Gottschalk zu ihren Schülern. Im Kollegium lernte sie ihren späteren Mann Heinrich kennen.

Bekannt geworden ist Eleonore Hohenberger in Kulmbach aber, als sie sich, nachdem ihre vier Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, in der Erwachsenenbildung engagierte. Sie war Leiterin zahlloser Volkshochschulkurse und gern gesehener Gast bei den regionalen Obst- und Gartenbauvereinen, wo sie Vorträge hielt. Später war sie in ganz Deutschland unterwegs, um über die Themen Gesundheit, Gartenbau, Biologie, Ökologie und Naturschutz zu referieren und zu lehren.

Ein wandelndes Lexikon

Nebenbei schrieb sie zahlreiche Bücher zum Thema Heilkräuter, die sich auch heute noch gut verkaufen. Lange bevor naturnahes Gärtnern zum Trendthema wurde, galt Eleonore Hohenberger als wandelndes Lexikon zu allen Fragen rund um Garten und Natur. Radio Plassenburg strahlte mehr als 1000 Folgen ihrer "Gartenecke" aus, für die Bayerische Rundschau war sie über Jahre hinweg Autorin einer wöchentlichen Gartenkolumne. So konnte sie ihr Wissen mit vielen Menschen teilen.

Auch politisch engagierte sich die Kulmbacherin: Zwölf Jahre lang, von 1990 bis 2002, gehörte Eleonore Hohenberger als parteiloses Mitglied der CSU-Fraktion im Kulmbacher Stadtrat an. Dort war sie oft die Stimme der älteren Generation, wenn es darum ging, bei Planungen auch an die Senioren zu denken.

Doch daneben lag ihr auch die politische Bildung der Jüngeren sehr am Herzen: So veröffentlichte sie als 80-Jährige noch ein letztes, äußerst bemerkenswertes Buch, an dem sie schon seit den siebziger Jahren schrieb: "Führer befiehl, wir folgen". Autobiographisch erzählt sie darin von den Mechanismen politischer Verführung und Verführbarkeit, denen sie während des Dritten Reiches selbst zum Opfer fiel. "Ich möchte dazu beitragen, dass nachfolgende Generationen verstehen, wie geschehen konnte, was geschehen ist", sagte sie 2009 bei der Veröffentlichung des Buches. Die Fehler der Vergangenheit - die Kulmbacherin wünschte sich, dass sie sich nie wiederholen mögen.

Das Buch brauchte ihr großen Respekt ein, weil sie sich selbst darin nicht schonte. Auch das gehörte zu Eleonore Hohenbergers starker Persönlichkeit.